Fairtrade-Zuckerprogramm

Mehr fair

Zuckerbauer in Paraguay lehnt an seinem roten Ochsenwagen, der mit Zuckerrohr beladen ist.

Warum ein Zuckerprogramm?

Millionen von Kleinbauern bauen den Großteil des weltweit konsumierten Zuckers an. Ihr Einkommen liegt durchschnittlich bei nur ein paar Dollar pro Tag. Bei Fairtrade werden generell nur Kleinbauernkooperativen ins System aufgenommen. Diese konnten ihr Einkommen steigern und in ihre Felder und ihre Region investieren. Sie kauften Traktoren, verbesserten ihre Ernteergebnisse und bauten Schulen. Doch es gibt auch weiterhin noch viel zu tun.

Viele der Bäuerinnen und Bauern, mit denen wir zusammen arbeiten, möchten mehr Fairtrade-Zucker verkaufen. Darüber hinaus gibt es weiterhin Millionen von Bauernfamilien, die wir zuvor noch nicht erreichen konnten, weniger als ein Prozent des weltweit angebauten Rohrzuckers war Fairtrade-zertifiziert.

Gleichzeitig verpflichten sich immer mehr Unternehmen, ihren Zucker aus nachhaltigen Quellen zu beziehen. Sie wollen den Zucker innerhalb ihrer Produktion und Lieferketten verwenden, in verschiedensten Süßwaren und Getränken. Über das Fairtrade-Zuckerprogramm können Produzentengruppen mit diesen Firmen zusammen arbeiten und erhalten so wichtige Geschäftsbeziehungen.

„Wir versprechen uns höhere Absätze durch das Fairtrade-Zucker-Programm, die die Lebensbedingungen der Mitglieder unserer Kooperative verbessern werden.”

Wenceslao Rodríguez Geschäftsführer von Coope Victoria, einer Zucker- und Kaffee-Kooperative in Costa Rica.

Eine Zwischenbilanz

Vor Beginn der Programme verkauften 37.000 Bäuerinnen und Bauern ihren Zucker zu Fairtrade-Bedingungen, bis 2014 hat sich diese Zahl beinahe verdoppelt und es kommen 62.700 die Vorteile des fairen Handels zugute. Die internationalen Absätze von Fairtrade-Zucker stiegen im ersten Jahr nach Einführung des Programms um 24 Prozent.

Und so funktioniert's

Vom Eis bis zur Limonade, über Kuchen und Gebäck: Zucker versüßt so viele beliebte Lebensmittel. Über das Fairtrade-Zuckerprogramm können Unternehmen große Mengen an Zucker bei Fairtrade-Produzenten einkaufen und innerhalb ihrer Produktion verwenden. Zum Beispiel kann sich das Unternehmen dafür entscheiden, den gesamten Zucker für die Produktion ihrer Kuchen, Kekse oder Eiscreme von Fairtrade-Produzenten zu beziehen. Unternehmen können sich alternativ auch dazu verpflichten, einen bestimmten Anteil ihres Zuckers von Fairtrade-Kooperativen zu beziehen. Zum Beispiel zehn Prozent, 30 Prozent oder sogar 100 Prozent der eingesetzten Zuckermenge.

Es gibt nun zwei Möglichkeiten für die Zusammenarbeit von Unternehmen und Fairtrade. Bei den Fairtrade-Programmen geht es in erster Linie um den Rohstoffeinkauf, bei der klassischen Zertifizierung mit dem Fairtrade-Siegel dagegen um die Zertifizierung von Endprodukten.

Unternehmen, die ihr Engagement im Rahmen des Fairtrade-Zuckerprogramms öffentlich kommunizieren möchten, steht ein spezielles Programm-Siegel zur Verfügung, das deutlich macht, dass die Unternehmen sich am Programm beteiligen und dass sie ihren Zucker unter Fairtrade-Bedingungen eingekauft haben.

Wenn sich Bäuerinnen und Bauern in demokratischen Organisationen zusammenschließen, können sie ihrem Zucker aus gemeinsamer Kraft einen höheren Mehrwert verleihen und so einen besseren Preis erlangen, wie die Mitglieder der Kooperative Manduvira, die eine Zuckermühle für ihre Organisation anschafften. „Unser Traum von einer Zuckermühle, die von einer Kooperative betrieben wird, ist tatsächlich wahr geworden!“

Andres Gonzales Geschäftsführer der Kooperative Manduvirá in Paraguay

Fairtrade bewegt

Mitglieder der kooperative Manduvira in Paraguay vor einem ihrer Gebäude mit Fairtrade-Schild

Die Manduvirá Kooperative in Paraguay hat ihre Fairtrade-Prämie in den Bau eines Gesundheitszentrums mit einem Behandlungsteam, einem Zahnarzt, einem Optiker und Labordienstleistungen investiert. Manduvirá hat außerdem mittels der Einnahmen durch den fairen Handel einen Sprung innerhalb der Wertschöpfungskette gemacht. Anfänglich verkauften die Bauern ihren Zucker direkt an die örtliche Zuckermühle, doch mittlerweile sind sie die ersten Produzenten ihres Landes, die selbst eine Mühle besitzen.

Wenn die Mitglieder von Manduvirá in Zukunft ihre Verkäufe durch das Fairtrade-Zuckerprogramm steigern, können sie weitere dieser wertvollen Investitionen in ihre Zukunft tätigen. Zusätzlich kann Fairtrade in Fortbildungen zur Unterstützung der Zuckerproduzenten investieren. Dazu zählen Schulungen für Bauern, wie sie die Produktivität und Qualität ihrer Ernten verbessern oder auch Unterstützung, um Auswirkungen des Klimawandels zu meistern.