13. Januar 2020

Fairtrade-Stipendien ebnen den Weg zu beruflicher Karriere

Im Rahmen der neu gegründeten Fairtrade Africa Alumni Association, erzählen Kinder von Fairtrade-Produzent*innen, wie Fairtrade ihren beruflichen Werdegang beeinflusste.

Die Mitglieder der Fairtrade Africa Alumni Association auf dem Gründungstreffen in Kenia. © Fairtrade Africa

Die Mitglieder der Fairtrade Africa Alumni Association auf dem Gründungstreffen in Kenia. © Fairtrade Africa

Vielen Kindern von Fairtrade-Produzent*innen wurde mithilfe der Fairtrade-Prämie ein Stipendium ermöglicht. Auf dem Treffen der neu gegründeten Fairtrade Africa Alumni Association, einer Vereinigung ehemaliger Stipendiaten, erzählen vier von ihnen, wie Fairtrade ihren beruflichen Werdegang beeinflusste.    

Wreford, Technologie-Berater eines Wirtschaftsprüfungsunternehmens

„Die Leute nannten mich ein Wunderkind in der Schule“, lacht Wreford Momanyi, dessen Eltern zu Wrefords Schulzeit auf der Fairtrade-zertifizierten Blumenfarm Oserian in Kenia arbeiteten.
„Ich weiß nicht, ob das stimmt, aber ich weiß, dass ich ohne die Fairtrade-Prämie wohl nie meine Ausbildung hätte abschließen können. Sie war auch ein Anreiz, mich in der Schule anzustrengen. Ich habe eine Leidenschaft für Technik und alles, was mit Cybersicherheit zu tun hat“, sagt Wreford. „Als ich ein Kind war, wollte ich immer zur Armee gehen. Aber jetzt helfe ich Kenia dabei, sich auf andere Weise zu schützen.“ Wreford ist bescheiden – er war einer der besten Schüler seiner Schule. Dadurch wurde das Fairtrade Sponsoring Komitee von Oserian auf ihn aufmerksam und entschied, ihn zu fördern. Die Fairtrade-Prämie wird Produzent*innen, die ihre Waren nach Fairtrade-Standards produzieren und verkaufen, zusätzlich zum Fairtrade-Preis ausgezahlt. Die Produzent*innen entscheiden selbst, wofür die Prämie genutzt wird: Ob für den Ausbau von Farmen, den Bau von Schulen und Krankenhäusern – oder für Stipendien.

Sandra, Elektronikerin bei Kenya Breweries

Sandra Ochieng Owino ist ein weiteres Kind aus Oserian, und hat ebenfalls einen Abschluss in Elektrotechnik und Elektronik. Aber ihre Geschichte ist eine andere. „Meine Mutter war Gelegenheitsarbeiterin bei Oserian und hatte eine schwere Zeit“, erinnert sie sich. „Sie war eine alleinerziehende Mutter mit fünf Kindern, und als sie entlassen wurde,  konnte sie sich das Schulgeld nicht mehr leisten. Glücklicherweise bat meine Lehrerin das Fairtrade-Prämien-Komitee, meine Ausbildung zu finanzieren – was sie auch taten. Bis hin zu meinem Universitäts-Abschluss.“

Sandra arbeitet jetzt als Elektronikerin bei Kenya Breweries. „Ingenieurwesen ist traditionell eine männlich dominierte Welt, aber das beginnt sich zu ändern. Immer mehr Frauen kommen in diesen Beruf“, sagt sie. „Ich bin dafür verantwortlich, dass alle elektrischen Systeme sicher und in gutem Zustand sind, und ich führe die Wartung der elektrischen und elektronischen Systeme und Anlagen durch. Ich liebe meinen Beruf, aber mein Ziel ist es, meine eigene Beratungsfirma zu gründen. Auf diese Weise kann ich meiner Mutter und meinen Geschwistern helfen, aus der Armut, in der sie derzeit leben, herauszukommen.“

Lindah, Rezeptionistin im Mt. Longonot Transit Hotel

Lindah Chanyisa war das erste Mädchen ihrer Großfamilie, das eine akademische Ausbildung erhielt. Heute sagt Lindah, dass sie Fairtrade ewig dankbar sein wird, denn das Stipendium machte die Verwirklichung ihrer Ambitionen möglich. Lindah hat sich mit einem Diplom in Catering und Hotelmanagement qualifiziert und arbeitet nun als Rezeptionistin im Mt. Longonot Transit Hotel nördlich von Nairobi.

Lindahs Vater arbeitet hat eine leitende Position bei der Fairtrade-zertifizierten Blumenfarm Flamingo. „Mein Vater weiß, wie wichtig eine gute Ausbildung für seine Kinder ist, um Karriere zu machen und unabhängig zu sein“, sagt Lindah. „Er hat sich beim Fairtrade-Prämien-Komitee beworben und sie haben mir finanziell geholfen, die Highschool zu beenden. Jetzt kann ich mich dafür revanchieren und meiner Familie wieder etwas finanzielle Unterstützung zukommen lassen. Ich wollte immer eine Karriere als Medizinerin machen. Wenn meine Geschwister von zu Hause ausgezogen und selbständig sind, will ich wieder zur Schule gehen und weiter studieren."

Mary, Personalbuchhalterin bei Flamingo Horticulture

Mary Muringi Wachira ist in die Fußstapfen ihres Vaters getreten – sie arbeitet als Buchhalterin bei Flamingo Horticulture, wo ihr Vater als Lagerhausmanager tätig ist. „Ich wollte immer in der Personalabteilung arbeiten“, erklärt Mary Muringi Wachira. „Aber ich folgte dem Rat meines Vaters, bekam einen Job als Büroangestellte und arbeitete mich zur  Buchhalterin hoch. Ich habe herausgefunden, dass das Fairtrade-Prämien-Komitee Mitarbeiter unterstützt, die sich weiterbilden und qualifizieren wollen. Sie bezahlen nun mein  zweijähriges Personalentwicklungs-Studium, und wenn ich meinen Abschluss habe, kann ich meinen Traum verwirklichen und in die Personalabteilung wechseln.“

Wreford, Sandra, Lindah und Mary sind nur vier der vielen Erfolgsgeschichten von jungen Menschen, die von einem Stipendium aus Fairtrade-Prämiengeldern profitierten. Dank der Prämie konnten sie ihre Bildungslaufbahn fortführen, ihre Abschlüsse machen und eine aussichtsreiche berufliche Karriere einschlagen.

Mit der Gründung der Fairtrade Africa Alumni Association ermöglicht Fairtrade Africa nun zunächst den Austausch zwischen den ehemaligen Stipendiaten von Fairtrade-Blumenfarmen in Ostafrika, möchte aber auf lange Sicht auch Fairtrade-Produzentenorganisationen aus anderen Regionen und Produkten mit einbeziehen.