Statement zum Artikel auf netzfrauen.org

zu fairen Rosen aus Äthiopien

Der Artikel zu fair gehandelten Rosen aus Äthiopien auf netzfrauen.org verkürzt auf unzulässige Weise und auf Kosten von Fairtrade die gesellschaftlichen Umbrüche und ihre Folgen in Äthiopien wie Bevölkerungswachstum und Industrialisierung. Fairtrade verwahrt sich gegen die im Artikel erhobenen Vorwürfe.

Die Fairtrade-Standards fordern ganz klar, dass die Landnutzungsrechte vor der Zertifizierung geklärt sein müssen und verweigert die Zertifizierung, falls dies nicht der Fall ist. Zu den Voraussetzungen für die Zertifizierung gehört auch, dass es keine Konflikte mit der dort ansässigen Bevölkerung geben darf. Die Vorwürfe treffen auf Fairtrade-zertifizierte Farmen daher nicht zu:

„Legale Landnutzung
1.2.4 Ihr Unternehmen muss über einen Rechtsanspruch auf und das legitime Recht zur Nutzung des Lands und für die Grundstückspacht verfügen. Außerdem muss sie die Landrechte lokaler und indigener Gruppen respektieren.

Streitfälle über Ländereien müssen verantwortungsvoll und transparent gelöst werden, bevor eine Zertifizierung erfolgen kann. Sollten Ansprüche auf die Ländereien und Streitigkeiten andauern, muss ein Nachweis erfolgen, dass eine rechtliche Lösung in Aussicht steht.“

Standard für Lohnabhängig Beschäftigte

Die Einhaltung dieser Kernkriterien wird vor der Zertifizierung von FLOCERT überprüft und ist Voraussetzung für das Zertifikat. Vgl. auch Compliance Criteria 1.2.0.33 und 1.2.0.34 (Englische Originalversion).

Die im Artikel erwähnte Sher-Blumenfarm erfüllt dieses Kriterium. Eine weitere dort erwähnte Blumenfarm (Linssen Roses) ist nicht Fairtrade-zertifiziert.

Ziel von Fairtrade: Arbeitsbedingungen auf bestehenden Blumenfarmen verbessern


Fairtrade ist im Blumensektor aktiv, um die Lebens- und Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten zu verbessern. Feste Arbeitsverträge, Mutterschutz, Schutzkleidung und nicht zuletzt die Fairtrade-Prämie für Gemeinschaftsprojekte machen fair gehandelte Blumen und Pflanzen für viele Verbraucherinnen zur besseren Alternative. Diese Wahl bestätigte auch das Verbrauchermagazin Ökotest (05/2017) und empfiehlt neben saisonal angebotenen Freilandblumen aus der Region daher Fairtrade-Blumen.

Dass es in Äthiopien Blumenfarmen gibt, ist eine Folge der Globalisierung; anders gesagt: Die Rosenfarmen sind nicht wegen Fairtrade in Äthiopien, sondern Fairtrade hat sich entschlossen, mit Hilfe der Standards sowie Beratung und Hilfestellung vor Ort die Situation der Beschäftigten im äthiopischen Rosensektor zu verbessern.

Fairtrade agiert darüber hinaus im Sinne und mit Mandat der Produzentinnen und Produzenten. Sie sind durch die drei Produzentennetzwerken in Afrika, Asien und Lateinamerika gleichberechtigte Miteigentümer und halten 50 Prozent der Stimmrechte in den Entscheidungsgremien.

Uns sind die Herausforderungen in Äthiopien sehr bewusst: Das rasante Bevölkerungswachstum in den letzten Dekaden, Klimawandel mit regional langanhaltenden Dürreperioden sowie Industrialisierungsdruck verschärfen die wirtschaftlichen, politischen und ethnischen Spannungen in dem Vielvölkerstaat. Für diese gesellschaftlichen Umbrüche aber Fairtrade als „Sündenbock“ heranzuziehen, ist nicht nachvollziehbar.

Einige unserer Mitgliedsorganisationen, beispielsweise Misereor, Brot für die Welt, oder die Welthungerhilfe engagieren sich ebenfalls aktiv gegen Landgrabbing.

Brot für die Welt: Kampagnenblatt Landgrabbing

Misereor: Informationsblatt Landgrabbing

Welthungerhilfe: Thema Landraub