Chronik

Das TransFair-Engagement im Wandel der Zeit

1992: Der 1991 gegründete Verein AG Kleinbauernkaffee e.V. wird 1992 in TransFair e.V. umbenannt. Die Gründungsorganisationen kommen aus den Bereichen Entwicklungszusammenarbeit, Kirche und Verbraucherschutz. Geschäftsführer Dieter Overath stellt erstmals das TransFair-Siegel vor. Erster Lizenznehmer von TransFair wird die GEPA und der Edeka Markt in Minden nimmt als erster Supermarkt Deutschlands ein TransFair-gesiegeltes Produkt in sein Sortiment auf: Schirmer-Kaffee.

1993: Als erste Handelskette bietet REWE bundesweit fair gehandelten Kaffee an. Andere Händler folgen, so dass TransFair-Kaffee innerhalb kurzer Zeit in über 20.000 Supermärkten erhältlich ist. 1993 werden bereits eine Million TransFair-gesiegelte Kaffeepäckchen verkauft, was auch beim Empfang bei Bundespräsident Richard von Weizsäcker gefeiert wird.

1994: Waren es bislang ausschließlich Kleinbauernfamilien, denen TransFair Zugang zum Fairen Handel ermöglichte, erweitert TransFair seine Standards 1994 auch auf Plantagenprodukte. Die Einführung von gesiegeltem Tee ein Jahr später ist die Folge und mit der Teekanne kommt ein bekannter Markenartikler an Bord.

Wie alles begann - in Bildern von 1992 - 1999

1995: TransFair lädt zur ersten internationalen Produzentenversammlung ein. Außerdem fällt der Startschuss zum TransFair-Promotorennetzwerk: Freiwillige Unterstützer, die in ihrer Region Informationsveranstaltungen für den Fairen Handel durchführen.

1996: Nach der Einführung von Kakao und Zucker ein Jahr zuvor fehlt TransFair natürlich auch nicht auf der internationalen Süßwarenmesse ISM in Köln. Bundespräsident Roman Herzog besucht eine TransFair-Partnerorganisation in Nicaragua und der Umsatz mit TransFair-gesiegelten Produkten knackt erstmals die 100 Millionen DM-Marke.

1997: In Bonn wird die Dachorganisation Fairtrade Labelling Organizations International (FLO) gegründet - heute Fairtrade International. Das hat in den folgenden Jahren weitreichende Folgen im Bezug auf Standardsetzung, Zertifizierung und Internationalisierung des gesamten Fairtrade-Systems.

1998: Die Kaffeepreise befinden sich weltweit auf einem Tiefstand und erschweren die Suche nach neuen Handelspartnern. Zweiter Schock: Im Herbst zerstört Hurrikan Mitch die Fairtrade-Bananenanbaugebiete in der Dominikanischen Republik. Die gerade erst eingeführte TransFair-Banane verschwindet vorübergehend vom deutschen Markt.

1999: Zur Einführung des TransFair-Orangensafts erklimmt Norbert Blüm Orangenbäume und die TransFair-Aktionswochen bei Karstadt mit Unterstützung des Umweltministers Jürgen Trittin werden zu einem großen Erfolg.

Rückblick 2000 - 2007

2000: Schwere Zeiten für TransFair: Nach den Kaffeepreisen fallen 2000 die Kakaopreise in den Keller. Kleinbäuerinnen und -bauern sind gezwungen ihre Felder aufzugeben. Viele verlassen ihr Land und flüchten in die Slums der großen Städte. Norbert Blüm besucht die Fairtrade-Kakaokooperative Kuapa Kokoo in Ghana.

2001: Kaffeebauern ziehen vor die Jacobs-Zentrale nach Bremen und fordern eine "faire Krönung". Im September 2001 organisieren die Akteure des Fairen Handels in Deutschland erstmalig gemeinsam eine Faire Woche, unterstützt von Misereor und Evangelischer Entwicklungsdienst (EED).

2002: TransFair wird zehn Jahre alt und zu einem Empfang bei Bundespräsident Johannes Rau eingeladen. Passend dazu schenkt das Schloss Bellevue ausschließlich fair gehandelten Kaffee, Tee und Orangensaft aus.

2003: Im Zuge der Internationalisierung einigen sich die 19 nationalen Siegelorganisation auf das heute noch aktuelle grün-blaue Fairtrade-Logo – in Deutschland zunächst noch unter Beibehaltung der Wortmarke »TransFair«. Außerdem wird der Fußball als erstes Non-Food Produkt fair gehandelt.

2004: Einführung von Fairtrade-Wein und hervorragende Testergebnisse für Fairtrade-Produkte bei Stiftung Warentest und Öko-Test. Über 100 Firmen nutzen mittlerweile das Fairtrade-Siegel, Kaiser’s Tengelmann nimmt die Fairtrade-Banane wieder in sein Sortiment auf und die Band Sportfreunde Stiller steht Pate für Fairtrade-Fußbälle.

2005: Zur Einführung der Fairtrade-Blumen empfängt UN-Exekutivdirektor Klaus Töpfer eine Fairtrade-Delegation in Nairobi und in Berlin empfängt Bundespräsident Horst Köhler die ersten fair gehandelten Rosen aus Afrika. Fernsehkoch Johann Lafer lädt TransFair Geschäftsführer Dieter Overath zum gemeinsamen Kochen mit Fairtrade-Produkten in seine Sendung ein.

2006: Neue Produkte und großes Wachstum: Reis und Zucker erweitern das Fairtrade-Sortiment. Insgesamt das stärkste Wachstumsjahr mit einem Absatzplus von 100 Prozent. Weitere Erfolge bietet der Außer-Haus-Markt: Die Bäckereikette Gilgens und Air Berlin stellen ebenso auf Fairtrade-Kaffee um, wie mehrere Uni-Mensen und Firmenkantinen.

2007: Einführung von Fairtrade-Eis und Baumwolle. Zwischenbilanz nach 15 Jahren: über 100.000 Tonnen verkaufte Fairtrade-gesiegelte Produkte erzielten einen Umsatz von 142 Millionen Euro.

TransFair in Bildern: 2008 bis heute

2008: Trotz globaler Finanzkrise: 50 Prozent Umsatzplus und 50 neue Fairtrade-Produkte auf dem deutschen Markt. Neben Lidl bieten auch Penny-Markt und Netto Marken-Discount Fairtrade-Produkte an. Cosma Shiva Hagen reist mit TransFair nach Burkina Faso zu Fairtrade-Baumwollbauernfamilien. Beim »Banana-Day« werden eine Million Fairtrade-Bananen gegessen und gekauft.

2009: Beim Deutschen Nachhaltigkeitspreis gewinnt TransFair den Preis in der Kategorie "Deutschlands nachhaltigste Produkte/Dienstleistungen". Die Fairtrade-Towns Kampagne startet in Deutschland und Saarbrücken wird erste Fairtrade-Stadt. TransFair verleiht erstmals den Fairtrade-Award im Rahmen der Internationalen Fairtrade Conference (IFC) in Berlin.

2010: Die Kampagne "Internationales Fairtrade-Frühstück" feiert mit 30.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Deutschland eine erfolgreiche Premiere. Neun prominente Persönlichkeiten werden mit der Botschafterkampagne für Fairtrade aktiv – in Szene gesetzt von Fotograf Jim Rakete. Die Kult-Eis-Marke Ben & Jerry's stellt ebenso auf Fairtrade um wie Starbucks Coffee all seine Espresso-basierten Getränke.

2011: Fairtrade-Produzenten erhalten 50 Prozent der Stimmen im internationalen Fairtrade-System. Die Kampagne Fairtrade Towns erreicht durch mittlerweile über 1.000 Fairtrade Towns weltweit einen ersten Höhepunkt. Die Faire Woche feiert ihr 10jähriges Jubiläum und knackt dabei alle Rekorde. Als Highlight zum Abschluss stellt TransFair einen neuen Weltrekord im fairen Kaffeetrinken auf: 501.788 Tassen an einem Tag bei über 1.000 Veranstaltungen in der ganzen Bundesrepublik.

2012: TransFair feiert sein 20jähriges Jubiläum unter dem Motto "Jedes Produkt hat ein Gesicht". Anke Engelke moderiert den Fairtrade-Award, über 100.000 Schoko-Fans unterstützen den Fairtrade-Schoko-Tag und mit dem FABI-Wettbewerb sucht TransFair zum ersten Mal „Deutschlands fairste Azubis“. Die Anzahl der deutschen Fairtrade Towns übersteigt 100 und die neue Kampagne Fairtrade-Schools startet. Mit einer zweistelligen Wachstumsrate knackt der Umsatz von Fairtrade-Produkten 2012 die 500 Millionen-Marke. Denn: Inzwischen sind bundesweit über 2.000 verschiedene Fairtrade-Produkte von rund 250 Vertragspartnern in über 42.000 Geschäften und 800 Weltläden sowie über 20.000 gastronomischen Betrieben zu finden.

2013: Der deutsche Markt trägt erheblich zum Erfolg des Fairen Handels bei. 2013 erzielen die Produzentengruppen 94 Millionen Euro Direkteinnahmen durch die Absätze in der Bundesrepublik. Im Januar wird der neue Standard für lohnabhängig Beschäftige veröffentlicht, der die Rechte von Arbeiterinnen und Arbeitern auf Plantagen schützen und es ihnen erleichtern soll, sich in Gewerkschaften zu organisieren. Die Stadt Trier würdigt TransFair mit dem Oswald von Nell-Breuning-Preis für unseren unermüdlichen Einsatz für gerechtere Handelsbeziehungen.

2014: TransFair verzeichnet das stärkste Fairtrade-Wachstum seit Bestehen des Vereins: 30 Prozent mehr Prämien für Produzentenorganisationen! Einführung der Fairtrade-Programme für Kakao, Zucker und Baumwolle: Ein neuer, alternativer Ansatz erlaubt es Unternehmen, Abnahmeverpflichtungen für ihre Produktion einzugehen, statt faire Rohstoffe für ein spezielles Produkt zu beziehen. Neben den Siegeln der neuen Rohstoff-Programme erblickt ein weiteres neues Siegel die Welt: das Fairtrade-Siegel für Kosmetik. Nach den Erfolgen der Kampagnen Fairtrade-Towns und Fairtrade-Schools sind nun Deutschlands Unis an der Reihe zu zeigen, wie fair sie sind, denn ab jetzt wird faires Engagement auf dem Campus mit dem Titel Fairtrade-University belohnt.

2015: Die ersten Erfolge der im Vorjahr eingeführten Fairtrade-Programme für Kakao, Zucker und Baumwolle zeichnen sich ab: In Deutschland steigt der Absatz von Fairtrade-Kakao um 70 Prozent. Fairtrade verabschiedet den neuen Standard für Goldgewinnung und vergibt ab sofort ein spezielles Fairtrade-Siegel für das Edelmetall. Außerdem gilt nun der Fairtrade-Klimastandard, der in Zusammenarbeit mit der Gold Standard Foundation entwickelt wurde, um wirtschaftlich benachteiligten Menschen im globalen Süden die effektive Teilnahme am Emissionshandel zu ermöglichen, sowie regionale Anpassungsprojekte zu entwickeln.