Lateinamerika: Aktuelle Situation und Hilfe der CLAC

Exportprobleme plagen den Markt, Fairtrade-Netzwerk CLAC leitet langfristiges Entgegenwirken ein.

Kaffeeproduzent*innen auf einer Plantage in El Salvador. © Fairtrade / Sean Hawkey

Die COVID-19-Pandemie breitet sich weiter in den Ländern Lateinamerikas und der Karibik aus. Bis zum 21. April wurden mehr als 106.000 Infektionen und knapp 5.400 Todesfälle registriert. Die Pandemie und die von den Regierungen ergriffenen Präventivmaßnahmen werden schwerwiegende Auswirkungen auf die Wirtschaft der Region haben. Einer aktuellen Studie der Wirtschaftskommission zufolge könnte das BIP in den kommenden Monaten um durchschnittlich fünf Prozent sinken. Während politische Krisen wie in Brasilien eine zusätzliche Belastung darstellen, organisieren sich jedoch auch immer mehr Menschen solidarisch miteinander. Das lateinamerikanische Produzentennetzwerk CLAC leistet Soforthilfe und bereitet langfristige Schritte vor.

Kaffee: Vertragskündigungen und Exporteinbrüche

Die Nachfrage nach Kaffee nimmt in den Importländern weiter zu und die Lagerbestände gehen zurück. Röstereien versuchen bereits ihre Versorgung für das nächste Jahr zu sichern, da sie befürchten in Zukunft Probleme bei Beschaffung und Transport des Kaffees zu haben. Vor allem der Arabica-Kaffee wird allmählich knapp: Schätzungen zufolge dürften die Lagerbestände in den Verbraucherländern noch etwa für die kommenden 3 Monate ausreichen.

Am Rohstoff selbst mangelt es derweil nicht. Die Ernte in Zentralamerika ist weitestgehend abgeschlossen, die Felder werden bereits für die nächste Saison vorbereitet und der Kaffee für den Export präpariert. Genau dort liegt allerdings das Problem. Bis Ende des Monats und vermutlich auch über den gesamten Monat Mai wird das Exportgeschäft weiter auf Sparflamme laufen und Container werden knapp sein. Auch in Lateinamerika selbst ist der Konsum aufgrund der umfangreichen Ausgangssperren stark eingebrochen. Teilweise haben sich ganze Dörfer vom Transportverkehr abgeschottet, um eine Infektion mit dem Virus zu vermeiden. Nun stehen die Ernten in Brasilien, Kolumbien und Peru bevor und die Menge an Kaffee übersteigt das mögliche Exportvolumen bei Weitem. In Honduras, das fast ausschließlich vom Kaffeeexport lebt, wurden Verträge mit Händlern aus Europa und Australien gekündigt. Aktuell arbeiten nur halb so viele Menschen im Kaffeesektor wie in einer normalen Saison. 

Zucker: Der Weltpreis fällt

Der Einbruch des Zuckerpreises führt dazu, dass viele Plantagen ihre Beschäftigten nicht mehr bezahlen können und in einen Teufelskreis geraten.  Der Zugang zu Krediten gestaltet sich zunehmend schwieriger und die fehlenden Einnahmen können nicht ausgeglichen werden. Im Gegensatz zu Fairtrade-Zucker hat konventioneller Zucker keinen internationalen Mindestpreis und die fallenden Preise an den westlichen Börsen werden nicht abgefangen. Zudem hat die Umstellung auf digitales Personalmanagement die Arbeitslosigkeit in einigen Ländern weiter erhöht.

Bananen: Nachfrage bleibt stabil, Export macht Probleme

Weltweit bleibt die Nachfrage nach Fairtrade-Bananen bestehen. Auf den Hauptmärkten liegt sie über dem normalen Niveau, da die Pandemie eine erhöhte Nachfrage an Bioprodukten bewirkt hat. Ähnlich wie beim Kaffee macht jedoch die begrenzte Verfügbarkeit von Exportmöglichkeiten enorme Probleme. Besonders hart wirkt sich die Pandemie auf Produzent*innen konventioneller Bananen aus, deren Einnahmequelle durch den gefallen Marktpreis zu weiten Teilen wegbricht.

CLAC’s Unterstützung für Kooperativen

Das CLAC-Personal hat seit Beginn der Quarantänezeit die Kommunikation mit kleinbäuerlichen Produzent*innen aufrechterhalten und virtuelle Hilfestellung in verschiedenen Themenbereichen geleistet, z.B. bei der Verwendung der Fairtrade-Prämie, um Mitgliedern und Gemeinden durch die Flexibilisierung der Standards zu helfen. In zahlreichen Regionen wurden virtuelle Treffen und Workshops durchgeführt und Informationen über Messenger-Dienste ausgetauscht.

Vergangene Woche wurde eine Umfrage an Fairtrade-Kooperativen geschickt, um Daten über die Auswirkungen der COVID-19-Krise zu sammeln. In den kommenden Wochen werden zusätzlich Daten zu Beschäftigung, Grundbedürfnissen, Präventivmaßnahmen und Zugang zu Gesundheitsdiensten gesammelt. Außerdem hofft CLAC, systematischere Informationen über Solidaritätsbemühungen, Anpassungs- und Widerstandsfähigkeitsinitiativen zu sammeln. Das Netzwerk wendet sich ebenso an Verbraucher*innen und Handelspartner*innen, um eine mögliche Stornierung von Lieferungen zu verhindern und die Einnahmequellen der kleinbäuerlichen Betriebe aufrecht zu erhalten.