Forderung zur Stärkung von Kleinbauern weltweit

Zum Welternährungstag am 16. Oktober fordert Misereor die Rechte von Kleinbauern zu stärken und die Konzernmacht zu begrenzen.

Kleinbäuerinnen und Kleinbauern erzeugen 70 Prozent der weltweiten Nahrungsmittel, aber nutzen dafür nur 30 Prozent der Land- und Wasserressourcen. Deshalb ist ihr Beitrag zur Welternährung und Ressourcenschonung von zentraler Bedeutung, um den Hunger in der Welt nachhaltig zu bekämpfen.

Misereor, das Werk für Entwicklungszusammenarbeit und Mitgliedsorganisation von TransFair e.V.  betrachtet die wachsende Macht des Agrobusiness und seine negativen Folgen für Mensch und Mitwelt mit Sorge. Misereor-Chef Pirmin Spiegel betont anlässlich des Welternäherungstag (16. Oktober), dass das Modell des Agrobusiness weder nachhaltig sei, noch leiste es einen zukunftsfähigen Beitrag zur Bekämpfung des Hungers in der Welt. Laut der Welternährungsorganisation FAO ist die Zahl chronisch unterernährter Menschen seit zehn Jahren erstmals wieder auf 815 Millionen Menschen gestiegen.

In Südamerika zeigen sich die Folgen der industrialisierten Landwirtschaft besonders stark. Pirmin Spiegel berichtet nach der Begegnung mit Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, Forschenden und weiteren Misereor-Partnern in Paraguay, dass Paraguay noch vor wenigen Jahrzehnten sich selbst ernähren konnte. Heute importiere das Land Nahrungsmittel im großen Maßstab. Der massive Einsatz von Agrarchemikalien auf den Feldern verseucht Wasser und Nahrung und kann zu schweren Vergiftungen führen. Schwangere Frauen in den ländlichen Gebieten berichten von der Angst, dass ihre Kinder durch Pestizidbelastungen krank zur Welt kommen. Hinzu kommen Probleme wie Entwaldung, Landraub und die Zunahme von Gewalt durch Landkonflikte zwischen Kleinbauern und Großgrundbesitzern. Die Bauernfamilien sind die großen Verlierer, deren Lebensgrundlagen, eigenes Saatgut und damit ein Teil ihrer Kultur verloren gehe.

Pestizideinsatz gefährdet Millionen von Menschen

Nach Einschätzungen von Misereor leistet ein Agrarmodell, das auf dem großflächigen Einsatz von Pestiziden und teurem gentechnisch verändertem Saatgut beruht, keinen nachhaltigen Beitrag zur Lösung der globalen Ernährungskrise. Das Gegenteil sei der Fall, da durch den übermäßigen Einsatz von Agrargiften die natürlichen Grundlagen für eine nachhaltige Landwirtschaft und die Gesundheit von Landarbeitern, Kleinbauernfamilien gefährdet sei. So leiden weltweit um die 41 Millionen Menschen von den negativen Auswirkungen des Pestizideinsatztes.

Kleinbauern stärken statt Konzernmacht ausbauen

Ergänzend dazu meint Pirmin Spiegel, dass gerade Kleinbauern eine nachhaltige, lokal angepasste und eine Pflanzenvielfalt erhaltende Methoden nutzen, mit denen sie ihre Landwirtschaft widerstandsfähiger gegen die Folgen des Klimawandels machen können. Deshalb sei es an der Zeit weniger auf ein einseitiges Agrarmodell zu setzten, das die Macht weniger Konzerne ausbaut, sondern eine Politik anzustreben, die Bauernfamilien fördert und ihre Potenziale erkennt. Sie erzeugen 70 Prozent der weltweiten Nahrungsmittel, aber nutzen dafür nur 30 Prozent der Land- und Wasserressourcen, deshalb ist ihr Beitrag zur Welternährung und Ressourcenschonung von zentraler Bedeutung, um den Hunger in der Welt nachhaltig zu bekämpfen, so der Misereor-Chef.

Der Fairtrade-Ansatz

TransFair teilt und unterstützt die Einschätzung von Misereor. Gerade Kleinbauernfamilien sollen durch die Zusammenarbeit mit Fairtrade ihre Organisation stärken, ihre Produktivität und die Infrastruktur verbessern und dadurch langfristig eine bessere Position am Weltmarkt erlangen. Die Ziele von Fairtrade basieren auf den drei Säulen der Nachhaltigkeit:

  • Soziales: Kleinbauern schließen sich bei Fairtrade zu starken Organisationen zusammen, in denen demokratisch über die Verwendung der Fairtrade-Prämie entschieden wird
  • Umwelt: Kleinbauern halten Umweltkriterien ein, die in den Standards verankert sind. Sie werden in der Umstellung auf Bio-Anbau unterstützt und erhalten einen Aufschlag für biologische Produkte
  • Ökonomie: Durch die Zahlung eines Mindestpreises ist ein nachhaltiges Wirtschaften gesichert. Außerdem erhalten die Kleinbauernorganisationen eine Fairtrade-Prämie für Gemeinschaftsprojekte und bei Bedarf eine Vorfinanzierung.

Darüber hinaus hat Fairtrade die Stärkung der Kleinbauern zu einem Fokusthema erhoben, denn Kleinbauern benötigen vielerorts mehr Unterstützung, um Herausforderungen wie dem Klimawandel begegnen zu können. Auf der Ebene von Fairtrade International werden Strategien entwickelt, um Fairtrade-Kleinbauern einen größeren Absatzmarkt zu bieten. Untersuchungen zeigen, dass die Produzentenorganisationen am schwächsten sind, die nur geringe Anteile ihrer Produktion als Fairtrade-zertifizierte Ware verkaufen können. Sie profitieren dann zum Beispiel kaum von der Fairtrade-Prämie, die ein wichtiges Werkzeug für die ländliche Entwicklung ist. Ein weiterer wichtiger Aspekt, der eine starke Kleinbauernorganisation ausmacht, ist die Qualität der Organisationsstruktur. Nur eine gut aufgebaute Kleinbauernorganisation mit funktionierenden Partizipations- und Entscheidungsorganen ist in der Lage, effizient und nachhaltig zu produzieren.

Voneinander lernen und Ideen teilen

Fairtrade International kann als Dachorganisation Produzentengruppen vernetzen, die ähnlichen Problemen gegenüberstehen und so über große Distanzen hinweg Best-Practice-Szenarien zugänglich machen. Kleinbauernorganisationen sollen somit stärker voneinander lernen können, Fehler vermeiden und Ideen teilen. Als Grundlage dient eine genaue Datenerhebung sowie die Kommunikation mit den Kleinbauern vor Ort. Die Arbeitsgruppe zum Fokusthema Kleinbauern ist derzeit im Aufbau. Projekte werden zusammen mit Kleinbauernvertretern entwickelt und die Finanzierungsmöglichkeiten geprüft.

Über Misereor

Misereor setzt sich mit seinen Partnerorganisationen weltweit aktiv für die Armen und Benachteiligten ein und fordert grundsätzliche Veränderungen.