Kakao-Barometer 2015

Trotz Zuwachs bei zertifizierter Schokolade leben noch viele Kakaobäuerinnen und -bauern weit unter der Armutsgrenze.

Der weltweite Marktanteil von zertifizierter Schokolade ist innerhalb fünf Jahren von zwei Prozent auf fast 16 Prozent in 2013 gestiegen. Das geht aus dem neuen Kakao-Barometer hervor, dessen deutsche Fassung das SÜDWIND Institut und INKOTA veröffentlicht haben. Die Daten zeigen aber auch, dass die zahlreichen Nachhaltigkeitsinitiativen und Selbstverpflichtungserklärungen von Schokoladenunternehmen noch nicht ausreichen, um das Pro-Kopf-Einkommen der meisten Kakaobauernfamilien über die Armutsgrenze zu heben.

Evelyn Bahn, die Koordinatorin der Kampagne Make Chocolate Fair!, ist froh, dass sich die Schokoladenindustrie bewegt und in den Supermärkten immer mehr Schokoladenprodukte mit Kakao aus nachhaltigem Anbau verkauft wird. „Das ist ein erster wichtiger Schritt hin zu einer Verbesserung der Lebensbedingungen für Kakaobäuerinnen und -bauern und zur Einhaltung der Menschenrechte. Zertifizierung ist aber kein Wundermittel, wenn es darum geht, die Mehrheit der Kakaobäuerinnen und -bauern aus der Armut zu befreien“, so Evelyn Bahn.

 

Durchschnittlich 50 US-Cents am Tag

Friedel Hütz-Adams, Co-Autor des Kakao-Barometers vom Südwind Institut, erklärt das am Beispiel der Kakaobauernfamilien in der Elfenbeinküste. Sie verdienen derzeit pro Kopf durchschnittlich 0,50 US-Dollar am Tag. Die international definierte Armutsgrenze liegt jedoch bei zwei US-Dollar pro Tag. Das Pro-Kopf-Einkommen müsste sich demnach also vervierfachen. Nachhaltigkeitsinitiativen der Schokoladenindustrie konzentrieren sich auf die Steigerung der Produktivität. Hütz-Adams fordert neben der Steigerung der Ernteerträge, dass auch dringend in die Infrastruktur in den Kakaoanbauländern investiert werden muss. Ihm ist wichtig, dass der Anbau diversifiziert und notwendige Weiterbildung durchgeführt wird. Letztendlich sollen die Bäuerinnen und Bauern einen höheren Kakaopreis erhalten.

 

Fairtrade Programm greift

Genau an diesen Forderungen knüpft das Fairtrade-Kakao-Programm: Mit der Neueinführung des Programms in 2014 als ergänzender Kooperationsmöglichkeit, konnte der Absatz der Fairtrade-Produzentenorganisationen auf über 7.500 Tonnen Kakao für den deutschen Markt gesteigert werden – das entspricht der sechsfachen Menge im Vergleich zum Vorjahr. Zusätzlich zum Einkaufspreis erhalten die Kooperativen 200 Dollar Prämie pro Tonne Kakao. Die Prämie wird unter anderem zur Stärkung der Organisationen und zum Ausbau der Infrastruktur genutzt. Hierzu zählt der Bau von Lagerhäusern und Baumschulen, die Anschaffung von Fahrzeugen zum Transport der Ernte oder die Verbesserung von Anlagen zum Trocknen des Kakaos.


Diese Investitionen fördern die Qualität sowie Produktivität und führen so letztlich zu höheren Einnahmen der einzelnen Bäuerinnen und Bauern. Mit weiteren Teilen der Prämie konnten landwirtschaftliche Geräte, Trainings und Kleinkredite finanziert werden. Hauptanbauländer für den deutschen Markt sind die Elfenbeinküste, Ghana und Peru.

 

Hohe Erwartungen

Weltweit gibt es 130 Kakao-Produzentenorganisationen in 20 Ländern. Ihnen sind 176.600 Mitglieder angeschlossen. Sie fordern mehr Absätze unter Fairtrade-Bedingungen. Die Ankündigungen von Vertretern aus Industrie und Handel, mehr in nachhaltigen Kakao zu investieren, sollen deshalb auch mit Fairtrade-zertifiziertem Kakao umgesetzt werden.

 

Weiterführende Links:

Download: Kakao-Barometer

Petition: Make Chocolate fair!

Website des INKOTA Netzwerks

Das Fairtrade-Kakao-Programm