Fairtrade-Blumen & Pflanzen

So funktioniert der faire Handel

Der Anbau von Blumen und Pflanzen ist ein arbeitsintensives Geschäft: Tausende Arbeitskräfte sind nötig für Aufzucht und Ernte, für das Zuschneiden und Verpacken. Die Fairtrade-Farmen liegen in Kenia, Äthiopien, Tansania, Uganda, Simbabwe, Ecuador, El Salvador, Sri Lanka und Costa Rica.

Für Entwicklungsländer spielt die Blumen- und Pflanzenindustrie eine immer bedeutendere Rolle, denn sie bringt  dringend benötigte Devisen ins Land und bietet tausenden Arbeitskräften einen Arbeitsplatz. Im kenianischen Landwirtschaftssektor ist die Blumenindustrie nach Tee die zweitgrößte Devisenquelle des Landes.

HERAUSFORDERUNGEN

Blumen gelten in Deutschland als allseits beliebtes Geschenk für verschiedenste Anlässe. Die deutsche Blumenproduktion kann aber die heimische Nachfrage nicht befriedigen, gut 80 Prozent der in Deutschland verkauften Schnittblumen müssen importiert werden. Auf den Blumen- und Pflanzenfarmen in den sogenannten Entwicklungsländern werden die Arbeitsbedingungen von niedrigen Löhnen, schlechten Arbeitsbedingungen und hohem Einsatz von zum Teil hochgiftigen Pflanzenschutzmitteln bestimmt.

WARUM FAIRTADE DEN UNTERSCHIED MACHT

Auf Fairtrade-zertifizierten Blumenfarmen werden die Blumen nach klar definierten sozialen und ökologischen Standards gezüchtet.

Frauen machen ungefähr die Hälfte der Beschäftigten auf Blumen- und Pflanzenfarmen aus. Sie sind als Pflückerinnen oder in den Verpackungshallen tätig. Viele sind alleinerziehend, ihr Bildungsstand ist meist niedrig. Oft kennen sie ihre Rechte als Arbeitnehmerinnen nicht. Niedrige Löhne und mangelnde Arbeitssicherheit verschlechtern die Situation. Fairtrade hat das Ziel, die Arbeits- und Lebensbedingungen der Beschäftigten zu verbessern. Dazu gehören feste Arbeitsverträge, Versammlungs- und Gewerkschaftsfreiheit, Mutterschutz und klare Arbeitszeitregelungen, Schutzkleidung und Trainings zum sicheren Umgang mit Chemikalien.

Für die Farmen gelten außerdem strenge Umweltkriterien. Wassersparende Bewässerung, Kläranlagen, Kompost- und Müllmanagement sind ebenfalls Bestandteile der Fairtrade-Standards.

Die Fairtrade-Prämie, die der Importeur zusätzlich zum Exportpreis bezahlt und die zehn Prozent dieses Preises beträgt, kommt direkt den Beschäftigten zugute. Das von der Belegschaft gewählte Fairtrade-Prämienkomitee entscheidet über die Nutzung des Geldes.

Fairtrade-zertifizierte Blumen- und Pflanzenfarmen müssen ihren Beschäftigten mindestens den gesetzlichen Mindestlohn zahlen. In vielen Ländern liegt dieser jedoch nicht auf einem existenzsichernden Niveau. Der überarbeitete Standard für lohnabhängig Beschäftigte, der Mitte 2014 in Kraft trat, sieht daher vor, dass Plantagen schrittweise Lohnerhöhungen durchführen müssen. Fairtrade International hat Studien in Auftrag gegeben um herauszufinden, auf welcher Höhe ein existenzsichernder Lohn je nach Region anzusetzen ist. Die Zahlung des tatsächlichen existenzsichernden Lohns kann nur Schrittweise eingeführt werden, da die Fairtrade-zertifizierten Blumen- und Pflanzenfarmen sonst nicht mehr konkurrenzfähig wären.

Es grünt so grün – Fairtrade-zertifizierte Pflanzen

Seit 2015 können neben Schnittblumen und fertig kultivierten Pflanzen auch Jungpflanzen oder unbewurzelte Stecklinge Fairtrade-zertifiziert werden. Fairtrade hat dafür den Standard für Blumen und Pflanzen um die Kategorie Jungpflanzen erweitert, was bedeutet, dass Pflanzen, die zu einem früheren Entwicklungsstand importiert werden – wie Stecklinge – von nun an eine Fairtrade-Zertifizierung erhalten können.

Durch diese Änderung können tausende Arbeiterinnen und Arbeiter auch auf Stecklingsfarmen von Fairtrade profitieren, wo die meiste Arbeitszeit anfällt. Die dortigen Arbeitskräfte sind zuständig für das Anpflanzen, die Vervielfältigung, die Ernte der Stecklinge und die Vorbereitung für den Export. Mit den Änderungen des Standards können mehr Farmen Fairtrade-zertifiziert werden und es werden mehr Fairtrade-Pflanzen in den Geschäftsregalen erhältlich sein: Tropenpflanzen wie Palmen, Zimmerpflanzen wie Weihnachtssterne, aber auch Balkon- und Gartenpflanzen wie beispielsweise Geranien.

Die meiste Arbeitszeit für die Produktion vieler Pflanzen fällt auf Farmen in Kenia, Äthiopien, Sri Lanka und anderen Ländern des globalen Südens an. Die dortigen Arbeitskräfte sind zuständig für das Anpflanzen, die Vervielfältigung, die Ernte der Stecklinge und die Vorbereitung für den Export.

Wenn die Stecklinge in Europa angekommen sind, reisen sie zu Jungpflanzenunternehmen oder Gartenbaubetrieben, wo sie bis zur Verkaufsreife heranwachsen. Die Betriebe im Norden sind nach dem Fairtrade-Händlerstandard zertifiziert. Sie müssen sich ebenfalls an die Fairtrade-Liste verbotener Substanzen halten und mindestens 20 Prozent alternative Ausgangmaterialien als Torf in der Anzuchterde verwenden, also beispielsweise Perlite oder Kokosfasern.

Grafik: Der Weg des Fairtrade-Weihnachtssterns (JPG, 1 MB)

Aktuelles: Fairtrade-Blumen in Deutschland

Absatzentwicklung und Details über Fairtrade-Blumen in Deutschland

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Details

Markteinführung: 2005
Herkunft: Äthiopien, Kenia, Tansania
Marktanteil: 28% (geschätzt)

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