28. März 2014

Stiftung Warentest bewertet Orangensaft

Testergebnis bei Fairtrade-Orangensaft spiegelt nicht die positiven Aspekte von Fairtrade wider.

Köln, 28. März: Die Stiftung Warentest veröffentlichte in der Ausgabe 4/2014 ihren neuen Orangensafttest, in dem zwei Fairtrade-Säfte bewertet werden. Pfanner Fairtrade und Lidl Fairglobe erhalten die Gesamtnote „gut“, aber für das CSR-Engagement erhält Pfanner die Note „ausreichend“; Lidl Fairglobe die Note „befriedigend“. Für TransFair ist diese Bewertung nicht nachvollziehbar. Die Stiftung Warentest hat in Ihrer Bewertungsmethodik zwei grundsätzliche Aspekte von Fairtrade nicht berücksichtigt: den Unterschied zwischen Plantagen und kleinbäuerlichen Produzentenorganisationen und das Prinzip des Mengenausgleichs bei bestimmten Produkten wie Orangensaft. „Fairness in der Bewertung geht nicht ohne Einsicht in die Spielregeln des Fairen Handels, die einen klaren Fokus auf die Möglichkeiten von Produzenten in den Entwicklungsländern haben. Die passen leider nicht immer in das Testraster einer in Deutschland ansässigen Organisation wie die Stiftung Warentest“, so TransFair-Geschäftsführer Dieter Overath.

Mengenausgleich als entwicklungspolitisch notwendiges Instrument
Im Rahmen der Bewertung des Pfanner Fairtrade-Orangensaftes ist nicht nachvollziehbar, warum eine Farm besucht wurde, die nicht zu einer Fairtrade-zertifizierten Kooperative gehört. Der Besuch bei einer konventionellen Farm lässt keine Rückschlüsse auf die Fairtrade-Zertifizierung zu. Damit Fairtrade-Saftproduzenten unabhängig von ihrer Produktionsmenge vom Fairen Handel profitieren können, gibt es das Prinzip des Mengenausgleichs. „Der Mengenausgleich ist eine entwicklungspolitische Notwendigkeit“, sagte Dieter Overath. „Keine Saftfabrik hält Ihre Förderbänder an, damit wenige Tonnen Fairtrade-Orangen verarbeitet werden können. Das ist logistisch und wirtschaftlich nicht möglich. Durch die dokumentarische Rückverfolgbarkeit über Papiere und Verträge können wir sicher gehen, dass die Fairtrade-Produzenten dennoch am Fairen Handel teilnehmen können und stabile Mindestpreise und Prämien für ihre Ware erhalten.“ Trotz intensiven Austauschs mit Stiftung Warentest wurde dies nicht berücksichtigt.

Starre Test-Methodik lässt positive Aspekte von Fairtrade außen vor
Ziel von Fairtrade ist es, die am meisten benachteiligten Akteure der Produktionskette zu unterstützen. Das sind auf großen Plantagen die Pflückerinnen und Pflücker, bei Kooperativen stehen die Bauern im Zentrum. Durch die starre Erhebungsmethodik per standardisiertem CSR-Fragebogen wird die Realität vor Ort und werden positive Aspekte von Fairtrade, wie die Selbstorganisation, demokratische Strukturen, die Zahlung von stabilen Mindestpreisen und Prämie für die Kooperativen, die die Bauern für ihre Waren erhalten, Beratung vor Ort zu Managementfragen, Umwelt-, Wasser- und Erosionsschutz nicht reflektiert. Sowohl Lidl als auch Pfanner arbeiten mit zertifizierten Kleinbauernkooperativen zusammen, die die Fairtrade-Standards erfüllen. Die Stiftung Warentest wurde mit ihrem CSR-Fragebogen den strukturellen Besonderheiten einer selbstorganisierten Kleinbauernkooperative nicht gerecht. Fairtrade ist konstruktiver Kritik gegenüber aufgeschlossen und die kontinuierliche Verbesserung des Zertifizierungssystems ist ein tiefes Anliegen der Organisation. Daher ist TransFair gerne bereit weiter mit der Stiftung Warentest zu kooperieren, um zu ermöglichen die Bewertungsmethoden und Realitäten vor Ort in Einklang zu bringen.

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