Klimawandel

Gemeinsam Verantwortung übernehmen

Kaffeebohne mit Kaffeerost

Der Klimawandel ist eine der, wenn nicht die größte Herausforderung des 21. Jahrhundert. Er lässt keine Region dieser Welt aus, doch besonders betroffen sind die Länder des globalen Südens. In einer Studie des Natural Ressource Institut (PDF, 2 MB) heißt es, der Klimawandel „wird hauptsächlich negative Auswirkungen auf landwirtschaftliche Produktion, Ernährungssicherheit und wirtschaftliche Entwicklung haben – insbesondere in Entwicklungsländern."

Der Klimawandel wird hauptsächlich negative Auswirkungen auf landwirtschaftliche Produktion, Ernährungssicherheit und wirtschaftliche Entwicklung haben – insbesondere in Entwicklungsländern.

Natural Ressource Institut

Durch den Klimawandel ändern sich Wettermuster, die Durchschnittstemperaturen steigen. Ereignisse wie Dürren, Starkregen, Wirbelstürme und Überschwemmungen nehmen zu. Viele Nutzpflanzen, wie beispielsweise Kakao und Kaffee, reagieren extrem sensibel auf Temperaturänderungen. Ein verändertes Klima ist zudem Nährboden für neue Schädlingsarten und Pflanzenkrankheiten. Kleinbäuerinnen und -bauern in Entwicklungs- und Schwellenländern sind durch die Auswirkungen des Klimawandels extrem gefährdet: Sie leben von den Feldfrüchten, die sie für sich und ihre Familien und zum Verkauf anbauen. Ernterückgänge oder gar Ausfälle bedrohen daher unmittelbar ihre Existenz.

Fairtrade-Kleinbauernorganisationen aus verschiedensten Regionen berichten von negativen Auswirkungen des Klimawandels. So unterschiedlich die Bedürfnisse in verschiedenen Anbaugebieten sein mögen, beim Thema Klimawandel sind sich alle einig: Sie bekommen ihn zu spüren und brauchen dringend Unterstützung bei der Anpassung und Bekämpfung.

 

Unser Ansatz

Um dem Klimawandel langfristig entgegenzuwirken, baut Fairtrade auf zwei Säulen: Die Menge der Treibhausgasemissionen zu reduzieren und Produzentenorganisationen bei der Anpassung an die Auswirkungen von Klimaveränderungen zu unterstützen.

  • Beratung: Produzentenorganisationen erhalten über die Berater der Produzentennetzwerke Zugang zu Fachwissen. Trainings helfen ihnen, sich dem Klimawandel zu stellen, Abwehrstrategien zu entwickeln und Emissionen zu reduzieren. Zu den Trainingsschwerpunkten gehören gute landwirtschaftliche Praktiken, Wasser- und Umweltmanagement sowie Schutz von Boden und Artenvielfalt.
  • Umweltkriterien: Die Fairtrade-Standards enthalten Umweltkriterien, die die Anpassung der Produzenten an den Klimawandel fördern, z.B. durch Umstellung auf erneuerbarer Energien, Reduktion der Treibhausgase sowie nachhaltigem Umgang mit Müll und Wasserressourcen.
  • Anpassungsprojekte: In Kooperation mit den Produzentennetzwerken, lokalen zivilgesellschaftlichen Organisationen sowie privater und öffentlicher Unterstützer setzt Fairtrade Anpassungsprojekte mit Produzentenorganisationen um.
  • Emissionshandel: Der 2015 veröffentlichte Fairtrade-Klimastandard ist ein weiterer Baustein des Klimaprogramms von Fairtrade. Durch ihn setzen Kleinbauernorganisationen und dörfliche Gemeinschaften Klimaschutzprojekte um und können so am freiwilligen Emissionshandel teilnehmen. Das stärkt sie in ihrem Kampf gegen Klimaauswirkungen.

Was schreiben die Fairtrade-Standards vor?

Rund ein Drittel der Kriterien der Fairtrade-Standards nehmen Bezug auf Umwelt- und Klimaaspekte.

  • Klimarelevante Entwicklungskriterien: In den Fairtrade-Standards finden sich Entwicklungskriterien, die unmittelbar auf klimawirksame Aktivitäten wie Energieeinsparung oder Emissionsreduktion in der Weiterverarbeitung abzielen sowie – falls möglich - die Umstellung auf erneuerbare Energien vorschreiben.
  • Umweltentwicklung: Die Standards enthalten in den Abschnitten zu Umweltentwicklung und Produktion Kriterien mit einem mittelbaren Bezug zum Klimawandel. Darunter etwa sparsame Wasserverwendung, stark eingeschränkter Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden, die in der Herstellung extrem energieaufwändig sind, und die Förderung von Bioanbau und Biodiversität, was Ökosysteme gegen Klimaveränderungen stabilisiert.

Dies kann jedoch nicht verhindern, dass sich der Klimawandel zu einem immer ernsteren Problem für die landwirtschaftliche Produktion entwickelt. Fairtrade hat darauf mit der Entwicklung des Fairtrade-Klimastandards reagiert. Der Klimastandard entstand in enger Zusammenarbeit mit der Gold Standard-Stiftung, einem Vorreiter in Klimaschutz und nachhaltiger Entwicklung.

  • Mindestpreis und Prämie: Stabile Mindestpreise für die Fairtrade Carbon Credits sorgen dafür, dass die Klimaprojekte im Süden nachhaltig finanziert sind. Die zusätzliche Fairtrade-Prämie fließt zweckgebunden in weitere Klimaanpassungsprojekte, die die Kleinbauern und Gemeinden zusätzlich stärken, z.B. Neupflanzungen weniger anfälliger Kaffeesorten, Aufforstungen, oder sparsamere Bewässerungssysteme.

Klimastandard zur Emissionsreduktion:

Kleinbauernorganisationen und dörfliche Gemeinschaften setzen Klimaprojekte um, durch die CO₂-Emissionen reduziert werden – z.B. großflächige Kompostierung, brennholzsparende Öfen oder den Einsatz erneuerbarer Energien. Durch diese Reduktion können Produzenten Emissionszertifikate generieren und diese verkaufen. Wer im Norden am Klimastandard teilnehmen will, z.B. Lizenzpartner oder zivilgesellschaftliche Organisationen, ist aufgefordert, den eigenen CO₂-Fußabdruck soweit wie möglich zu reduzieren. Die verbleibenden unvermeidbaren Emissionen werden durch den Kauf von Fairtrade Carbon Credits ausgeglichen. So bewirkt der Fairtrade-Klimastandard Emissionsreduktionen an beiden Enden der Wertschöpfungskette.



Was tut Fairtrade darüber hinaus?

Fairtrade verlässt sich beim Problemfeld Klimawandel nicht alleine auf den Ansatz mittels Standards. Es wurde ein Klimaprogramm entwickelt, das vor allem über Weiterbildungen und Schulungen durch die Fairtrade-Produzentennetzwerke umgesetzt wird, aber auch durch konkrete Pilotprojekte und Anpassungsmaßnahmen vor Ort. Das Produzentennetzwerk Fairtrade Africa plant den Aufbau eine Climate Change Academy.

Bei Fairtrade International existiert eine Arbeitsgruppe (Climate Change Working Group), die sich 2015 vor allem mit den Vorbereitungen zur Veröffentlichung des Fairtrade Climate Standards beschäftigt hat. In Zukunft wird es eine verstärkte Ausrichtung auf Planung und Umsetzung des Climate Change Programs geben.

Zukunftssicherung für Kleinbauern

Ein Projekt des Fairtrade-Produzentennetzwerks Bolivien trägt zur Stärkung des kleinbäuerlichen Kaffeeanbaus im Umgang mit Klimawandelfolgen bei.

Mehr erfahren