International Farm Workers Forum: Gemeinsam für die Zukunft

Gewerkschafter in Südafrika fordern neue Organisationsformen, verbündete Kräfte und eine Verbesserung im Kollektiv.

90 GewerkschafterInnen aus über 30 Ländern trafen sich beim Forum in Südafrika.

Die Forderungen sind klar

Zwischen dem 5. und dem 8. Oktober trafen in Stellenbosch, Südafrika, 90 Gewerkschaftsaktivis-tInnen aus über 30 Ländern zusammen, um sich in einem offenen Forum über neue Formen der Organisierung auszutauschen. Das Forum wurde von der Rosa Luxemburg Stiftung (RLS) und der International Union of Food Workers (IUF), also dem internationalen Verband von Agrar-, Nah-rungsmittel- und Hotelgewerkschaften, gemeinsam organisiert. Deutlich wurde das erhebliche Potential, gemeinsame Kampagnen gegen dieselben Konzerne zu fahren, wie es etwa die migranti-sche Landarbeitergewerkschaft FLOC aus den USA gemeinsam mit Verbündeten in Malawi und Europa getan haben. Konkrete Erfolge, zum Beispiel bei der Verbesserung von Arbeitsinspektionen und dem Arbeitsschutz bei der Ausbringung von Pestiziden gelangen dort, wo Rahmenbedingun-gen stimmten und Regierungen die Gewerkschaften unterstützen, wie in Uruguay. In einer ge-meinsamen Abschlusserklärung hoben die TeilnehmerInnen hervor, dass private Codes of Conduct das Recht auf Kollektivverhandlung und gewerkschaftliche Organisierung nicht ersetzen können, dass FarmarbeiterInnen vom Klimawandel in besonderem Maße betroffen sind, dass ArbeiterIn-nen Zugang zu Land brauchen, und dass agrarökologische Innovationen dringend notwendig seien.

Fairtrade unterstützt die Eigenorganisation der ArbeiterInnen

Fairtrade teilt vollumfänglich die Forderungen des Forums und die Fairtrade-Standards zielen auf Umsetzung der Forderungen in zertifizierten Betrieben. Der Fairtrade Standard für Lohnarbeit (LINK) enthält z.B. wichtige Kriterien zu Arbeitsschutz und Sicherheit am Arbeitsplatz und fördert proaktiv Versammlungsfreiheit. Fairtrade ersetzt keinesfalls das Recht auf Kollektivverhandlung und gewerkschaftliche Organisierung, sondern fordert und fördert die Umsetzung dieser Rechte durch die Fairtrade Standards und durch zusätzliche Projekte.

Die gemeinsame Abschlusserklärung, Bilder vom Forum und Fakten zur Situation von Landarbeite-rInnen finden sich unter: www.farmworkersforum.org

Preiskampf auf dem Rücken der Arbeiterschaft

In der industriellen Agrarproduktion herrscht ein harter Preiskampf, der von den beteiligten Unter-nehmen entlang der gesamten Lieferkette, vom Acker bis zum Supermarktregal, auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen wird. Am härtesten trifft es dabei die Lohnabhängigen am Anfang dieser Kette, jene, die den Boden bearbeiten, die anbauen und ernten, schätzungsweise 400 Milli-onen ArbeiterInnen. Ihre Gewerkschaften stehen vor besonderen Herausforderungen – die Be-schäftigung erfolgt oftmals nur saisonal, AktivistInnen sind auf abgelegenen Farmen vielfach auf sich alleine gestellt, die „agroindustrielle Reservearmee“ auf dem Land ist groß und kann gegenei-nander ausgespielt werden. Zugleich zeigen Untersuchungen der ILO, dass der Anteil der lohnab-hängig Beschäftigten unter den Arbeitenden auf dem Land in den meisten Regionen der Welt deutlich zunimmt.