„Merkel soll fairen Kaffee zur Chefsache machen“

Über 44.000 Unterstützer fordern gemeinsam mit TransFair e.V. politische Maßnahmen für fairen Kaffeekonsum

„Mach Kaffee fair!“, lautet die Forderung der Fairtrade-Kaffeekampagne, an der sich bisher rund 40.000 Menschen beteiligt haben. Foto: © Jakub Kaliszewski

  • Bundesregierung muss gegen Ungerechtigkeiten im Handel vorgehen
  • Preisschwankungen bedrohen Kaffeebauern weltwei
  • Mitmachaktion: längste faire Kaffeetafel

„Mach Kaffee fair!“, lautet die Forderung der Fairtrade-Kaffeekampagne, an der sich bisher über 44.000 Menschen beteiligt haben. Am internationalen Tag des Kaffes am 1. Oktober überbringt TransFair e.V. die Forderung an die Bundesregierung: „Niedrigpreise und Klimawandel bedrohen die Lebensgrundlage der Kaffeebauern und damit die Zukunft der gesamten Branche“, sagte Dieter Overath, Vorstandsvorsitzender von TransFair e.V. „Es wird Zeit, dass Bundeskanzlerin Merkel fairen Kaffee zur Chefsache macht und ihr Versprechen, nachhaltigen Konsum zu fördern, einhält“, so Overath weiter.

Deutschland droht Nachhaltigkeitsziele zu verfehlen

Mit der Unterzeichnung der 17 UN-Nachhaltigkeitsziele, den sogenannten Sustainable Development Goals, hatte sich die Bundesregierung 2015 verpflichtet, nachhaltige Produktion und nachhaltigen Konsum stärker zu unterstützen. „Ohne Kaffee stärker zu fördern, das am meisten konsumierte Getränk in Deutschland, wird ihr das misslingen. Fairer Kaffee in allen staatlichen Einrichtungen und Behörden – das wäre ein deutlicher Beitrag mit Vorbildfunktion“, sagte Overath. Eine weitere Maßnahme wäre die Abschaffung der Kaffeesteuer: 2,19 Euro pro Kilo Kaffee gehen in Deutschland an den Fiskus – zusätzlich zur Mehrwertsteuer. Ein Steuervorteil für fairen Kaffee würde diesen preislich attraktiver machen und seinen Marktanteil erhöhen. Dadurch könnten mehr Menschen vom fairen Handel profitieren.

Gerade Kaffeebauern leiden besonders stark unter den Auswirkungen des Klimawandels und brauchen dringend Unterstützung. Vielen fehlt es an finanziellen Mitteln und Expertise, um die Felder vor extremen Wetterverhältnissen wie Starkregen und Hitze zu schützen. Dabei ließe sich allein durch das Pflanzen schattenspendender Bäume viel erreichen: Diese könnten nicht nur die empfindlichen Kaffeepflanzen schützen, sondern selbst einen Beitrag gegen den Klimawandel leisten. Darüber hinaus wäre eine Unterstützung der kleinbäuerlichen Kaffeebauern ein wichtiger Schritt, um die globale Armut zu bekämpfen: Laut UN-Bericht produzieren Kleinbauern 80 Prozent der Nahrung weltweit und spielen damit eine entscheidende Rolle für die Ernährungssicherung.

Preisschwankungen bedrohen Kaffeebauern weltweit

Dabei sind Kleinbauern, gerade Kaffeekleinbauern, selbst von Hunger und Armut bedroht. Seit Monaten lohnt sich der Anbau für die Kaffeebauern weltweit kaum noch: In der ersten Jahreshälfte lag der Weltmarktpreis für ein Pfund Arabica-Kaffee zeitweise unter 88 US Cents – so wenig bekamen die Kaffeeproduzenten zuletzt vor 13 Jahren. Um sie vor solchen Preisschwankungen zu schützen, bekommen die Kaffeebauern im Fairtrade-System einen festen Mindestpreis. Dieser liegt etwa 40 Prozent über dem aktuellen Weltmarktpreis. Zusätzliche profitieren sie von der sogenannten Fairtrade-Prämie, einem finanziellen Aufschlag für Gemeinschaftsprojekte.

#MachKaffeeFair – die längste Kaffeetafel der Welt

Große Zustimmung für fairen Kaffeekonsum gibt es aus der Bevölkerung: Bis zum 1. Oktober ruft TransFair, zur Protest- und Mitmachaktion #MachKaffeeFair auf. Unterstützer laden ihre Freunde, Bekannte oder Kollegen zu einer Tasse fair gehandelten Kaffee ein und werden Teil der längsten fairen Kaffeetafel der Welt: Pro Gast wächst die virtuelle Kaffeetafel um einen Meter. Über 44.000 Menschen haben sich bereits beteiligt.

Bis zum 1. Oktober können Unterstützer außerdem politisch aktiv werden und Bundeskanzlerin Angela Merkel per Twitterpost und Mail dazu aufrufen, den fairen Handel zu fördern. Prominente wie Hannes Jaenicke, Lavinia Wilson, Cosma Shiva Hagen oder Lea Marlen Woitack unterstützten die Forderungen für einen fairen Kaffeekonsum.