Mythos #07

„Fairtrade bindet Bäuerinnen und Bauern an einen vorgegebenen Preis.“

Grafik - Weltmarktpreis und Fairtrade-Mindestpreis

Sie haben vielleicht von einem Fairtrade-Mindestpreis gehört, den gibt es wirklich. Aber dieser stellt nur ein Sicherheitsnetz dar, angesetzt in Höhe der durchschnittlichen Produktionskosten für eine nachhaltige Produktion, und kommt dann zu tragen, wenn die Weltmarktpreise sehr niedrig sind. Der Mindestpreis ist, wie der Name sagt, ein Minimum und kein Festpreis.

Das lässt sich am besten am Beispiel von Maria erklären: Sie ist Bäuerin und hat sich einer Kaffee-Kooperative in Kolumbien angeschlossen, die Fairtrade-zertifiziert ist. Einfach gesagt funktioniert das Sicherheitsnetz so:

Grafik - Weltmarktpreis und Mindestpreis
In Zeiten von niedrigen Weltmarktpreisen fungiert der Fairtrade-Mindestpreis als Sicherheitsnetz. Bewegt sich der Weltmarktpreis darüber, zahlen Käufer den höheren Preis.

Wenn der Weltmarktpreis für Kaffee sehr niedrig ist, können Kaffeebauern oft nicht kostendeckend produzieren. Dem wirkt der Mindestpreis als Sicherheitsnetz entgegen und gibt Marias Kooperative Stabilität. Die Organisation bekommt für ihre Verkäufe über den fairen Handel in diesen Zeiten mindestens den von Fairtrade definierten Mindestpreis bezahlt. Ist der Weltmarktpreis aber höher als der Mindestpreis, wird der höhere Weltmarktpreis bezahlt.

Dank dieses Absicherungsmechanismus können Maria und die anderen Mitglieder ihrer Kooperative ihre Produktionskosten decken und haben bessere Planungssicherheit. Wichtig an der ganzen Sache ist aber auch, dass Käufer den höheren Preis zahlen, wenn der Weltmarktpreis sich über dem Mindestpreis bewegt.

Das wird von FLOCERT, der Zertifizierungs- und Kontrollorganisation für Fairtrade, überprüft. Natürlich können die beiden Vertragspartner je nach Qualität und anderen Faktoren auch einen noch höheren Preis aushandeln.

Wichtig ist auch, dass Fairtrade-Produzenten zusätzlich zum Mindest- oder Weltmarktpreis einen Bonus, die Fairtrade-Prämie, erhalten. Sie entscheiden demokratisch darüber, wie sie diesen Extrabetrag bestmöglich verwenden. Manche Organisationen finanzieren daraus Fortbildungen oder verbesserte Anbautechniken, andere bauen Schulen und Krankenhäuser. Fairtrade schreibt nicht vor, wofür die Prämie ausgegeben werden soll, die Entscheidung liegt ganz bei den Produzenten. Um Transparenz zu gewährleisten, wird die Verwendung der Prämie überprüft.