Kinderrechte

Faire Handelsstrukturen zur Bekämpfung von Kinderarbeit

Nach Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) gibt es weltweit 152 Millionen Kinderarbeiter*innen zwischen fünf und 17 Jahren. Das heißt, sie müssen unter Bedingungen arbeiten, die sie ihrer elementaren Rechte und Chancen berauben. Mehr als die Hälfte von ihnen, 73 Millionen, müssen unter Bedingungen arbeiten, die gefährlich oder ausbeuterisch sind. Hierzu zählen Sklaverei, der Einsatz von Kindersoldaten und Arbeit, die die Gesundheit und Sicherheit gefährdet, also zum Beispiel Arbeit in Steinbrüchen, das Tragen schwerer Lasten oder sehr lange Arbeitszeiten und Nachtarbeit.

Weltweit gibt es nach Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) 152 Millionen Kinderarbeiter*innen zwischen fünf und 17 Jahren. 108 Millionen dieser Kinderarbeiter*innen sind in der Landwirtschaft beschäftigt.

108 Millionen der Kinderarbeiter*innen weltweit sind in der Landwirtschaft beschäftigt. Sie arbeiten als Baumwollpflücker*innen in Burkina Faso, auf den Plantagen in Ecuador oder bei der Kakaoernte in der Elfenbeinküste. Statt zur Schule zu gehen, schuften sie für einen Hungerlohn oder ganz ohne Bezahlung.

Fairtrade unterscheidet nach Definition der ILO zwischen ausgebeuteten Kinderarbeitern und arbeitenden Kindern. „Arbeitende Kinder” sind Kinder, die in ihren Familien mitarbeiten, dabei aber trotzdem zur Schule gehen können. Ihre Gesundheit und ihre schulische Ausbildung werden durch die Arbeit nicht beeinträchtigt. Viele Familien, die in Armut leben, sind auf diese Mithilfe ihrer Kinder angewiesen.

Unser Ansatz

Ausbeuterische Kinderarbeit sowie Zwangsarbeit sind im Fairtrade-System verboten. Fairtrade verpflichtet sich dazu, durch seine Programme, Standards und die Mitarbeiter*innen der Produzentennetzwerke vor Ort, Kinder zu schützen. Allerdings kann keine Organisation und kein Zertifizierungssystem eine 100%ige Gewähr dafür leisten, dass ein Produkt frei von Kinderarbeit ist.

Ein Schwerpunkt im Bereich Kinderrechte liegt auf der Prävention und Aufklärung. Ausbeuterische Kinderarbeit soll verhindert werden, bevor sie entsteht. Liegt eine Fairtrade-Produzentenorganisation in einem Land, in dem die Wahrscheinlichkeit von Kinderarbeit sehr hoch ist oder handelt es sich um ein Produkt mit einem Risiko für Kinderarbeit (hierbei orientiert sich Fairtrade u.a. an der Liste des US-amerikanischen Arbeitsministeriums „Watch List for Child and Forced Labour“), muss die Organisation Maßnahmen ergreifen. Hierzu gehört beispielsweise die Einführung von Richtlinien, mit denen sich die Organisation eindeutig gegen ausbeuterische Kinderarbeit positioniert sowie die Erarbeitung eines eigenen Kontrollsystems. Die Fairtrade-Mitarbeiter*innen vor Ort unterstützen und beraten die Fairtrade Produzent*innen bei diesen Aktivitäten. Siehe dazu auch den „integrativen Präventionsansatz“ von Fairtrade im Abschnitt zu einschlägigen Projekten.

Fairtrade legt Wert darauf, dass die Maßnahmen zur Verhinderung ausbeuterischer Kinderarbeit von den Produzent*innen selbst entwickelt und umgesetzt werden. Dabei erhalten die Produzentenorganisationen über die Berater*innen der Produzentennetzwerke Zugang zu Fachwissen und Trainings.

Wird in einer Produzentenorganisation gegen die Fairtrade-Standards zu Kinderarbeit verstoßen, werden sofort Maßnahmen ergriffen, um die betroffenen Kinder zu schützen. Alle Vertreter*innen der Produzentennetzwerke vor Ort sind verpflichtet, sämtliche Fälle von Kindesmisshandlung und Ausbeutung unverzüglich bei Fairtrade International zu melden und sowohl die Behörden vor Ort als auch Kinderschutzorganisationen zu informieren, um das Wohlergehen der betroffenen Kinder sicherzustellen. Dabei arbeitet Fairtrade mit internationalen (u.a. UNICEF und Save the Children) und lokalen Kinderrechtsorganisationen zusammen. Bei schwerwiegenden Verstößen gegen die Standards kann die jeweilige Produzentenorganisation suspendiert und am Ende, als letzten Schritt, dezertifiziert werden.

Das Thema "Kinderrechte" in Bildern

Fairtrade unterstützt Produzentenfamilien im Kampf gegen ausbeuterische Kinderarbeit und setzt sich dafür ein, dass den Kindern eine angemessene Schulbildung ermöglicht wird.

Die Fairtrade-Standards

Das Verbot ausbeuterischer Kinderarbeit ist Teil der Fairtrade-Standards. Die maßgeblichen Richtlinien in den Fairtrade-Standards zum Thema Kinderarbeit sind die ILO-Kernarbeitsnormen 138 (Mindestalter für Beschäftigung) und 182 (schlimmste Formen der Kinderarbeit).

Die Fairtrade-Standards sehen unter anderem Folgendes vor:

...dürfen bei Fairtrade-zertifizierten Organisationen nicht angestellt werden. Zudem dürfen Kinder unter 15 Jahren ihren Eltern nur dann bei der Arbeit helfen, wenn dies nach der Schule oder in den Ferien geschieht und sichergestellt werden kann, dass die Kinder nur leichte Arbeiten verrichten.

...dürfen keine potentiell gefährlichen oder ausbeuterischen Arbeiten verrichten.

...sind Fairtrade-zertifizierte Organisationen dazu verpflichtet, vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen. Sie führen zum Beispiel ein internes Kontrollsystem ein, mit dem gefährdete Kinder innerhalb der Produzentenorganisation identifiziert und besser geschützt werden können.  

Darüber hinaus: integrativer Ansatz

Neben diesen Maßnahmen zu Prävention und Aufklärung verfolgt Fairtrade zusätzlich einen integrativen Ansatz, um ausbeuterischer Kinderarbeit vorzubeugen. 2014 wurden 18 Pilotprojekte in verschiedenen Ländern weltweit gestartet. Der Ansatz ist besonders nachhaltig, da Jugendliche in den Produzentenorganisationen und Gemeinden ausgebildet und in den Prozess aktiv eingebunden werden. 

Die Produzentenorganisationen wählen zunächst ein Komitee, das die unterschiedlichen Aktivitäten gegen Kinderarbeit steuert und überwacht. Das Komitee organisiert Schulungen zum Thema Kinderrechte für die Menschen in den zugehörigen Dörfern und Gemeinden und entwickelt mit ihnen zusammen eine eigene Richtlinie, wie Kinder im Alltag besser geschützt werden können. Außerdem beauftragt das Komitee junge Erwachsene (im Alter von 18 bis 24 Jahren) aus den Gemeinden, eine groß angelegte Umfrage in allen Haushalten durchzuführen. Dabei soll herausgefunden werden, wie viele Kinder zu den jeweiligen Gemeinden gehören, wie alt sie sind, ob sie zur Schule gehen können und ob es für sie Gefahren oder Risiken in der Umgebung gibt.

Im Rahmen des Projekts wird auch die Schulbildung der Kinder intensiv gefördert. Die Produzentenorganisationen setzen zum Beispiel die Fairtrade-Prämie dafür ein, Schulen vor Ort besser auszustatten, Schulwege für die Kinder zu erleichtern oder Stipendien für Schüler*innen zu vergeben.

Fairtrade Projekt für Kindesschutz

In rund 70 Kakaobauern-Gemeinden in der Elfen­bein­küste trägt Fairtrade zur Verbesserung der Bildungs­situation von Kindern und Jugendlichen vor Ort bei.

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