Zukunftskongress

23. Mai 2017 – Kalkscheune (Berlin)

Richard David Precht auf dem Zukunftskongress von Fairtrade Deutschland

Am 23. Mai 2017 lud TransFair anlässlich seines 25-Jährigen Jubiläums unter der Überschrift „Handel neu denken“ nach Berlin zum Zukunftskongress ein.

VertreterInnen aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Politik und Wissenschaft sowie Verbraucherinnen und Verbraucher  diskutierten, wie sich der faire Handel in den nächsten Jahren mit Blick auf Herausforderungen wie den Klimawandel, die Schaffung eines existenzsichernden Einkommens, die Entwicklung neuer Märkte und Vertriebswege entwickeln soll.

Die Veranstaltung  stieß auf großes Interesse, so dass schon kurz nach Anmeldestart alle Plätze in den fünf Workshops und dem parallel stattfindendem Jugendforum vergeben waren. 

Der Teilnehmerkreis bestand aus einem breiten Spektrum von ExpertInnen aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft. Die Vielfalt der DiskutantInnen spiegelte das breite Fundament des fairen Handels und das Alleinstellungsmerkmal von Fairtrade wider. Der allgemeine Tenor: Fairtrade ist in der Gesellschaft sehr gut vernetzt und lebt von vielen engagierten Partnern.

TransFair auf dem richtigen Weg

Es wurde einstimmig zurückgemeldet, dass Fairtrade sich als wichtige und sinnvolle Institution und Bewegung in der Gesellschaft verankert habe und eine wichtige Aufgabe im Kampf gegen ungerechte Handelsbeziehungen und Stärkung der Produzentengruppen wahrnimmt. Die Arbeit von TransFair e.V. wurde bestätigt. Fairtrade, so die einhellige Meinung, befinde sich auf dem richtigen Weg, um auch zukünftig Fortschritte und Entwicklung für die Kleinbauernorganisationen und Beschäftigten in den Anbauländern zu erreichen. Über die unterschiedlichen Arbeitsbereiche hinweg – die sich unter anderem von Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Marketing, Schwerpunktthemen wie Klima, Arbeiterrechte, Kinderrechte, Geschlechtergerechtigkeit, die Stärkung von Kleinbauern bis hin zu politischer Arbeit und Lobbyarbeit strecken – arbeitet TransFair seit der Gründung daran, benachteiligte Produzentenfamilien in Afrika, Asien und Lateinamerika über den fairen Handel zu unterstützen, so dass diese ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen selbstbestimmt verbessern können.

Trotzdem gibt es weiterhin viele Herausforderungen und Hürden zu stemmen, die durch äußere Umstände wie Klimawandel, Wirtschaftskrisen oder gesellschaftliche Entwicklungen aufkommen und auch in Zukunft gemeistert werden müssen. Dafür ist es wichtig eine lebende, sich verändernde Organisation zu bleiben und auf die Stimmen der Partner in Nord und Süd zu hören und diese auch auf der nächsten Strecke des Weges mitzunehmen.  

Herausforderungen und Lösungsansätze

Die Aufgabenstellung für die Teilnehmenden des Zukunftskongresses war herausfordernd: In fünf Workshops diskutierten sie zu den Themen Klima, existenzsichernde Löhne, neue Märkte, nachhaltiger Konsum 2025 und „Nische versus Mainstream“ und definierten Herausforderungen und Lösungsansätze für die unterschiedlichen Bereiche. Außerdem diskutierten junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren aus Fairtrade-Schools und kirchlichen Gruppen im parallel stattfindenden Jugendforum über eine Zukunftsvision des fairen Handels und formulierten Forderungen für die Zukunft.

Die unterschiedlichen TeilnehmerInnen der Workshops debattierten teilweise hitzig über Leitideen, mögliche Wege, Kanäle und Verantwortlichkeiten. Trotz vielfach sehr unterschiedlicher Ansätze und Blickwinkel einigten sich die WorkshopteilnehmerInnen am Ende auf je drei Lösungsansätze pro Thema. Einigkeit über alle Workshops hinweg herrschte bei den folgenden Forderungen:

  • Fairtrade hat eine Vorreiterschaft und Alleinstellung bei den Siegelorganisationen, diese gilt es zu halten.
  • Kräfte müssen (weiter) gebündelt werden. Der Multistakeholder-Ansatz ist richtig und muss auch in Zukunft gestärkt werden, so dass man gemeinsam mit anderen Akteuren am gleichen Strang zieht. Netzwerke müssen gestärkt und gepflegt werden.
  • Transparenz ist wichtig für die Glaubwürdigkeit und Akzeptanz fairer Produkte und die Zusammenarbeit mit verschiedenen Zielgruppen und muss daher weiter ausgebaut und vertieft werden. Vor allem innerhalb globaler Lieferketten.
  • Die politische Arbeit soll verstärkt und ausgebaut werden. TransFair sollte gemeinsam mit anderen Akteuren Druck auf Gesetzgeber und politische Akteure aufbauen, damit diese entsprechende Rahmenbedingungen umsetzen, die einen fairen Handel begünstigen.
  • Transfair soll fordernder, aufmerksamkeitsstärker und mutiger kommunizieren.
  • Die zivilgesellschaftliche Verankerung ist wichtig und muss weiter gestärkt werden.
  • Das Jugendforum forderte eine gleichberechtigte Beteiligung der Jungend an Entscheidungsprozessen.  Wo über Zukunft geredet wird, muss die Jugend zu Wort kommen! Zudem solle das Thema Nachhaltigkeit für Jugendliche größere Relevanz haben und besser vermittelt werden.

Dokumentation der Workshops

Die ausführlichen Dokumentationen und Ergebnisse der einzelnen Workshops und des Jugendforums können Sie auf den folgenden Seiten nachlesen.

Klima

Dokumentation von Workshop 1

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Fairtrade 2025

Dokumentation von Workshop 4

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Einkommen

Dokumentation von Workshop 2

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Nische vs. Mainstream

Dokumentation von Workshop 5

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Neue Märkte

Dokumentation von Workshop 3

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Jugend mischt mit

Dokumentation des Jugendforums

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Fahrplan für die kommenden Jahre

TransFair definierte anschließend, welche Aufgaben und Anregungen bereits innerhalb der Strategie bis 2020 verankert sind und welche Ergebnisse einer strategischen Bewertung und Operationalisierens seitens des Vorstands und Aufsichtsrat bedürfen. In der zukünftigen Ausrichtung lässt TransFair den wertvollen Input und die Ergebnisse des Zukunftskongresses mit einfließen. So wird TransFair die Arbeit zu Klimaschutz, das Erreichen von existenzsichernden Löhnen und Einkommen sowie Beratung  im Süden (insbesondere für die Kernprodukte Kaffee, Bananen, Kakao, Blumen, Baumwolle) intensivieren.

Mutiger, politischer und aufmerksamkeitsstärker

TransFair möchte in seiner Kommunikation noch mutiger, politischer und aufmerksamkeitsstärker sein. Die politische Arbeit wird weiter verstärkt und ausgebaut – ganz konkret fordert TransFair im Rahmen des Coffee Fairday 2017 die Abschaffung der Kaffeesteuer für fair gehandelten Kaffee und setzt sich für eine nachhaltige Mehrwertsteuer ein, die den Aspekt fairer Handel berücksichtigt und sozial und ökologisch nachhaltige Produkte begünstigt. Die Beziehungen zu seinen unterschiedlichen Partnern zu festigen und weiter auszubauen wird TransFair in Zukunft weiterhin sehr wichtig sein. Dazu gehören die Zusammenarbeit mit Wirtschaftpartnern entlang der Lieferkette, Mitwirken in Bündnissen und Mitgliedschaften in Organisationen, um die Anliegen von TransFair voranzubringen und Synergien für den fairen Handel zu stärken. TransFair will Jugendliche zukünftig gezielt an Entscheidungen und Veranstaltungen beteiligen, um der jungen Generation eine Stimme zu geben.

Jubiläumsfeier

Beim Zukunftskongress stand die Arbeit im Mittelpunkt – am Abend des 23. Mai wurde auf dem Jubiläumsfest gefeiert! Ihre Glückwünsche überbrachten, unter anderen, Dr. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung per Videobotschaft, der parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel und viele weitere Wegbegleiter der vergangenen 25 Jahre. Durch den Abend führte die Entertainerin Gayle Tufts.

Beim anschließenden Get-together ließ man die Ergebnisse des Tages Revue passieren, informierte sich in einer Ausstellung zu 25 Jahren TransFair, lernte sich bei fairem Buffet kennen oder eroberte die Tanzfläche.