Arbeiterrechte

Fairtrade-Tee-Arbeiter aus Kenia

Weltweit arbeiten über eine Milliarde Menschen  in der Landwirtschaft. Viele von ihnen können sich das, was sie für andere säen und anbauen, selbst nicht leisten. Sie haben keine Lobby und sind meist nicht organisiert. Die landwirtschaftlichen Betriebe, bei denen sie arbeiten, kämpfen in vielen Ländern selbst oft ums wirtschaftliche Überleben, denn sie werden im globalen Markt durch Zollbestimmungen und Nachfragermacht benachteiligt. Den Preisdruck, den landwirtschaftliche Betriebe im globalen Süden durch ihre Kunden erfahren, geben sie an ihre Arbeiter weiter. Ein Teufelskreis, den der faire Handel durchbrechen helfen will.

Insgesamt arbeiten derzeit rund 200.000 Menschen auf Fairtrade-zertifizierten Farmen, die meisten in den Produktbereichen Tee, Bananen und Blumen, 48 Prozent sind Frauen.

Seit 1994 arbeitet Fairtrade mit landlosen Arbeitern auf Teeplantagen. 1996 wurde der Standard für Fairtrade Bananen eingeführt. Von Anfang an war die Verbesserung der Situation der Arbeiter auf den Bananenplantagen hierfür ein wichtiger Motor. Seit 2006 gibt es Fairtrade Blumen, auch hier stehen die Arbeiter, und vor allem die Arbeiterinnen, die dieses Produkt anbauen, im Vordergrund. Insgesamt arbeiten derzeit rund 200.000 Menschen auf Fairtrade-zertifizierten Farmen, die meisten in den Produktbereichen Tee, Bananen und Blumen, 48% sind Frauen.

Sie profitieren in zweifacher Weise davon, dass ihr Betrieb Fairtrade- zertifiziert ist: Durch die Einhaltung der Fairtrade-Kriterien zu Arbeitssicherheit, Gesundheit, Arbeitsverträgen und Versammlungsfreiheit, und durch den Erhalt und die selbstbestimmte Verwendung der Fairtrade-Prämie. In jedem Fairtrade-zertifizierten Betrieb wählen die  Arbeiter aus ihrer Mitte das sogenannte Prämienkomitee, das über die Verwendung der Prämiengelder entscheidet.

Unser Ansatz

Die Fairtrade Standards schützen die Arbeiterinnen und Arbeiter und fördern sie. Fairtrade-zertifizierte Betriebe sind aktiv in Bereichen wie Arbeitsschutz, Sicherheit und auch Versammlungsfreiheit und Selbstorganisation. Die Selbstverwaltung der Prämiengelder durch die demokratisch gewählten Prämienkommittees gibt den Arbeitern die Möglichkeit, konkrete Verbesserungen für sich und ihre Familien umzusetzen. Häufig setzen sie auch Projekte um, die der ganzen Gemeinde nutzen. Wie viele Projekte umgesetzt werden können, hängt jedoch von der Höhe der Prämiengelder ab, und diese wiederum direkt von den Fairtrade-Absätzen ab. Kurzgefasst: je mehr Fairtrade-Absätze, desto mehr Wirkung.

Fairtrade-Personal vor Ort berät die Prämienkomitees. Die Komitees von verschiedenen Betrieben tauschen sich aus und unterstützen sich gegenseitig. Ein solches Beispiel ist „Funtrajusto“, die Stiftung von mehreren kolumbianischen Prämienkomitees aus verschiedenen Betrieben, welche 2016 den Fairtrade-Award gewonnen hat.

Die Produzentennetzwerke unterstützen mit ihren Beratern vor Ort aber nicht nur die Beschäftigten und die Prämienkomitees, sondern auch die zertifizierten Betriebe. Sie beraten das Management bei der Umsetzung der Fairtrade-Standards, und unterstützen so betriebliche Verbesserungen in Bezug auf Sicherheit, Energienutzung.   

Was schreiben die Fairtrade-Standards vor?

Seit 2009 gibt es den Fairtrade-Standard für lohnabhängig Beschäftige, der sich auf vor allem auf die Produktionsverhältnisse auf Bananen, Tee-, und Blumenplantagen bezieht. Seit 2016 gibt es darauf aufbauend außerdem den Fairtrade-Textilstandard, der für die gesamte Wertschöpfungskette gilt.  Beide Standards haben zum Hauptziel, die Arbeitsbedingungen von Arbeiterinnen und Arbeitern in Plantagen und Fabriken zu verbessern. Darunter fallen Kriterien wie zum Beispiel:

  • Gesundheits- und Arbeitsschutz
  • Sicherheit am Arbeitsplatz
  • Organisations- und Vereinigungsfreiheit z.B. in Gewerkschaften
  • gleiche Rechte und Löhne für Saison- und Wanderarbeiter
  • Diskriminierungsverbot
  • Verbot der Kinder- und Zwangsarbeit
  • gleicher Lohn für  gleiche Arbeit für Frauen und Männer
  • die Zahlung von gesetzlichen Mindestlöhnen
  • die Verpflichtung über schrittweise Anhebung mittel- bis langfristig  existenzsichernde Löhne zu erreichen

Fairtrade baut dabei auf den Kernarbeitsnormen der International Labour Organization ILO und vergleichbarer Dokumente der Vereinten Nationen auf, und integriert diese in die Standards. In den meisten Fällen geht Fairtrade allerdings deutlich über diese Vorgaben hinaus. So ist Fairtrade die derzeit einzige Organisation, die einen verbindlichen Zeitrahmen für die Erreichung von existenzsichernden Löhnen in der Textilbranche vorgibt. Fairtrade macht eine Zertifizierung von Lohnarbeitsbetrieben von der Unterzeichnung eines Protokolls zur Vereinigungsfreiheit durch das Management/die Eigentümer des Unternehmens abhängig.
Neben dem Lohnarbeitsbereich gibt es auch Standardvorgaben für Arbeiter und Angestellte von kleinbäuerlichen Organisationen, z.B. Kooperativen. Prinzipiell werden auch hier die gleichen Bereiche wie in den vorgenannten Standards abgedeckt und auf die ILO-Kernarbeitsnormen aufgebaut; allerdings sind diese wegen der sehr unterschiedlichen Strukturen und Arbeitsbedingungen in kleinbäuerlichen Organisationen nicht immer gleichermaßen gültig oder umsetzbar.

Was tut Fairtrade darüber hinaus?

Fairtrade steht mitten im Spannungsfeld zwischen dem wirtschaftlichem Überleben von landwirtschaftlichen Betrieben im Süden, die starkem Druck ausgesetzt sind, und den Rechten der Arbeiter in diesen Betrieben, die oft zu den Ärmsten der Armen gehören.

Standardsetzung und Mindestpreise allein reichen nicht aus, um die Situation der Arbeiterinnen und Arbeiter nachhaltig zu verbessern. Sind z.B. Standardkriterien zu weit von der tatsächlichen  Situation in einem Land entfernt, gibt es Umsetzungsschwierigkeiten. Daher hat das „Worker´s Rights Desk“ bei Fairtrade International  2012 eine Strategie verabschiedet, die neben einem neuen Standard für Lohnarbeit zusätzliche Instrumente bereithält, um die Situation der Beschäftigten zu verbessern.

Eckpunkte sind:

  • Existenzsichernde Löhne: Unter dem Dach von ISEAL hat Fairtrade gemeinsam mit anderen Organisationen eine unabhängige und international anerkannte Methode entwickelt, nach der berechnet wird, wie hoch ein existenzsichernder Lohn in einer bestimmten Region oder Branche sein müsste. Ein solcher Lohn soll bei einer idealtypischen Familie (d. h. mit regional typischer Kinder- und Verdieneranzahl pro Haushalt) eine ausgewogene Ernährung, angemessene Wohnsituation, Schulbesuch, Gesundheitssorge sowie Vorsorge für unerwartete Ereignisse ermöglichen. In vielen Ländern sind solche Löhne sehr weit von der Alltagsrealität entfernt. Durch ihre Berechnung wird eine Zielvorgabe gesetzt. Für Beschäftigte, Arbeitgeber und Kunden wird klar, wie weit die Ist-Situation von einem gewünschten Zielzustand entfernt ist. Sie können mit dieser Information zielgerichteter und  wirksamer verhandeln
  • Stärkung von Gewerkschaften: Förderung von effektiven Tarifverhandlungen: Die Höhe der Löhne wird maßgeblich durch Tarifverträge reguliert. Gewerkschaften sind auf diesem Gebiet die legitimen Vetreter der Arbeiter. Je effektiver sie funktionieren, um so eher verbessern sich die Bedingungen der Beschäftigten einer ganzen Region. Fairtrade fördert diesen Prozess aktiv.
  • Multistakeholderforen: Nur wirtschaftlich gesunde Plantagen können auch nachhaltig gute Löhne zahlen. Dauernder Preisdruck und Verbraucherpreise, die unter den Herstellungskosten liegen, werden als Lohndruck an die Arbeiter weiter gegeben. Deshalb haben alle Akteure der Lieferkette hier eine Verantwortung. Fairtrade arbeitet daher an Multistakeholderforen mit und initiiert diese zum Teil sogar selbst. Z.B. beim Malawi Tea Project mit Supermärkten, Gewerkschaften und Teeplantagen  aus Malawi, oder beim Aktionsbündnis Nachhaltige Bananen in Deutschland. Fairtrade setzt sich aber auch politisch für mehr Gerechtigkeit in den internationalen landwirtschaftlichen Lieferketten ein, z.B. das Fair Trade Advocacy Büro in Brüssel.
  • Nutzung der Fairtrade Prämie zur Aufstockung der Löhne: Durch die Fairtrade-Prämie erhalten die Beschäftigten die Möglichkeit, in Projekte zu investieren, die der Gemeinschaft insgesamt nutzen. Es gibt aber Situationen, für ein höheres Familieneinkommen für die Arbeiter Priorität hat. Hier kann die Fairtrade Prämie helfen, die dafür zu einem bestimmten Teil genutzt werden kann, wenn dies von den Beschäftigten so demokratisch beschlossen wurde.