Zertifizierung und Kontrolle

Qualitätssicherung durch regelmäßige Überprüfung

Audit bei einer Kooperative in Costa Rica

Die Zertifizierungsgesellschaft FLOCERT überprüft vor Ort, ob Produzenten und Händler die Fairtrade-Standards einhalten und die sozialen, ökonomischen und ökologischen Standards erfüllen. Sie kontrolliert auch, ob die Produzentenorganisationen den festgelegten Mindestpreis und die Fairtrade-Prämie ausgezahlt bekommen.

FLOCERT ist ein unabhängiges Zertifizierungsunternehmen und Tochtergesellschaft von Fairtrade International. Das Unternehmen zertifiziert Produzenten, Händler und Hersteller in rund 115 Ländern nach den Fairtrade-Standards.

Weltweit einheitliche Verfahren

Über 100 hochqualifizierte Auditorinnen und Auditoren nehmen in regelmäßigen Abständen Audits nach einheitlichen Verfahren bei allen relevanten Vertragspartnern durch.

Berücksichtigung regionaler Besonderheiten

Die FLOCERT-Auditorinnen und Auditoren leben meist in den jeweiligen Ländern und Regionen, in denen die Vertragspartner ansässig sind. Sie kennen die regionalen Verhältnisse, gesetzlichen Rahmenbedingungen und kulturellen Gegebenheiten genau und sprechen meist die lokalen Sprachen. So können sie die Situation vor Ort gut einschätzen und wissen, worauf sie besonders achten müssen.

Regelmäßige Schulungen der Auditorinnen und Auditoren

Um die Qualität und Einheitlichkeit der Zertifizierungsverfahren zu gewährleisten, sind alle Auditorinnen und Auditoren verpflichtet, an Schulungen teilzunehmen, bei denen Interviewtechniken trainiert werden. Selbstverständlich werden sie auch regelmäßig zu den Fairtrade-Standards und darüber, wie sie ihre Einhaltung überprüfen können, geschult.

Unterschiedliche Dauer und Kosten der Kontrollen

Der Zeitaufwand und die damit verbundenen Kosten für die Kontrollen sind sehr unterschiedlich und abhängig von der Größe der Kooperative bzw. Plantage, der Organisationsstruktur und der Anzahl der zu zertifizierenden Produkte. Ein vollständiges Audit bei einer Produzentenorganisation dauert in der Regel mehrere Tage.

Nachbesserungen bei Abweichungen

Nach der Inspektion vor Ort schickt der Auditor/die Auditorin einen Audit-Bericht an FLOCERT. Der zuständige FLOCERT-Analyst wertet diesen Bericht aus, prüft eventuell gefundene Abweichungen von den Standards und fordert Korrekturmaßnahmen dafür ein. Sofern keine kritischen Abweichungen gefunden wurden, erhält die Produzentenorganisation zunächst eine zeitlich befristete sogenannte Handelsgenehmigung. Erst wenn alle Abweichungen korrigiert sind, kann FLOCERT eine positive Zertifizierungsentscheidung treffen und ein FAIRTRADE-Zertifikat ausstellen.

Regelmäßigkeit der Kontrollen

Nach der Erst-Zertifizierung werden die Produzentenorganisationen innerhalb eines dreijährigen Zertifizierungszyklus mindestens zwei weitere Male überprüft. Neben diesen regulären sogenannten Überwachungsaudits führt FLOCERT auch unangekündigte Audits durch.

Innovative Standards mit Kern- und Entwicklungskriterien

Bei den Kontrollen wird die Einhaltung der Fairtrade-Standards geprüft. FLOCERT hat die Fairtrade-Standards in konkrete einzelne Kontrollpunkte übersetzt, die sogenannten Compliance Criteria, und damit eine öffentlich zugängliche Liste mit Konformitätskriterien geschaffen.

„Label mit hoher Aussagekraft. Sehr starke übergreifende Kriterien. Mindestpreise für Rohware und Prämien sind Pflicht. Transfair kann gelabelte Produkte sehr gut zurückverfolgen. Gute Kontrollmechanismen, vielfältige Wirkungsanalysen.“

Stiftung Warentest, Ausgabe 05/2016

Es gibt verpflichtende Kernkriterien, die die Fairtrade-Grundwerte widerspiegeln und eine solide Basis für die Entwicklung und Stärkung der Produzentengruppen bilden, wie zum Beispiel das Verbot ausbeuterischer Kinderarbeit. Werden bei den Kernkriterien Abweichungen erkannt, müssen diese umgehend korrigiert werden, ansonsten folgt eine Dezertifizierung.

Zusätzlich dazu gibt es Entwicklungskriterien, die den Fortschritt in der Produzentenorganisation aufzeigen und über die nächsten drei bis sechs Jahre erfüllt werden müssen. Die Entwicklungskriterien sind so angelegt, dass jede Produzentenorganisation einen eigenen Entwicklungspfad definieren kann. Der Standard bildet somit einen Korridor, innerhalb dessen jede Organisation eigene Entwicklungsschwerpunkte festlegen kann. Für FLOCERT ist wichtig, dass auf diesem Weg die festgelegten Wegmarken nach drei bzw. sechs Jahren auf tatsächlich erfüllt worden sind und die Produzenten einen Entwicklungsschub geschafft haben.

Interview mit Rüdiger Meyer, Geschäftsführer der FLOCERT GmbH

Alles heile Welt? – Oder: Was heißt Entwicklung für Fairtrade-Produzenten?

Fairtrade agiert in Regionen und Produktbereichen, in denen vielschichtige Probleme vorherrschen. Als Entwicklungssystem versucht Fairtrade mit seinen Standards Produzentenorganisationen dabei zu unterstützen, sich weiter zu entwickeln. Darum arbeiten Fairtrade und FLOCERT insbesondere auch mit  Organisationen von Kleinbauern und angestellten Arbeitern zusammen, deren Entwicklungsstand zum Zeitpunkt der Erstzertifizierung noch nicht besonders hoch ist. Und genau da liegt die Herausforderung für Fairtrade: Einzelnen Organisationen einen Zugang ins Fairtrade-System zu ermöglichen. Sie sollen dort abgeholt werden können, wo sie sich befinden, um dann mit Hilfe der Fairtrade-Standards, einer Entwicklungsprämie und einem kostendeckenden Mindestpreis eine Entwicklung hin zu besseren Arbeits- und Lebensbedingungen in Gang zu setzen. Die Organisationen verpflichten sich auf einen Entwicklungsplan, der zu sichtbaren Veränderungen in den nächsten drei bis sechs Jahren führen soll.

Video-Interview

zum Zertifizierungsprozess mit Rüdiger Meyer, Geschäftsführer von FLOCERT.

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FLOCERT

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