20. März 2014

Ferrero kauft Fairtrade-Kakao

Im Rahmen der Internationalen Fairtrade Conference gab Ferrero seine Zusammenarbeit mit Fairtrade bekannt. Die Keynote sprach Dr. Auma Obama.

Berlin, 20. März: Der Absatz von Fairtrade-Kakao erreicht neue Dimensionen: Auf der Internationalen Fairtrade Conference IFC in Berlin gab Schokoladenhersteller Ferrero seine Zusammenarbeit mit Fairtrade unter dem Kakao-Programm bekannt. Bis 2016 will Ferrero insgesamt 20.000 Tonnen Fairtrade-Kakao einkaufen. Die Internationale Fairtrade Conference in der Konrad Adenauer Akademie ist Plattform für zukunftsweisende Diskussionen rund um das Thema Fairtrade. Unter den rund 150 Gästen und Teilnehmern waren unter anderem Gerd Billen, Staatsekretär des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz, Vertreter der Rewe Group, Coop, Unilever, Chocolats Halba, Pfanner Getränke und Ernsting‘s Family. „Fairtrade setzt Nachhaltigkeit am Produkt um“, so Billen. „Die Idee des Fairen Handels überzeugt immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher.“ Dr. Auma Obama, Gründerin der Sauti Kuu Stiftung, machte deutlich: „Nur durch echte wirtschaftliche Partnerschaften gibt es für die Menschen aus den sogenannten Entwicklungsländern einen Weg aus Armut. Der Handel muss erkennen, dass er nur gemeinsam mit den Menschen dieser Länder langfristig und nachhaltig gut wirtschaften kann.“

20.000 Tonnen Fairtrade-Kakao bis 2016

Unter dem Kakao-Programm beginnt Ferrero seine Zusammenarbeit mit Fairtrade. „Bis 2020 wird Ferrero 100 Prozent zertifiziert nachhaltigen Kakao für seine Süßwarenproduktion einsetzen“, so Stephan Nießner Geschäftsführer der Ferrero Deutschland GmbH. „Das Fairtrade-Sourcing-Programm ist dabei ein fester Bestandteil, dieses Ziel zu erreichen und damit Ferreros Nachhaltigkeitsstrategie weiter voranzutreiben.“ Nach einer intensiven gemeinsamen Testphase im vergangenen Erntejahr wurde nun ein Drei-Jahres-Abkommen vereinbart. Bis 2016 will Ferrero insgesamt 20.000 Tonnen Fairtrade-Kakao einkaufen. Ziel ist es, durch das neue Kakao-Programm Kleinbauernorganisationen in Westafrika weiterzubilden und zu stärken. „Durch die Zusammenarbeit wollen wir die Professionalisierung des Kakaoanbaus vorantreiben, die kleinbäuerlichen Strukturen nachhaltig stärken und die Einkommen der Farmer und ihrer Familien verbessern“, betonte Nießner. 

Nachhaltigkeit gibt es nicht zum Nulltarif

Die Forderung nach ökologisch und sozial korrekten Produkten steht oftmals im Widerspruch zum tatsächlichen Kaufverhalten. Auf der IFC sagte Dieter Overath: „Der Preis macht nach wie vor die Musik – aber nachhaltige Produkte gibt es nicht zum Nulltarif. Wir brauchen einen Wertewandel bei Herstellern, Handel und den Verbrauchern.“ Der Preisdruck innerhalb der Lieferketten endet oft bei den Schwächsten: den Produzentenorganisationen. Die Geschäftsführerin von Fairtrade Africa Dr. Nyagoy Nyong’o forderte einen stärkeren und offenen Dialog zwischen Produzentenorganisationen, Herstellern, und Händlern. „Wenn wir den Anbau von Kakao, Bananen oder Kaffee nicht attraktiver gestalten, wird es zukünftig niemanden mehr geben, der diese Rohstoffe anbaut“, warnte sie. Fairtrade ermögliche diesen Dialog und schlage eine Brücke zwischen den Gliedern der Wertschöpfungskette.

Neue Marktzugangschancen für Fairtrade-Kakaokooperativen

Das Kakao-Programm öffnet zusätzliche Absatzkanäle für Kleinbauern. Der Schwerpunkt des Programms liegt nicht wie bisher auf der Zertifizierung eines spezifischen Endprodukts, sondern auf der Rohstoffbeschaffung auf Unternehmensebene. „Bisher gab es den klassischen Schokoriegel mit dem Fairtrade-Siegel. Jetzt können Unternehmen auch Fairtrade-Kakao als Einzelrohstoff beziehen und über mehrere Sortimente hinweg oder für die Gesamtproduktion verwenden“, sagte TransFair-Geschäftsführer Dieter Overath. Bereits im Januar hatten Rewe, Kaufland, Lidl, Mars und die Confiserie Riegelein im Rahmen der Süßwarenmesse ihre Kooperation vorgestellt. Ersten Hochrechnungen zufolge erwartet Fairtrade International 2014 ein Absatzwachstum von  fair gehandeltem Kakao um gut 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Fairtrade-Programm gibt es auch für die Rohstoffe Zucker und Baumwolle. Mehr Informationen zu den Fairtade-Programmen.

Fairtrade Awards für herausragendes Engagement

Im Anschluss an die Konferenz verleiht TransFair die Fairtrade Awards für herausragendes Engagement für den Fairen Handel in den Kategorien Hersteller, Handel, Gastronomie und Zivilgesellschaft. Unter den prominenten Gästen sind Bundesentwicklungsminister Dr. Gerd Müller und die Schauspieler Joachim Król, Ursula Karven, Ben und Cosma Shiva Hagen. Die Moderation übernimmt Anke Engelke. Mehr zu vergangenen Aktionen.

Die Nominierten für die Awards in alphabetischer Reihenfolge:

  • Hersteller: 3FREUNDE, Chocolats Halba, Wertform GmbH
  • Handel: Kaufland, REWE Group, Schüler-Weltaden der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule Lünen
  • Gastronomie: Bäckerei Terbuyken GmbH, GILGEN’S Bäckerei & Konditorei GmbH & Co. KGf, Miko Kaffee GmbH – Puro Fairtrade Coffee
  • Zivilgesellschaft: INKOTA-netzwerk - Make Chocolate Fair!, Schokofair AG der Montessori-Haupt- und Sekundarschule am Hermannplatz, Düsseldorf, Weltladen A Janela, Berlin

Zusätzlich wird der Publikumspreis an Comazo vergeben sowie die fairsten Azubis (FABI) gekürt. 

Bild- und Filmmaterial-Credit: Santiago Engelhardt/TransFair e.V.