Fairtrade-Kakaoprogramm

Gelegenheit macht Prämie

Norbert Boni Koikoi, 34, Kakaobauer an der Elfenbeinküste trägt seine frisch geernteten Kakaofrüchte in einem Korb auf seiner linken Schulter

Warum ein Kakaoprogramm?

Von der Côte d'Ivoire bis Ecuador, von Ghana bis Peru – Millionen von Bäuerinnen und Bauern setzen auf den Anbau des bei uns so geliebten Kakaos. Die meisten von ihnen sind Kleinbauern mit einem sehr geringen Einkommen. Für die knapp 180.000 Fairtrade-Kakaobauern weltweit bedeutet der faire Handel nach Fairtrade-Standards ein stabileres Einkommen und zusätzliche Einnahmen, die sie in Projekte ihrer Wahl anlegen, z.B. in den Bau von Schulen, die Anschaffung von Maschinen und sonstiger Ausrüstung, und in die Qualitätssteigerung ihrer Ernten.

Doch vor Einführung des Kakaoprogramms wurde nur 1,2 Prozent des Kakaos weltweit unter Fairtrade-Bedingungen verkauft. Folglich profitierten sehr wenige der vom Kakaohandel abhängigen Menschen von den Vorteilen, die Fairtrade ihnen bietet. Es zeichnete sich ab, dass viele weitere Bauern ihre Lebensbedingungen verbessern könnten, wenn sie die Gelegenheit erhielten, größere Mengen ihres Kakaos unter Fairtrade-Bedingungen zu verkaufen.

Das Fairtrade-Kakaoprogramm setzt genau dort an: Die Anzahl von Unternehmen, die sich öffentlich dazu bekennen ihren Kakao nachhaltigen zu beschaffen ist in den vergangene Jahren stetig gestiegen. Über das Fairtrade-Programm stehen Kleinbauern diese Geschäftsbeziehungen offen.

Eine Zwischenbilanz

Bereits zum offiziellen Start der Programme in 2014 lagen erste Kooperationsverträge mit Handel und Industrie für Kakao-Einkäufe vor, die Prämieneinnahmen von über einer Millionen Euro für Kakaobauern bedeuten. Allein diese ersten Kooperationen sollten den fairen Kakao-Absatz in Deutschland versechsfachen. International wurde eine Steigerung um 14 Prozent erwartet.

Zwei Jahre nach Start der Programme wurden unsere Erwartungen sogar übertroffen: Verkauften 2011 noch 144.000 Bauern ihren Kakao über Fairtrade, so waren es bis 2014 rund 180.000. Im Jahr 2011 erhielten Fairtrade-Kakaoproduzenten Prämiengelder in Höhe von sieben Millionen Euro, dieser Betrag stieg auf 10.8 Millionen im Geschäftsjahr 2013-14, während die internationalen Verkaufsmengen um 17 Prozent stiegen, für den deutschen Markt ergab sich gar eine Steigerung von gigantischen 70 Prozent.

Und so funktioniert's

Über das Fairtrade-Kakaoprogramm können Unternehmen große Mengen an Fairtrade-Kakao bei zertifizierten Produzenten einkaufen. Zum Beispiel den gesamten Kakao für die Produktion ihrer Schokoriegel, Kuchen oder Kekse. Unternehmen können sich alternativ auch dazu verpflichten, einen bestimmten Anteil ihres gesamten Kakaos von Fairtrade-Kooperativen zu beziehen. Zum Beispiel zehn Prozent, 30 Prozent oder sogar 100 Prozent der eingesetzten Kakaomenge. Dies ist eine neue Möglichkeit für die Zusammenarbeit von Unternehmen und Fairtrade. Es geht in erster Linie um den Rohstoffeinkauf und nicht wie bisher um die Zertifizierung von Endprodukten, z.B. einer Tafel Schokolade, mit dem Fairtrade-Siegel.

Unternehmen, die ihr Engagement im Rahmen des Fairtrade-Kakaoprogramms öffentlich kommunizieren möchten, steht ein spezielles Programm-Siegel zur Verfügung, das deutlich macht, dass die Unternehmen sich am Programm beteiligen und in welchen Mengen sie ihren Kakao unter Fairtrade-Bedingungen eingekauft haben.

Ein Schub nach vorne für Fairtrade-Kakaobauern

Durch den Verkauf von mehr Kakao können Produzenten in ihre Farmen und in ihre Region investieren. Fairtrade kann zusätzliche Fortbildungen zur Unterstützung von Produzenten finanzieren, die speziell auf die Bedürfnisse einzelner Gruppen zugeschnitten sind.

Besonders in Westafrika benötigen viele Produzentengruppen mehr Unterstützung, um ihre Organisationen in erfolgreiche Betriebe zu verwandeln:

  • Trainingsprogramme für die Mitglieder der Kooperativen (diese sind oft über entlegene Dörfer verstreut)
  • Unterstützung bei der Qualitätssteigerung ihrer Kakaoproduktion
  • Optimierung ihrer Verhandlungs- und Geschäftsstrategien