14. Juli 2020News

Zivilgesellschaftliches Bündnis fordert geschlechtergerechtes Lieferkettengesetz

Es wird Zeit für einen Perspektivenwechsel

Frauen in einer Fairtrade-zertifizierten Textilfabrik Bild: TransFair e.V. / Christoph Köstlin

Frauen und Mädchen sind besonders von negativen Auswirkungen globalen Wirtschaftens betroffen. Bild: TransFair e.V. / Christoph Köstlin

Die Bundesminister Gerd Müller und Hubertus Heil haben einen Entwurf für ein Gesetz vorgestellt, das die Einhaltung von Menschenrechten und Umweltstandards entlang globaler Lieferketten verbindlich sicherstellen soll. Ein Bündnis von 12 Entwicklungs- und Menschenrechtsorganisationen fordert, in einem solchen Gesetz die Rechte von Frauen und Mädchen fest zu verankern. In ihrem Positionspapier erarbeiten die Autor*innen Vorschläge, wie die Durchsetzung von Frauenrechten in Lieferketten mit dem geplanten Gesetz gezielt adressiert werden kann.

Die Problemlage ist klar: Frauen und Mädchen sind in besonderem Maße von den negativen Auswirkungen globalen Wirtschaftens betroffen. Beispielsweise erleiden sie in weit höherem Maße als Männer geschlechtsspezifische und sexualisierte Gewalt, sowohl im häuslichen Umfeld als auch im beruflichen Kontext. Und immer noch verdienen Arbeitnehmerinnen weltweit deutlich weniger als ihre männlichen Kollegen. Hinzu kommt eine große Ungleichheit bei der Aufteilung der Haus- und Sorgearbeit, die Frauen und Mädchen kostenlos für Familie und Gesellschaft leisten und zu einer erheblichen Doppelbelastung führt.

Ein neues Lieferkettengesetz

Im neuen Positionspapier zum Lieferkettengesetz wird eine weitreichende und umfassende Veränderung gefordert. „Um die Gleichstellung von Frauen und Männern in allen Lebensbereichen global zu erreichen, sollten zukünftige politische Maßnahmen, ob auf internationaler, europäischer oder nationaler Ebene, dringend die strukturelle Benachteiligung von Frauen in globalen Wertschöpfungsketten adressieren. Ein geschlechtergerechtes Lieferkettengesetz ist der erste Schritt. Es bedarf einer grundsätzlich auf den Abbau von Diskriminierung ausgerichteten Perspektive“, heißt es in dem Dokument.

Es geht nicht um eine schlichte Einhaltung von Schutzrechten, sondern darum, einen generellen Wertewandel herbeizuführen. „Staaten und Unternehmen sollten Maßnahmen ergreifen, die über einen do no harm-Ansatz, das heißt, die Verhinderung und Milderung von Frauenrechtsverletzungen in globalen Wertschöpfungsketten, hinausgehen. Sie sollten Maßnahmen ergreifen, die eine grundlegende Transformation zur Verwirklichung der Rechte von Frauen fördern.“

Fairtrade und Geschlechtergerechtigkeit

TransFair e.V. ist Mitunterzeichner des Positionspapiers und vertritt die darin beschriebenen Standpunkte und Forderungen. Die Idee des fairen Handels ist für Fairtrade untrennbar an Geschlechtergerechtigkeit gekoppelt. Deshalb rückt Fairtrade die strukturelle genderbasierte Benachteiligung und Diskriminierung entlang der gesamten Lieferkette als eines von sechs Arbeitsschwerpunkte in den Fokus und arbeiten mit zahlreichen Projekten, Schulungen und Initiativen aktiv am Empowerment von Frauen und Mädchen mit. Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern ist Grundvoraussetzung bei der Zertifizierung durch Fairtrade.

So hat beispielsweise gerade der zweite Jahrgang der Women’s School of Leadership begonnen, ein Programm, das in Afrika, Asien und Lateinamerika umgesetzt wird und bei dem Frauen – und auch Männer – gezielte Trainings und Schulungen erhalten, mit denen sie eine Führungsposition in ihrer Kooperative übernehmen können. Mit dem Gender Special im vergangenen Jahr wurde eine Vielzahl verschiedenster Aktionen unter einem gemeinsamen Aktionsplan zusammengebracht. Dabei bestätigte sich, dass der faire Handel einen positiven Effekt auf die Gleichstellung der Geschlechter hat. Frauen werden nachhaltig in besseren Positionen eingesetzt, können sich aus finanziellen und politischen Abhängigkeiten lösen und sind im Alltag und am Arbeitsplatz diskussionsfähiger. Dass es funktioniert zeigen junge, starke Frauen in Honduras, die die Schokoladenherstellung wieder zum Leben erwecken.