Zukunftskongress & Jubiläumsfeier

23. Mai 2017 – Kalkscheune (Berlin)

Richard David Precht auf dem Zukunftskongress von Fairtrade Deutschland

Ein Vierteljahrhundert gesiegelter fairer Handel in Deutschland: Unser 25-jähriges Bestehen nahmen wir zum Anlass, um einen Blick in die Zukunft des fairen Handels zu wagen und Lösungsansätze auf die drängendsten Herausforderungen zu entwerfen.

Am 23. Mai 2017 trafen sich rund 200 Experten*innen aus Politik, Wissenschaft, Gesellschaft und Wirtschaft zum Zukunftskongress „Handel neu denken“ in Berlin.

Auftakt mit Richard David Precht

Eröffnet wurde der Kongress in der Kalkscheune durch Grußworte von Merling Preza Ramos, Geschäftsführerin der Kaffeekooperative Prodecoop (Nicaragua) und Frank Wiemer, Vorstandsmitglied der REWE-Group und eine Keynote des Philosophen und Autors Richard David Precht.

Diskussionen in den Workhshops

In fünf Workshops zu den Themen „Klima“, „Existenzsicherndes Einkommen“, „Entwicklung neuer Märkte“, „Fairtrade 2025“ und „Nische und Mainstream“ diskutierten die Gäste anschließend ihre Vorstellungen von einer gerechteren Zukunft. „Welche Probleme sollen bis 2025 angegangen werden, um den fairen Handel auf einen guten Weg zu bringen?“, stand als Leitfragen über den fünf Workshops, in denen Vertreter*innen aller Interessensgruppen von Fairtrade aufeinandertrafen.

In der ersten Workshop-Phase am Vormittag wurde sich zunächst auf die drei drängendsten Herausforderungen geeinigt, um anschließend in der Nachmittags-Phase in Kleingruppen Lösungsansätze für jeden einzelnen Punkt zu erarbeiten. Lesen Sie im Folgenden die Ergebnisse der einzelnen Workshops.

1. Klima
Impression vom Workshop "Klima"

Anreizsysteme oder Regularien – was brauchen wir für einen wirksamen Klimaschutz?

Moderation: Christiane Overkamp, Geschäftsführerin der Stiftung Umwelt und Entwicklung in Nordrhein-Westfalen

Herausforderungen & Lösungsansätze

  • Welche Anreize, Regularien und Potenziale brauchen Hersteller, Handel und Konsumenten um die Mehrkosten für faire und klimafreundliche Produkte zu tragen?
    2025 ist die unabhängige Messung und Reduktion der CO2-Emissionen entlang der Handelskette verpflichtend. Auf Basis der Messungen werden die CO2-Emission qua Gesetz besteuert, was zu einer Reduktion der Emissionen führt.
  • Wie können die Herausforderungen des Klimawandels gemäß ihrer Komplexität wirksamer kommuniziert werden?
    2025 gibt es eine Fairtrade-Multistakeholder-Klimakampagne, der es gelingt, das Bewusstsein für den Klimawandel in einer großen Breite für die fünf größten Produktegruppen zu erreichen.
  • Wie kann entlang einer Lieferkette ein Fairtrade-Klimabündnis gebildet werden?
    2025 werden durch ein Klimabündnis des fairen Handels 15 Prozent des fair gehandelten Kaffees klimaneutral gehandelt. An diesem Beispiel wird verdeutlicht, wo die Herausforderungen und Potenziale liegen.

Visuelle Dokumentation des Workshops:

Graphic Recording - Klima
2. Existenzsicherndes Einkommen
Workshop-Impression "Existenzsichernde Löhne"

Ungleiche Konkurrenz – Mindestlohn in Deutschland oder Existenzsicherung im Süden?

Moderation: Frank Eichinger, Mitglied des Aufsichtsrats von TransFair e.V.

Herausforderungen & Lösungsansätze

  • Wie kann man die Kosten der Lieferkette transparent machen und sicher stellen, dass jeder Akteur Verantwortung übernimmt?
    Den Druck auf Gesetzgeber und politische Akteure erhöhen und Zivilgesellschaft verstärken, um bessere Gesetze zu schaffen und bestehende umzusetzen.
  • Wie kann Fairtrade eine Existenzsicherung sicherstellen? (Fokus Arbeiter*innen Löhne)
    Fairtrade wirkt auf den Gesetzgeber ein, damit Fairtrade und andere Nachhaltigkeitsstandards zum gesetzlichen Rahmen werden. Außerdem sollen Gewerkschaften Teil des Fairtrade-Systems werden.
  • Wie kann die Einhaltung der Gesetze und die Gewährleistung politischer Rechte im Süden erreicht werden?
    Unternehmen schaffen Transparenz gegenüber den unterschiedlichen Zielgruppen auf allen Ebenen der Lieferkette. Fairtrade wirkt darauf hin, dass alle Akteure die Kosten für höhere Löhne anteilig übernehmen.

Visuelle Dokumentation des Workshops:

Graphic Recording Workshop "Existenzsicherende Löhne"
3. Entwicklung neuer Märkte
Impression vom Workshop "Neue Märkte"

Von Direktvermarktung zu Brandownership –
Neue Märkte, neue Vertriebswege, neue Wertschöpfung?

Moderation: Ute Holtmann, Leiterin Public Relations des EHI Retail Institutes

Herausforderungen & Lösungsansätze

  • Welche kundenorientierte Kommunikation bewirkt, dass sich das Vertrauen der Konsumenten in höheren Absatzzahlen niederschlägt?
    Fairtrade wird in seiner Kommunikation mutiger und stärker mit bekannten Testimonials zusammenarbeiten!
  • Wie kann die Politik klare gesetzliche Vorgaben und steuerliche Anreize zur Förderung des fairen Konsums schaffen?
    Soziale und ökologische Kriterien für den fairen Handel werden auf politischer Ebene definiert und festgelegt. Steuerliche Erleichterungen für faire Produkte werden eingerichtet.
  • Was ist nötig damit bis 2025 30 Prozent der Fairtrade-Produkte über online-Plattformen / Lieferdienste verkauft werdem?
    Eine mutige und progressive Online-Strategie für Fairtrade-gesiegelte Produkte liegt vor: z.B. mit Belohnungssystem für faire Online-Einkäufe und Ursprungsinformationen.

Visuelle Dokumentation des Workshops:

Graphic Recording Workshop "Neue Märkte"
4. Fairtrade in 2025
Workshop-Impression Workshop "Fairtrade 2025"

Was bringt den nachhaltigen Konsum bis 2025 zum Erfolg?

Moderation: Riccarda Retsch, Rat für Nachhaltige Entwicklung

Herausforderungen & Lösungsansätze

  • Auf Wachstum basierender Lebensstil ist nicht nachhaltig!
    Es wird ausschließlich nachhaltig produziert, sodass eine Siegelung nicht mehr notwendig ist!
  • Freiwillige Leitlinien reichen nicht!
    Öffentliche Beschaffungen sind zur Nachhaltigkeit verpflichtet.
  • Kosten der Nachhaltigkeit in Preisen umsetzen
    Steuern setzen klare Anreize für nachhaltige Produktion und Konsum.

Visuelle Dokumentation des Workshops:

Graphic Recording Workshop "Fairtrade 2025"
5. Nische vs. Mainstream

David und Goliath – Ist Nische fair und Mainstream unfair?

Moderation: Marcelo Crescenti, Ressortleiter Business-Redaktion, TextilWirtschaft

Herausforderungen & Lösungsansätze

  • Wie kann Fairtrade die hohe Qualität im Mainstream beibehalten?
    Anspruch von Fairtrade muss sein, die Qualitätsführerschaft bei den Siegeln beizubehalten.
  • Wie wird über Fairtrade kommuniziert, um die Siegelreputation zu erhöhen?
    Mehr Transparenz – auch digital – und Wirkung sichtbar machen, durch Studien, Geschichten und Erklärung komplexer Sachverhalte.
  • Welche Rahmenbedingungen in Politik und Wirtschaft können Fairtrade fördern?
    Politik soll nachhaltiges Handeln als Richtschnur nehmen.

Visuelle Dokumentation des Workshops:

Graphic Recording Workshop "Nische und Mainstream"

Die Jugend mischt mit!

Parallel zu den Workshops fand ein Jugendforum statt. Junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren aus Fairtrade-Schools und kirchlichen Jugendgruppen waren eingeladen, gemeinsam mit Sänger und Moderator Ben eine Zukunftsvision des fairen Handels zu entwickeln. Im Abschlussplenum richteten sich die Jugendlichen direkt an die anwesenden Entscheider*innen aus allen Bereichen und stellten ihre Forderungen vor:

Jugendforum
Impression vom Jugendforum

Jugend mischt mit –
Jugendliche entwerfen ihre Vision einer nachhaltigen Zukunft

Moderation: Sänger und Moderator Ben


Forderungen

Wir fordern ...

  •  ..., dass auf der kommenden Konferenz der internationalen Arbeitsorganisation zum Thema „Kinderarbeit“ Kinder selbst eine Stimme bekommen.
  • ...die Implementierung nachhaltiger Bildung, um das Recht auf Bildung eines jeden Kindes im Alter zwischen 6 und 16 Jahren zu gewährleisten.
  • ...euch alle dazu auf, in den sozialen Medien aktiv Unternehmen unter Druck zu setzen – #unfairwargestern
  • ... vom BMZ und allen Fairhandelsorganisationen die Stärkung von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern durch den Aufbau lokaler Kooperationsstrukturen (Vernetzung, Wissenstransfer, aktive Beteiligung)
  • ... global ein Mitspracherecht der Arbeiterinnen und Arbeiter, damit sie lokal ihre Bedürfnisse äußern können: Dies müssen alle Beteiligten unterstützen!
  • ..., dass das Thema „Nachhaltigkeit“ in allen Schulfächern prüfungsrelevant ist.

Visuelle Dokumentation des Jugendforums:

Graphic Recording - Jugendforum

Lösungsansätze für die Zukunft des fairen Handels entwickelt

Die Aufgabe war groß, die Diskussionen teils kontrovers. Und doch standen am Ende des Tages drei Lösungsansätze aus jedem Workshop, die im gemeinsamen Abschlussplenum vorgestellt wurden und anschließend auf den überdimensionalen „Zukunftswürfel“ geschrieben und im Foyer ausgestellt wurde.

Die Ergebnisse aus den Workshops werden nun im Detail ausgewertet und in die weitere Strategie von TransFair eingearbeitet. Eine Präsentation der daraus abgeleiteten Schritte für die nächsten Jahre findet auf der Anuga im Oktober 2017 statt. 

Jubiläumsfeier

Beim Zukunftskongress stand die Arbeit im Mittelpunkt – am Abend wurde auf dem Jubiläumsfest gefeiert! Ihre Glückwünsche überbrachten, unter anderen, Dr. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung per Videobotschaft, der parlamentarische Staatssekretär Hans-Joachim Fuchtel und viele weitere Wegbegleiter der vergangenen 25 Jahre. Durch den Abend führte die Entertainerin Gayle Tufts.

Beim anschließenden Get-Together ließ man die Ergebnisse des Tages Revue passieren, informierte sich in einer Ausstellung zu 25 Jahren TransFair, lernte sich bei fairem Buffet kennen oder eroberte die Tanzfläche.