Fairtrade-Baumwollprogramm

Neue Kunden für nachhaltige Baumwolle

Kady Waylie, eine Baumwollbäuerin aus Sitaoulé Bananding im Senegal wirft frisch gepflückte Baumwolle auf einen Haufen

Warum ein Baumwollprogramm?

Das Fairtrade-Baumwollprogramm bietet Baumwollbäuerinnen und -bauern eine weitere Möglichkeit, ihre Lebensbedingungen durch Fairtrade verbessern zu können. Das Programm bringt sie mit der wachsenden Anzahl von Firmen zusammen, die ihre Baumwollbeschaffung nachhaltig gestalten wollen, anstatt nur eine bestimmte Kollektion mit Fairtrade-Baumwolle herauszubringen.

Dank des Programms können Kleinbäuerinnen und -bauern größere Mengen ihrer Baumwolle verkaufen. Gleichzeitig ist es für Firmen wesentlich einfacher, den Einkauf von Fairtrade-Baumwolle in ihre nachhaltige Beschaffungsstrategie zu integrieren. Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet es wiederum mehr Möglichkeiten, Fairtrade mit Ihrer Kaufentscheidung zu unterstützen.

Für Bäuerinnen und Bauern

„Wir brauchen dringend höhere Fairtrade-Absätze, damit Kleinbauern den nachhaltigen Anbau von Baumwolle weiterhin betreiben können. Wir freuen uns über das neue Fairtrade-Baumwollprogramm, weil wir uns mehr Möglichkeiten davon versprechen, unsere Baumwolle zu verkaufen und mehr Möglichkeiten für Konsumenten, um uns zu unterstützen.“

Pravakar Meher Pratima, Organic Grower Group, Odisha, Indien

Das Fairtrade-Baumwollprogramm konzentriert sich auf die Menschen ganz am Anfang der textilen Wertschöpfungskette: Die Bäuerinnen und Bauern, die die Baumwolle anbauen und ernten und meist nicht einmal genug verdienen, um ihre eigenen Produktionskosten zu decken. Die weitere Produktion von Textilien fällt nicht in den Fokus des Programms.

Durch Fairtrade hat sich das Leben tausender Baumwollbäuerinnen und -bauern bereits verbessert. Baumwollkooperativen sind besser organisiert, die Bauern produktiver und die Gleichstellung von Frauen wird gefördert. Sie haben in den Kooperativen bei der Entscheidung über die Fairtrade-Prämie das gleiche Mitbestimmungsrecht wie die Männer und bekommen die gleichen Preise für ihre Baumwolle. Fairtrade arbeitet zusammen mit rund 66.000 Baumwollproduzenten in einigen der ärmsten Regionen der Welt, hauptsächlich in Westafrika und Indien.

Weil die Kooperativen nie ihre gesamte Baumwolle zu Fairtrade-Bedingungen verkaufen konnten und weltweit zwischen 35 und 50 Millionen Kleinbäuerinnen und -bauern noch nicht von faireren Handelsbedingungen profitieren konnten, versucht Fairtrade mit dem Baumwollprogramm mehr von ihnen zu erreichen.

Eine Zwischenbilanz

Das Baumwoll-Siegel und das Fairtrade-Programm für Baumwolle im Vergleich. Ein Klick vergrößert die Grafik

Zum Start des Baumwollprogramms verkündeten bereits einige internationale Kleidungsmarken, in den nächsten Jahren um die zwei Millionen Tonnen nachhaltiger Baumwolle beziehen zu wollen. Im Jahr 2014 wurde der Erfolg sichtbar: Weltweit stiegen die Verkäufe von Fairtrade-Baumwolle um 21 Prozent nach Jahren der Stagnation!

Und so funktioniert's

Unternehmen verpflichten sich im Rahmen ihrer nachhaltigen Beschaffungsstrategie, einen bestimmten Anteil der von ihnen insgesamt benötigten Baumwolle in Fairtrade-Qualität einzukaufen und diese Menge schrittweise zu steigern.Anders als im Falle des Fairtrade-Baumwollsiegels, das vollständige Rückverfolgbarkeit der Fairtrade-Baumwolle fordert, können sie im Rahmen des Baumwollprogramms die Fairtrade-Baumwolle nach Bedarf mit anderer Baumwolle oder anderen Fasern mischen und sind nicht verpflichtet, die faire Baumwolle bis zum Endprodukt zurückzuverfolgen.

Auf diese Weise können Unternehmen die von ihnen bezogene Baumwollmenge deutlich erhöhen, zum Beispiel auf 10, 20 oder 40 Prozent ihres Gesamtverbrauchs – oder mehr. Sobald sie ein bestimmtes Abnahmevolumen erreicht haben, dürfen Hersteller die Gesamtmenge der Fairtrade-Baumwolle, die sie über das Fairtrade-Baumwollprogramm bezogen haben, mit dem Programmsiegel kommunizieren (nach Freigabe durch die zuständige nationale Fairtrade-Organisation).

Höhere Absätze schaffen Perspektiven

Das Fairtrade-Baumwollprogramm schafft zusätzliche Möglichkeiten für Baumwollbauern, mehr Käufer aus der Textilbranche als bisher für ihre Fairtrade-Baumwolle zu gewinnen und damit ihre Lebensbedingungen durch Fairtrade zu verbessern. Die Baumwollbauern genießen nach wie vor den Schutz des Fairtrade-Mindestpreises sowie die Vorzüge der Fairtrade-Prämie. Mehr Verkäufe ermöglichen es den Baumwollbauern mit den zusätzlichen Einnahmen viel mehr in ihre Kooperative und für ihre Familien und Gemeinschaften zu investieren.

Außerdem erlauben höhere Absätze Fairtrade, in zusätzliche Programme zur Unterstützung der Baumwollbauern zu investieren und so dazu beizutragen, den Anbau der Baumwolle umweltfreundlicher zu gestalten, den Wasserverbrauch zu verringern und Fortbildungen zu natürlichen Düngeverfahren zu organisieren. So können Bauern ihre Ernte steigern und langfristig und nachhaltig ihre Lebensbedingungen verbessern.

Die Zukunft von Fairtrade-Baumwolle

Kleinbauern stehen im Zentrum der Arbeit von Fairtrade. Deshalb haben wir uns bisher auf die Baumwollproduzenten ganz am Anfang der langen Wertschöpfungskette in der Textilindustrie konzentriert. Aber uns ist klar, dass tausende Arbeiterinnen und Arbeiter in der Textilindustrie genauso dringend bessere Arbeitsbedingungen benötigen.

Viele Fairtrade-Produkte werden auf Plantagen angebaut – wie Bananen, Tee oder Blumen – und so setzen wir uns bereits seit Jahren mit den Bedürfnissen von Arbeiterinnen und Arbeitern auseinander. Mit dieser Expertise und mit den in verschiedenen Pilotprojekten 2010/2011 in der Textilbranche erworbenen Erkenntnisse hat Fairtrade in enger Kooperation mit Gewerkschaften, Branchenexperten und Nichtregierungsorganisationen einen Standard für die Textilindustrie entwickelt. Seit 22. März 2016 können Angestellte in der Textilbranche vom Fairtrade-Textilstandard profitieren.