UN – Tag der Menschenrechte 2019

Was hat Landwirtschaft mit Menschenrechten zu tun?

Das Recht auf Sicherheit und Bildung für Kinder ist eines der zentralen Menschenrechten.| Bild © Sean Hawkey

Die meisten von uns sind mit Menschenrechten wie Gleichheit, Religions- und Meinungsfreiheit sowie Freiheit von Sklaverei und Verfolgung vertraut. Doch es gibt auch Rechte, die im Laufe der Jahre von der UN-Menschenrechtserklärung - jetzt 71 Jahre alt - und der UN-Erklärung über die Rechte von Bauern, Bäuerinnen und anderen landwirtschaftlicher Arbeitskräfte bestätigt wurden, die sich direkt auf den Alltag vieler Kleinbauern, -bäuerinnen und Landarbeiter*innen auf der ganzen Welt beziehen:

  • Das Recht auf eine gerechte Vergütung, die eine menschenwürdige Existenz gewährleistet.
  • Das Recht auf einen für Gesundheit und Wohlbefinden angemessenen Lebensstandard.
  • Vereinigungsfreiheit, einschließlich des Rechts, Gewerkschaften zu gründen und Tarifverhandlungen zu führen.
  • Das Recht von Kindern auf sichere Schulbildung und Schutz.


Zu den Beispielen, wo diese Rechte in der landwirtschaftlichen Produktion verletzt werden, gehören:

  • Niedrige Preise, die den Kleinbäuerinnen und -bauern gezahlt werden, was zu extremer Armut führt: Dies verletzt das Recht der Erzeuger*innen auf einen angemessenen Lebensstandard und führt oft zu Verletzungen weiterer Rechte, wie beispielsweise des Rechts auf Gesundheit und Wohlbefinden.
  • Diskriminierung von Frauen und Minderheitengruppen: Diese zwingt die Menschen in ausbeuterischen Arbeitssituationen und verweigert ihnen ihr Recht auf gleichberechtigten Schutz und gerechte Bezahlung.  
  • Arbeitgeber*innen, die die Arbeitnehmer*innen davon abhalten wollen sich gewerkschaftlich zu organisieren: Gewerkschaftsbrüche in jeglicher Form verletzen die Vereinigungsfreiheit.


Fairtrade steht hinter der Universalität der Menschenrechte. Wir sehen außerdem die Leitsätze der Vereinten Nationen für Unternehmen und Menschenrechte – einschließlich der Kinderrechte und der Geschäftsprinzipien - als einen wichtigen Rahmen für den Schutz und die Achtung der Menschenrechte von Landwirt*innen, Arbeitnehmer*innen und ihren Gemeinschaften. Dies bildet die Grundlage für die Verantwortlichkeiten aller Wirtschaftsakteure entlang der Lieferketten.

Wo Fairtrade ins Spiel kommt

Fairtrade setzt sich seit mehr als 30 Jahren für diese Grundsätze ein, einschließlich der Tatsache, dass Einkäufer*innen vor Ort und Einzelhändler*innen dafür verantwortlich sind, sicherzustellen, dass ihre Geschäftspraktiken, einschließlich der von ihnen festgelegten Preise, nicht die Rechte von Landwirt*innen und Arbeitnehmer*innen, ihren Familien und Gemeinschaften verletzen.

Die Fairtrade-Standards verpflichten Erzeuger*innenorganisationen und Händler*innen dazu, Regeln zu befolgen, die den Landwirt*innen einen faireren Preis garantieren, eine demokratische Organisation gewährleisten, die Gleichstellung von Frauen fördern, Arbeitsrechte und sichere Arbeitsbedingungen unterstützen und den Produzent*innen mehr Macht in den Handelsbeziehungen geben.

Über die Standards hinaus gehen wir weiter auf spezifische Herausforderungen im Zusammenhang mit Menschenrechten ein. So haben wir beispielsweise Referenzpreise für ein existenzsicherndes Einkommen für wichtige Rohstoffe und Regionen (wie Kakao und Vanille) entwickelt und arbeiten mit Partner*innen zusammen, um sich diesen Preisen anzunähern und in weiteren Bereichen zu unterstützen, damit Landwirt*innen ein existenzsicherndes Einkommen erreichen.  Erzeuger*innenorganisationen in elf Ländern haben unser Monitoring- und Beseitigungssystem zur Bekämpfung von Kinderarbeit eingeführt, in das die ganze Gemeinde eingebunden wird. Im nächsten Jahr werden einige Produzent*innenorganisationen dieses System ebenfalls nutzen, um Maßnahmen gegen Zwangsarbeit von Erwachsenen und geschlechterspezifische Gewalt zu ergreifen.
Wir fördern aktiv den sozialen Dialog und die Tarifverhandlungen zwischen Management und Mitarbeiter*innen auf Fairtrade-zertifizierten Plantagen.
Hier sind einige Beispiele für Projekte, die Landwirt*innen und Arbeitnehmer*innen helfen, ihre Rechte besser wahrzunehmen.

Förderung der Gleichstellung der Geschlechter und Inklusion junger Menschen


Fairtrade organisiert die Women's Schools of Leadership auf allen Kontinenten mit Fairtrade-Produktion, darunter in vier Ländern des asiatisch-pazifischen Raums. Die Teilnehmer*innen lernen über Themen wie Menschenrechte von Frauen und darüber wie sie Selbstwert und Selbstbewusstsein entwickeln, außerdem Einkommensdiversifizierung und Projektmanagement und teilen ihr Wissen dann mit ihren jeweiligen Gemeinden.

Tran Ban Hung, regionaler Programmmanager für das Fairtrade-Produzenten-Netzwerk (NAPP) in Vietnam, sagt, dass die Leadership School "Produzenten, insbesondere junge Bauern und Bäuerinnen, dabei unterstützt, zu lernen, sich Wissen über Menschenrechte und Frauenrechte anzueignen, um Vorkämpfende des Wandels zu sein. Sie bringen Veränderung für die Gemeinschaft, Veränderung für ihre Genossenschaft und bilden eine Generation zum Schutz der Rechte von Bauern und Arbeitern, insbesondere für Frauen und andere gefährdete Menschen."


Im September organisierte das regionale Fairtrade-Produzenten-Netzwerk CLAC in Kolumbien Workshops, in denen Vertreter*innen von Fairtrade-Genossenschaften über ihre Erfahrungen berichteten, wie sie ihre Organisationen dahingehend weiter entwickeln, Frauen und Jugendlichen stärker einzubeziehen.. Eine „Werkzeugbox zur Geschlechterintegration“ wurde eingeführt, die einen Rahmen für Organisationen bietet, um stärkere Geschlechterrechte innerhalb ihrer Gemeinschaften aufzubauen. In Workshops wurden junge Menschen aus 25 Organisationen in transformativer Führung und Unternehmer*innentum ausgebildet, mit dem Ziel, die nächste Generation von Landwirt*innen zu befähigen, ihre eigene Existenz zu sichern.

Unterstützung des Rechts auf einen angemessenen Lebensunterhalt


Der Kaffeebauer Segundo Alejandro Guerrero Mondragón ist Mitbegründer der Fairtade zertifizierten Cooperativa Agraria Norandino im Norden Perus. Er, seine Frau und zwei Söhne bewirtschaften ihr Land - "im Grunde genommen ist Kaffee unser Leben", sagt er. Die globalen Kaffeepreise erreichten im vergangenen Jahr ein 12-Jahres-Tief und blieben für die meiste Zeit des Jahres 2019 unter 1 US-Dollar pro Pfund, was es vielen Bauern nicht erlaubt, die Gewinnschwelle zu erreichen. Der Fairtrade-Mindestpreis bietet ein Sicherheitsnetz, das es den Landwirten ermöglicht, mehr zu verdienen und ihnen Sicherheit gibt wenn ihr Recht auf ein Leben in Würde gefährdet ist.  Segundo will seinen Hof an seine Kinder weitergeben, damit zukünftige Generationen das Kaffee-Erbe seiner Familie fortsetzen können. Sein Sohn Omar sagt: "Dank dieser Kaffeeproduktion können Eltern ihre Kinder unterrichten, und jetzt können auch die Kinder ihrer Kinder Karriere machen".

Einsatz für die Rechte indigener Völker


Anfang des Jahres hat die United Workers' Foundation der Don Marce Banana Company (FUTUBAN) in Kolumbien ihre Fairtrade-Prämien verwendet, um eine Schulkantine zu bauen, ein Klassenzimmer zu renovieren und einen Wassertank in der ländlichen Siedlung Marbasella im Departement La Guajira bereitzustellen, etwa 30 Kilometer von der Plantage entfernt, in der etwa 50 Arbeiter*innen der Plantage leben. In der Siedlung Marbasella leben etwa 200 Menschen, die der indigenen Gruppe der Wayúu zugehörig sind. Ihre Kinder und die umliegenden Gemeinden profitieren täglich von diesen Verbesserungen. Dies sind nur einige Beispiele für die konkreten Verbesserungen, die es mit sich bringt,  wenn sich die Menschenrechte fokussiert wird und wenn Menschen ihre Rechte kennen und sich für diese einzusetzen lernen. Es gibt noch viel zu tun, aber eine Möglichkeit, wie wir alle helfen können - am Tag der Menschenrechte und das ganze Jahr über - ist es, sich beim Einkauf für Fairtrade zu entscheiden und den fairen Handel zu unterstützen.