Stellungnahme zum Zeit-Artikel

In der Zeit-Ausgabe vom 14. August befasst sich ein Bericht kritisch mit dem fairen Handel. TransFair bezieht Stellung.

Im Artikel „Märchen zum Kaffee“ in der ZEIT-Ausgabe vom 14. August setzt sich der Autor kritisch mit dem fairen Handel auseinander. Fairtrade entwickelt sich kontinuierlich weiter und setzt sich auch über hier angesprochene Themen mit allen Teilhabern des Systems stets kritisch auseinander. Wichtige Aspekte und Hintergründe bleiben im Artikel unbeleuchtet. Die Perspektive des Beitrags dagegen ist sehr klar: Der „reiche Norden“ blickt auf den „armen Süden“ – ohne Kleinbauern oder Plantagenarbeiter zu Wort kommen zu lassen. Sie sind aber genau diejenigen, die Fairtrade in den Mittelpunkt stellt.

Als einziges Standardsystem sind die Produzentenorganisationen Teilhaber und an allen Entscheidungen mit 50 Prozent Stimmanteil gleichberechtigt beteiligt. Sie sind Akteure und Gestalter des Fairen Handels, nicht lediglich „Empfänger“. Fairtrade wirkt – dies wurde international in zahlreichen Studien belegt, beispielsweise durch eine umfassende Studie des CEval Instituts 2012, und wir arbeiten permanent daran, die Wirksamkeit zu erhöhen. Eine Voraussetzung dafür sind zum einen Produzentenorganisationen mit starken, demokratischen Strukturen und zum anderen hohe Fairtrade-Absätze über Jahre. Denn ohne  Handel auch kein Fairer Handel. Im Kaffeeanbau in Lateinamerika, vor allem in Peru und Mexiko, konnten Produzentenorganisationen den Studienergebnissen zufolge ihre Lebenssituation durch Fairtrade deutlich verbessern. In afrikanischen Ländern sind die positiven Auswirkungen im Kaffeeanbau dagegen geringer – denn es fehlt an Fairtrade-Absätzen.

Fairtrade beruht auf international gültigen transparenten Standards

Der Begriff „fair“ ist anders als der Begriff „bio“ nicht von der deutschen Rechtsprechung geschützt, demnach kann er überwiegend frei genutzt werden. Das Fairtrade-Siegel dagegen beruht auf international gültigen, transparenten und konsistenten Standards. Sie werden nach den Vorgaben der weltweit anerkannten ISEAL Alliance für Sozialstandards entwickelt und bieten den Rahmen für alle Akteure, die am Fairen Handel teilnehmen wollen. Haben Standards Grenzen? Selbstverständlich. Aber innerhalb dieser Grenzen tut Fairtrade das Möglichste, die Arbeits- und Lebensbedingungen von Kleinbauernorganisationen und Beschäftigten auf Plantagen zu verbessern. Weil die Herausforderungen der Armutsbekämpfung im globalen Süden so enorm sind, (1 Mrd. Menschen, darunter viele Kleinbauern, verdienen weniger als 2 Dollar am Tag) konzentriert sich Fairtrade mit seinen Standards auf Entwicklungsländer. Standards für eine „faire“ Agrarproduktion in Europa zu schaffen – für Milch, Getreide oder Eier als Zutaten eines Schokoladenkeks – ist ein völlig anderer Ansatz und nicht Mandat von Fairtrade.

„Empowerment“ – also die Stärkung und Souveränität von Produzentenorganisationen in ihrem Lebens- und Arbeitsumfeld – ist ein stetiger Prozess, der nicht frei von Rückschlägen ist. Uns ist wohl bewusst, dass es noch viel zu tun gibt. Sowohl innerhalb der Fairtrade-Bewegung als auch extern wird stets kritisch hinterfragt, ob wir auf dem richtigen Weg sind unsere Ziele zu erreichen. Wegschauen ist für uns keine Option.

JA, auch wir halten eine Diskussion für überfällig, allerdings eine Diskussion über gängige Praktiken des Welthandels, Machtstrukturen und fragwürdige Freihandelsabkommen. Auch eine Diskussion über Lieferketten, Verantwortung und Konsum. Wir setzen uns mit einem Markt auseinander, in dem man Umfragen zufolge gerne „die Welt rettet“, in dem aber andererseits Schnäppchenjagd und Preisdruck die Alltagsrealität bestimmen. Das gilt nicht nur für Kaffee.


Deshalb geht unser Aufgabenbereich weit über Lizenzverträge hinaus. Durch seine Kampagnen bietet TransFair die Gelegenheit, genau diese Fragen zu diskutieren. Z.B. stößt TransFair im Rahmen der diesjährigen Fairen Woche eine Debatte über die Fairness in der Bananenlieferkette an. Am Bananenforum, das im Oktober erstmalig zusammentreten wird, beteiligen sich Akteure entlang der Bananenlieferkette und arbeiten an einer konkreten Charta der Verantwortung.


Nachfolgend möchten wir detailliert auf konkrete Vorwürfe des Berichts eingehen
. Scheuen Sie sich nicht, uns bei Fragen und Anmerkungen zu kontaktieren.

Fragen und Antworten zum Thema