Neue Schulen für Führungskräfte stärken Kleinbäuerinnen

Ein neues Programm des asiatischen Fairtrade-Produzentennetzwerks (NAPP) zielt darauf ab, Chancengleichheit von Frauen und Männern zu verbessern und trägt dazu bei, Geschlechtergleichstellung in landwirtschaftlichen Regionen zu erreichen. Ein Modell, mit dem Fairtrade bereits in Afrika und Lateinamerika gute Erfahrungen gemacht hat.

Programm des asiatischen Fairtrade-Produzentennetzwerks (NAPP) soll zur Geschlechtergleichstellung in landwirtschaftlichen Regionen beitragen. Foto: © Fairtrade International

Die Gleichberechtigung von Mann und Frau ist für eine gesunde Volkswirtschaft und Gesellschaft von wesentlicher Bedeutung. In vielen Ländern, in denen Fairtrade tätig ist, erhalten Landwirtinnen jedoch niedrigere Löhne als Landwirte, können oft kein Land besitzen und kämpfen um den Zugang zu Krediten oder Ausbildung.

Die Gender-Strategie von Fairtrade legt besonderen Wert auf die Stärkung von Frauen in Produzentenorganisationen und führt dazu gezielte Schulungen durch. Zu diesem Zweck gründete die NAPP eine neue „Gender Leadership School“. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Schulungen unternehmerischer Fähigkeiten wie Finanzwesen, Verhandlungsgeschick oder Gruppenentscheidungen. Außerdem werden Programme zur Sensibilisierung für die Gleichstellung von Frauen und Männern angeboten, die sowohl von Frauen als auch Männern besucht werden.

Am ersten Workshop nahmen 30 Fairtrade-Produzent*innen (25 Frauen und fünf Männer) von Baumwolle und Walnüssen aus Zentralasien teil. Die Schulungen werden in den nächsten Monaten auch für über 100 Fairtrade-Produzent*innen aus Süd- und Südostasien in Indonesien und Indien stattfinden. Die Schulung besteht dabei aus einem einjährigen Programm mit insgesamt zehn Modulen und rund 30 persönlichen Sitzungen.

Mirzaayim Mamatalieva, Mitglied einer Kooperative von Bio-Baumwollproduzent*innen in Kirgisistan, ist eine der ersten Frauen, die die Schule besucht hat. "Ich war sehr interessiert daran, mehr über das Thema ‚Geschlechtergleichstellung‘ zu erfahren", sagte Mirzaayim. „Wir alle werden mit denselben Rechten geboren, deshalb glaube ich, dass Männer und Frauen gleichermaßen arbeiten können und sich in einer Erzeugerorganisation gegenseitig unterstützen und ergänzen sollten. Das Training hat uns geholfen ein Bewusstsein dafür zu entwickeln."

Frauen unterstützen, Führungspositionen einzunehmen

Die Schule bietet eine Reihe von Initiativen an, um die Position von Frauen zu stärken und sie bei der Übernahme von Führungspositionen zu unterstützen. In der Elfenbeinküste absolvierten im Juni 2018 22 Kakaobauerninnen eine von Fairtrade Africa, Co-op und der Compass Group UK & Ireland organisierte “Women’s School of Leadership“. Viele dieser Frauen wurden inzwischen in Führungspositionen gewählt, haben Frauenausschüsse in ihren Kooperativen gegründet und Projekte zur Verbesserung ihres Einkommens initiiert.

Yadua Adingra wurde nach ihrer Teilnahme Vorsitzende der CAYAT-Kooperative. „Ich konnte die Mitglieder der Kooperative davon überzeugen, dass ich die richtige Person für diese Position bin, indem ich ihnen erzählte, was ich an der ‚Women's  School of Leadership‘ gelernt hatte", sagt sie. „Vor den Mitgliedern der Kooperative zu stehen war kein Problem, da ich es während des Trainings gelernt hatte. Als Vorsitzende habe ich nun die Möglichkeit, die Frauen der Kooperative weiter über Gleichberechtigung aufzuklären und weiterzubilden.“

In diesem Jahr werden die Absolvent*innen eine zweite Schule für 60 neue Teilnehmer*innen aus sieben Fairtrade-Kakaokooperativen mitleiten.

Ein Blick nach Lateinamerika: 109 Frauen aus sechs Fairtrade-Produzentenorganisationen in Guatemala haben im vergangenen Oktober die "Guatemalan Women's Economic Empowerment and Leadership School" erfolgreich abgeschlossen. Zuvor haben in El Salvador drei Schulungen stattgefunden. Das Ergebnis waren nicht nur über 100 erfolgreiche Absolvent*innen, sondern auch die Entstehung eines Trainingshandbuches. Die nächste Schulung wird in Kürze in der Dominikanischen Republik stattfinden.

„Die Teilnahme an der Schulung war eine wunderbare Erfahrung. Ich habe gelernt, mich selbst so zu schätzen und zu lieben, wie ich bin.", kommentierte Ana Beatriz Ramírez López, Mitglied der Kaffeekooperative Ciasfa in Guatemala.