Fairtrade im Bundestag

Fairtrade bleibt dran an seiner Forderung #MachKaffeeFair. Um die aktuelle Kaffeekrise zu bewältigen, muss die Politik aktiv werden.

Felicita Castilla - Kaffeebäuerin in Peru | Bild: ©Eduardo Martino

TransFair war deshalb zusammen mit dem Forum Fairer Handel im Bundestag in Berlin, um über die dramatische Situation in den Anbauländern aufzuklären und gemeinsame politische Forderungen für mehr faire Kaffeeproduktion zu präsentieren.

Kaffee wird zum Minusgeschäft


Seit Monaten sind die Kaffeepreise im Keller. Kaffeeanbau wird zum Minusgeschäft für die Bauern und Bäuerinnen: Die aktuellen Niedrigpreise führen dazu, dass über 60 Prozent der Produzent*innen ihren Kaffee unter den Produktionskosten verkaufen müssen. Das hat dramatische Auswirkungen auf Millionen Kleinbäuerinnen und Kleinbauern sowie deren Familien und Gemeinden. Armut, Ernährungsunsicherheit, Arbeitsrechtsverletzungen und Migration sind an der Tagesordnung. Auf Einladung von Dr. Sascha Raabe (SPD) klärte unter anderem Peter Kettler, Kaffee-Experte von Fairtrade International, in einem Fachgespräch über die existenzbedrohende Situation in den Kaffeeanbauländern auf.

Fairtrade platziert Forderungen im Bundestag


Gemeinsam mit dem Forum Fairer Handel präsentierten TransFair und Fairtrade International den anwesenden Bundestagsabgeordneten sechs politische Forderungen. Durch stabile Mindestpreise und zusätzliche Prämien haben Fairtrade-Kleinbäuerinnen und Kleinbauern einen Schutz gegen die Preisschwankungen, aber der faire Handel allein kann die massiven Probleme nicht lösen. Strukturelle Antworten sind gefragt und somit politische Rahmenbedingungen.

Unterstützung von Sascha Raabe (SPD)


TransFair fand in Sascha Raabe (SPD) einen Fürsprecher und Unterstützer: Er sieht die Forderung von TransFair positiv, die Kaffeesteuer für fairen und nachhaltigen Kaffee abzuschaffen, wenn gewährleistet ist, dass dieser Preisvorteil nachweislich an Kundinnen und Kunden weitergegeben wird. Durch diese Maßnahme könnte fair gehandelter Kaffee für die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland attraktiver werden und der Marktanteil von derzeit nur 5 Prozent des gehandelten Kaffees deutlich steigen. Gleichzeitig wäre es ein konkreter Schritt, um die Nachhaltigkeitsziele (SDGs) der Vereinten Nationen umzusetzen. SDG 12 hat das Ziel, nachhaltigen Konsum zu fördern.

Das sind die Forderungen der Fair-Handels-Bewegung:

 

  • Die Abschaffung der Kaffeesteuer für nachhaltig produzierten und fair gehandelten Kaffee. Dies setzt nicht nur ein starkes Signal für den sozialen Aspekt der Nachhaltigkeit, sondern trägt direkt dazu bei, dass Produzent*innen höhere Verkaufsanteile zu fairen Preisen generieren, die mittelfristig zu einem existenzsichernden Einkommen für die Kaffeebäuerinnen und -bauern beitragen.
  • Die Richtlinie zur fairen öffentlichen Beschaffung nutzen und in allen Behörden des Bundes ausschließlich fairen Kaffee zu servieren. Den Anteil von fairem Kaffee bei der öffentlichen Beschaffung als KPI in die deutsche Nachhaltigkeitsstrategie aufnehmen.
  • Eine gesetzliche unternehmerische Sorgfaltspflicht entlang der Lieferketten einführen, durch die Unternehmen verpflichtet werden, Menschenrechte und Umweltstandards in ihren globalen Lieferketten zu achten.
  • Die Einrichtung eines Klimafonds, der für Kleinbauern und -bäuerinnen-Organisationen zugänglich ist, gespeist zum Beispiel aus den Einnahmen der CO2-Steuer, durch den Klimaanpassungsmaßnahmen und -bekämpfungsmaßnahmen gefördert werden.
  • Die Ratifizierung der United Nations Declaration on the Rights of Peasants and Other People Working in Rural Areas (UNDROP) durch Deutschland, um die Rechte von Kleinbauern und -bäuerinnen zu stärken.
  • Die Anpassung des Wettbewerbsrechts entlang Nachhaltigkeitsaspekten, damit z.B. Multi-Stakeholder-Initiativen effektiv an Nachhaltigkeitsfaktoren, inklusive Preisen, arbeiten können.


Nächste Schritte gemeinsam gehen


Nach dem Besuch im Bundestag bleibt die Fair-Handels-Bewegung weiter im Austausch mit den Unterstützer*innen der Idee und plant die nächsten Schritte mit dem Bundestag und gegenüber dem Finanzminister. Wir bleiben dran.

Positionspapier der Fair-Handels-Bewegung zur Kaffeekrise (615 KB, pdf)