Team Fairtrade together

Faires Handeln in Zeiten von Corona

Seit Anfang des Jahres hält uns die COVID-19-Pandemie fest im Griff. Nicht nur hierzulande hat sich der Alltag komplett verändert, stehen Gesundheitssystem und Wirtschaft unter Druck. Viele unserer Partnerorganisationen im globalen Süden trifft Corona doppelt hart: Einbrechende Märkte können nicht oder kaum durch privatwirtschaftliche oder staatliche Rücklagen kompensiert werden und das Virus trifft auf Gesundheitssysteme, deren Intensivmedizin nicht auf solche Krisen eingestellt ist. Was seit dem Ausbruch der Pandemie passiert ist, darüber informieren wir Sie in den nachfolgenden Abschnitten.

Der Betrieb bei Fairtrade Deutschland hat sich eingependelt – Homeoffice, virtuelle Meetings und reduzierte Besetzung auf Abstand in der Geschäftsstelle sind wie vielerorts auch zu unserem neuen Alltag geworden. Digital und telefonisch halten wir den Kontakt zu unseren Partnerinnen und Partnern aufrecht. Nicht nur das: Von der digitalen Schüler*innenakademie über Fairtrade-Town-Auszeichnungen bis hin zu Fairtrade Awards und Lizenz- und Handelspartnertreffen: 2020 war das Jahr der virtuellen Ereignisse und Events.

Fairtrade passt seine Arbeitsprozesse an und bleibt engagiert 

09.04.2020
🇸🇻
30.04.2020
🇩🇪
24.04.2020
Daniel Duarte CEO – koakult GmbH
🇧🇷
27.04.2020
Antonio Carlos Präsident – Gurana-Kooperative Agrofrut
🇰🇪
28.04.2020
Frank Obure General Manager – AAA Flowers
🇸🇻
29.04.2020
Jonathan Romero Fairtrade Kooperative ATAISI
🇩🇪
24.04.2020
Benjamin Drösel Country Manager DACH – Fairtrade Original
🇹🇭
24.04.
Khun Saspin Fairtrade Pineapple Farmer Group
🇧🇷
20.04.2020
Renato Theodoro CEO National Fairtrade Coordinator BRFAIR
🇰🇪
22.04.2020
Gilbert Kiplangat BII Rainforest Farmlands Kenya
🇩🇪
16.04.2020
Mathias Diestelmann CEO Brands Fashion GmbH
🇮🇳
16.04.2020
Ganesh Anantharaman CEO Sags Apparels
🇰🇪
27.03.2020
Dr. Nyagoy Nyong‘o CEO - Fairtrade Afrika
🇮🇩
15.04.2020
🇩🇪
04.04.2020
Albert Darboven Vorstandsvorsitzender Geschäftsführer J.J. Darboven
🇮🇳
26.05.2020
Sanjeet Singh Khurana COO - NAPP
🇫🇮
09.04.2020
🇮🇳
28.03.2020
Amit Narke CEO Purecotz Eco Lifestyles Pvt. Ltd.
🇦🇺
27.03.2020
Molly Olson CEO Fairtrade Australien/Neuseeland
🇵🇱
23.03.2020
Krzysztof Rackowiak Communication Manager Fairtrade Polen
🇸🇻
27.03.2020
Xiomara J. Paredes CEO – CLAC
🇩🇪
27.03.2020
Darío Soto Abril CEO - Fairtrade International
🇮🇹
21.03.2020
Paolo Pastore CEO – Fairtrade Italien
🇦🇹
23.03.2020
Hartwig Kirner CEO – Fairtrade Österreich
🇩🇪
19.03.2020
Dieter Overath CEO - Fairtrade Deutschland

Wie Fairtrade Deutschland haben unsere Schwesterorganisationen in anderen Ländern ihre Arbeitsprozesse auf die aktuelle Situation angepasst und sind online erreichbar. Auch die Beratungsdienste unserer Produzentennetzwerke im Ursprung sowie die Audits von Flocert werden inzwischen je nach Sicherheitslage und den jeweiligen Restriktionen der Länder und Regionen entweder digital oder nach entsprechendem Hygieneprotokoll physisch vor Ort durchgeführt. Einige Prozesse dauern etwas länger, andere Kanäle sind intensiviert oder neu entwickelt worden: Die Produzentennetzwerke schicken regelmäßige Newsletter und Updates und nutzen vor Ort auch lokale Radiostationen, um den Kontakt zu den Produzentenorganisationen aufrecht zu erhalten. Unsere Zertifizierungsorganisation Flocert hat einen Beschwerdemechanismus per Whatsapp eingeführt und auch wir in Deutschland bleiben am Ball und informieren über unseren Newsletter, unseren neuen Podcast und über unsere Social Media Kanäle.

Das Virus betrifft alle – aber nicht alle gleichermaßen. Die Ungleichheit wächst.

Die Krise ist nicht vorbei. Nach harten Lockdowns im Frühjahr mit tiefgreifenden Restriktionen, beispielsweise in Peru, Côte d’Ivoire, Kenia und Indien, haben sich Warenströme zwar normalisiert und viele Länder des globalen Südens haben die strengen Einschränkungen aufgehoben. Jedoch steht die Weltgemeinschaft massiven Herausforderungen gegenüber. Mit Berufung auf die Internationale Arbeitsorganisation informierte beispielsweise Oxfam, dass durch die Pandemie rund 495 Millionen Vollzeitstellen verloren gegangen sind. Vier Milliarden Menschen verfügten über keine soziale Absicherung. Die Weltbank warnte, dass die globale Rezession die Zahl derer, die in extremer Armut leben, bis Ende nächstes Jahr um 110 bis 150 Millionen ansteigen lassen könnte.

Das Virus befeuert die globale Ungleichheit. Diejenigen, die bereits von Armut gefährdet sind, sind weniger resilient gegen das Virus und von den wirtschaftlichen Auswirkungen, von mangelnder sozialer Absicherung und von schlechter medizinischer Versorgung stärker betroffen. Die Pandemie trifft Millionen von Menschen, die bereits mit den Auswirkungen von Konflikten, Klimawandel, Ungleichheit und einem kaputten Ernährungssystem zu kämpfen haben, das Millionen von Nahrungsmittelproduzenten und Arbeitern verarmt hat, so Oxfam in ihrem Dokument „The Hunger Virus“.


Fairtrade Fonds und externe Hilfsmittel unterstützen Produzent*innen

Durch die Pandemie kommen auch auf Fairtrade-Produzentenorganisationen höhere Kosten und Investitionen zu. Als Sofortmaßnahme wurde daher schon im Frühjahr entschieden, dass die Prämie – der finanzielle Aufschlag, den Produzentenorganisationen für Fairtrade-Verkäufe erhalten – flexibler eingesetzt werden darf. Diese Regelung bleibt weiterhin in Kraft.

Außerdem haben Fairtrade Organisationen, darunter auch Fairtrade Deutschland, im Mai zwei Fonds aufgesetzt - für Soforthilfemaßnahmen und für mittelfristige Investitionen. Über 3 Mio. Euro aus eigenen Mitteln kamen zusammen und werden den Produzentennetzwerken in Asien, Afrika und Lateinamerika zur Verfügung gestellt.

Kleinbäuerinnen und -bauern bleiben Kredite oft verwehrt – schon in normalen Zeiten. Die Pandemie erschwert diesen Zugang zu Investitionsmitteln zusätzlich. Ende Oktober durften wir positive Nachrichten bekannt geben: 15 Mio. Euro stellen das Entwicklungsministeriums (BMZ) und die GIZ, das schweizerische Staatssekretariat für Wirtschaft SECO, das britische Außenministerium (FCDO) und der Impact Investor Incofin IM in Form eines Fairtrade’s Producer Relief and Resilience Funds zur Verfügung.

Vom BMZ zusammen mit der KFW und Incofin werden in den nächsten fünf Jahren außerdem weitere 40 Millionen Euro Hilfsgelder zur Verfügung gestellt. Von diesen Geldern der ALF - "Agri-Finance Liquidity Facility" sollen rund 300.000 Kleinbäuerinnen und -bauern profitieren.

Finanzielle Mittel sind dringend nötig, beispielsweise, um die Felder, die mehrere Monate nicht versorgt werden konnten, wieder auf Vordermann zu bringen, oder auch, um medizinische Grundversorgung anzuschaffen und kontinuierliche Hygienemaßnahmen ergreifen zu können, also beispielsweise Masken, Desinfektionsmittel, Seifen und Schutzkleidung zu verteilen. Nahrungsmittel sind vielerorts teurer geworden und können nun bezuschusst werden. Mobilitätseinschränkungen wirken sich auf die Kosten für Transport und die Verfügbarkeit von Erntehelfer*innen aus.

Wir hoffen, dass die Sicherheitslage in den Anbauländern stabil bleibt, damit es nicht wieder zu Bewegungseinschränkungen in Lateinamerika, Afrika und Asien kommen muss, die für den Alltag und letztendlich für die Existenz der Menschen in Ländern mit einer schwachen sozialen und wirtschaftlichen Resilienz massive Folgen hat.


Aktiv für Fairtrade in Corona-Zeiten

Die aktuelle Krise fordert von uns Rücksicht, Verantwortungsbewusstsein und Solidarität – sowohl gegenüber Menschen unserer unmittelbaren Umgebung als auch in den Fairtrade-Produzentenländern.

Wir werden weiterhin faire Handlungsalternativen aufzeigen, die wir in unserem Alltag umsetzen können, selbst wenn sich dieser derzeit so ganz anders gestaltet. Deshalb setzen wir unser Engagement in unseren Kampagnen und Aktivitäten für den fairen Handel fort. 

 

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