Fairtrade und Aldi Süd auf Besuch in Honduras

Im November besuchten ALDI SÜD und Fairtrade Deutschland honduranische Kooperativen und machten sich ein Bild vom Zusammenwirken der Fairtrade-Prämie, konkreter Projekte und nachhaltiger Investitionen.

ALDI und Fairtrade-Teams gemeinsam mit einer Kaffeebäuerin und ihrer Familie.

Die Unternehmensgruppe ALDI SÜD bezieht seit 2014 von Fairtrade zertifizierten Kaffee aus Honduras, einem Land, für das Kaffee das wichtigste Exportprodukt darstellt. Mehr als 100.000 Familien bauen dort Kaffee an und über eine Million Menschen sind während der Erntezeit in diesem Sektor beschäftigt. Kaffeebauern in Honduras sind jedoch aufgrund einer instabilen politischen Lage, weit verbreiteter Armut, Preisschwankungen auf dem Weltmarkt und der zunehmend gravierenderen Auswirkungen des Klimawandels mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert.

Seit 2016 fördert ALDI SÜD finanziell ein von Fairtrade ins Leben gerufenes Projekt zur Unterstützung von Kaffeekooperativen in Honduras. Lesen Sie in unserer ausführlichen Projektbeschreibung über alle Hintergründe, Maßnahmen und Ziele des Projekt.

Im November vergangenen Jahres reisten Vertreter*innen von ALDI SÜD, Fairtrade Deutschland sowie den regionalen lateinamerikanischen Fairtrade-Netzwerken nach Honduras. Gemeinsam besuchten sie mehrere der honduranischen Kaffee-Kooperativen, um vor Ort die Problemlage einschätzen und die Auswirkungen des Projekts beobachten zu können.

Der Einfluss der Fairtrade-Prämie

Im Gespräch mit den kleinbäuerlichen Betrieben stach ein Aspekt besonders heraus: Die Fairtrade-Prämie. „Die Bauern, mit denen wir uns unterhielten, unterstrichen die große Bedeutung der Fairtrade-Zertifizierung und der gezahlten Fairtrade-Prämie. Alle von ihnen arbeiten fleißig daran, ihre Zertifizierung aufrechtzuerhalten, und lobten das Projekt als sehr wirkungsvoll. Die Prämie stellt für die Bauern ein zusätzliches Einkommen dar, auf das sie dringend angewiesen sind“, heißt es dazu in einem Blog von ALDI SÜD. Nicht zuletzt vereinfacht die Zertifizierung durch Fairtrade aufgrund der anerkannten Standards hinsichtlich interner Kontrollen und Finanzsysteme in den Kooperativen, sowie durch die Eigenbeitragsmöglichkeit durch die Fairtrade-Prämien den Zugang zu Krediten und ermöglicht damit unterschiedliche zukunftsorientierte Investitionen.

Das Team besuchte unter anderem auch eine Klink, die von drei der am Projekt teilnehmenden Kooperativen unterstützt wird und rund 60.000 Anwohner in der Umgebung mit medizinischer Hilfe versorgt. Infrastrukturelle Projekte dieser Art stellen eine typische Verwendung der Fairtrade-Prämie dar.

Geschlechtergerechtigkeit und die Perspektive junger Menschen

Das Projekt verfolgt als einen seiner Schwerpunkte die Förderung von Geschlechtergerechtigkeit in Honduras. Frauen sind hier in Führungspositionen – ganz allgemein wie auch im Kaffeegewerbe – deutlich unterrepräsentiert und stehen oft vor großen sozialen Hürden. „Das Projekt bietet auch Frauengruppen die Möglichkeit zum Aufbau von Kompetenzen in den Bereichen Kaffeeproduktion und Diversifikation von Einkommensquellen. Dadurch wird erreicht, dass Frauen in den Entscheidungsgremien der Kooperativen stärker vertreten sind und mehr junge Frauen verantwortungsvolle Positionen, etwa als Buchhalterin, Agrarberaterin oder Qualitätsprüferin, erhalten“ so der Blog von ALDI SÜD. Beim Besuch der reinen Frauenkooperative Aprolma in der Provinz Marcala fand das Team ein Beispiel dafür, wie Frauen sich gegen zunächst einigen Widerstand das Recht auf Land und eine eigene Vermarktung erkämpft haben und sich am Markt behaupten.

Auch junge Männer wenden sich teilweise von der Agrarproduktion und ihren prekären Umständen ab, sind die Arbeitsbedingungen doch unsicher und der Ertrag oft unzureichend. In Workshops und Schulungen wendet sich das Projekt an Frauen und junge Männer Nachwuchsbäuerinnen und -bauern und klärt sie über moderne Anbautechniken, Möglichkeiten der Weiterbildung und die Diversifizierung von Einkommensquellen auf.

Zwischenfazit und Pläne für die Zukunft

„Gegen Ende unserer Reise wohnten wir einer Gruppendiskussion mit dem honduranischen Fairtrade-Netzwerk, Projektteilnehmern und vor Ort tätigen Fairtrade-Mitarbeitern bei. Uns wurden die Ergebnisse einer unabhängigen Bewertung vorgestellt, die bestätigten, dass das Projekt ein enormer Erfolg ist. Es war motivierend, zu erfahren, dass das Projekt als sehr gut auf die Bedürfnisse der Zielgruppe zugeschnitten und als eindeutig wirkungsvoll bewertet wurde“, heißt es weiter bei ALDI SÜD. Die Herausforderungen sind zwar weiterhin groß – allen voran eine nachhaltige Einstellung auf die Folgen des Klimawandels bereitet den Menschen Sorgen – jedoch leistet das Projekt einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Arbeits- und Lebensqualität vor Ort.

Das Zusammenwirken der Fairtrade-Prämie, konkreter Projekte und nachhaltiger Investitionen ermöglicht einen Blick in die Zukunft, die zwar weiterhin von großen Problemen geprägt ist, an deren Lösung aber gemeinsam gearbeitet werden kann. Bettina von Reden, Leiterin des internationalen Projektteams bei TransFair: „Das Projekt hat sehr gute Wirkungen für die Kaffeebäuerinnen und -bauern in Honduras über die ALDI SÜD-Lieferkette hinaus gezeigt. Ich freue mich sehr, dass die ALDI SÜD-Gruppe zugestimmt hat, das Projekt in den nächsten drei Jahren weiter zu finanzieren, um die Bäuerinnen und Bauern, ihre Organisationen und Netzwerke zu unterstützen Einkommen zu erhöhen, landwirtschaftliche Praktiken weiter zu verbessern und die Widerstandskraft gegenüber den Folgen des Klimawandels oder anderen Katastrophen zu erhöhen. Dazu gehört natürlich jetzt gerade auch die COVID-19-Pandemie, die für uns ein Aufruf ist, die Kleinbauernorganisationen weiter zu stärken und solidarisch zusammenzustehen.“

Das Projekt in Zahlen   

  • 22 teilnehmende Kleinbauernorganisationen („Smallholder Producer Organisations“, SPOs)
  • 4.656 unmittelbar Begünstigte (produzierende Mitglieder von SPOs)
  • 20.000 indirekt Begünstigte (Familienmitglieder und weitere Personen, die auf Kleinbauern angewiesen sind)
  • 83 % der am Projekt teilnehmenden Kooperativen haben einen Gewinn erwirtschaftet
  • 68 % nutzen eine geringere Menge an Agrochemikalien und unterstützen neue Einkommensströme