Fairtrade hilft, globale Nachhaltigkeitsziele zu erreichen

In dieser Woche treffen sich die Staats- und Regierungschefs der Vereinten Nationen in New York. Gemeinsam beraten sie über die Nachhaltigkeitsziele der UN, die sogenannten Sustainable Developement Goals (kurz SDGs).


2015 hatten sich die UN-Mitgliedsstaaten auf insgesamt 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung geeinigt.

Doch viele Länder – insbesondere Deutschland – leisten bisher zu wenig, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Würde die Bundesregierung den fairen Handel stärker fördern, könnten sich das ändern:

Die nachfolgenden zehn Beispiele zeigen, welchen wichtigen Beitrag Fairtrade leistet, um die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen zu erreichen.

  1. Der Fairtrade-Mindestpreis dient über 1,6 Millionen Produzent*innen und Arbeitnehmer*innen in mehr als 75 Ländern als Sicherheitsnetz. Er deckt nicht nur die durchschnittlichen Produktionskosten einer nachhaltigen Produktion, sondern schützt darüber hinaus vor Preisschwankungen. Damit ist der Mindestpreis ein effektives Mittel, um das erste Nachhaltigkeitsziel zu erreichen: Armut in jeder Form und überall beenden. Gerade im Kaffeesektor, wo die Marktpreise seit Monaten kaum die Produktionskosten decken, schützt der Mindestpreis Kaffeeproduzent*innen vor der drohenden Armutsfalle: Sie bekommen 40 bis 50 Prozent mehr Geld für ihre Ernte als Farmer*innen, die keiner Fairtrade-Kooperative angehören.
  2. Der Fairtrade Access Fund (PDF, 6,7 MB) hat bisher 128 Mio. US-Dollar an rund 250.000 Kleinbäuerinnen und Kleinbauern in 19 Ländern ausgezahlt und damit einen entscheidenden Beitrag zum zweiten SDG-Ziel geleistet: Den Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung erreichen und eine nachhaltige Landwirtschaft fördern. Der Fonds unterstützt nachhaltige Organisationen, die dem Agrarsektor dienen. Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) produzieren Kleinbäuerliche Familienbetriebe 80 Prozent (PDF, 1,5 MB) der Nahrung weltweit und tragen damit entschieden zur globalen Ernährungssicherung bei.  Mit Investitionen aus dem Fonds verbessert Fairtrade die Situation der Familienbetriebe und schafft neue Perspektiven für die landwirtschaftliche Produktion.
  3. Die Fairtrade-Standards – das Regelwerk des fairen Handels – schreiben soziales, finanzielles und physisches Empowerment von Frauen vor und tragen damit zu SDG fünf bei: Geschlechtergerechtigkeit und Selbstbestimmung für alle Frauen und Mädchen erreichen. Die Women’s School of Leadership ist beispielsweise ein innovatives Weiterbildungspangebot für Frauen. In verschiedenen Trainings erwerben sie Kompetenzen in den Bereichen Führung, Finanzen und Verhandlung. Außerdem sensibilisiert das Programm für Themen wie Geschlechtergleichberechtigung. Auch Männer können an den Trainingseinheiten teilnehmen.
  4. Das achte Entwicklungsziel der UN lautet: Dauerhaftes, inklusives und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle fördern. Es steht im Einklang mit dem Fairtrade-Standard für lohnabhängig Beschäftigte (PDF, 535 KB) . Dieser schafft bessere Arbeitsbedingungen für 200.000 Beschäftigte in Fairtrade-Betrieben. Die Anforderungen stellen sicher, dass Arbeitgeber angemessene Löhne zahlen, dass sie das Recht auf Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft gewährleisten und dass sie Sicherheits- und Umweltauflagen eingehalten.
  5. SDG zehn lautet: Ungleichheit innerhalb von und zwischen Staaten verringern, indem Diskriminierung verboten und die Gleichstellung gefördert wird. Die Fairtrade-Standards schreiben genau das vor: Sie stärken die Position von Frauen, Jugendlichen und Wanderarbeiter in ländlichen Regionen, indem sie ihnen ein Mitspracherecht bei Entscheidungsprozessen geben. Außerdem profitieren sie von Fortbildungsangeboten und haben die Möglichkeiten, sich mithilfe von Beschwerdemechanismen gegen Diskriminierung zu wehren.
  6. Fairtrade ist der einzige ethische Standard, der von beiden Enden der Lieferkette auf das zwölfte Ziel „Für nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sorgen“ hinarbeitet. Fairtrade unterstützt die Produzentenorganisationen dabei, die Umwelt- und Sozialstandards des fairen Handels einzuhalten. Gleichzeitig zieht der gemeinnützige Verein Händler und Käufer über den Fairtrade-Standard für Händler (PDF, 521 KB) zur Verantwortung. Dieser umfasst transparente Verträge, faire Preise, Vorfinanzierung für Produzent*innen und klare Richtlinien zu Arbeits- und Umweltrecht.
  7. Auch in Hinblick auf SDG 13 ergreift Fairtrade Schritte: Umgehend Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen ergreifen. Fairtrade fördert die klimaverträgliche Landwirtschaft durch seine Standards und Programme und schützt die Umwelt und Biodiversität. Immer mehr Fairtrade-Kleinbauernfamilien sammeln zum Beispiel Regenwasser, pflanzen Schattenbäume, erzeugen Biogas oder andere erneuerbare Energien und investieren in organische Düngemittel. Der Fairtrade-Klima-Standard bietet zudem Unternehmen die Möglichkeit, einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Durch gezielte Klimaschutzprojekte im globalen Süden werden CO2-Emissionen reduziert, die in Form von Zertifikaten, den sogenannten Fairtrade-Carbon-Credits, gehandelt werden.
  8. Fairtrade verankert SDG 16: Friedliche und inklusive Gesellschaften im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung fördern, allen Menschen Zugang zur Justiz ermöglichen und effektive, rechenschaftspflichtige und inklusive Institutionen auf allen Ebenen aufbauen. Mit einem neuen Ethik und Verhaltenskodex in seinem Standard wird Fairtrade diesem UN-Ziel gerecht. Die drei Produzentennetzwerke in Lateinamerika, Asien und Afrika, vertreten außerdem die Interessen von Kleinbäuerinnen und Kleinbauern, Arbeiterinnen und Arbeitern. Sie halten 50 Prozent der Stimmrechte in allen wichtigen Fairtrade-Gremien und repräsentieren diejenigen, um die es bei Fairtrade geht: Die Menschen im Globalen Süden.
  9. Fairtrade vereint mehr als 1,6 Millionen Produzent*innen und Arbeitnehmer*innen, 1.600 Produzentenorganisationen und unzählige Gewerkschaften, Konsument*innen und Aktivist*innen aus der ganzen Welt, um das Ziel 17: Umsetzungsmittel stärken und die globale Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung wiederbeleben zu erreichen. Mehr als 2.100 Städte, Schulen, Universitäten und Mitgliedsorganisationen fördern weltweit die Prinzipien des fairen Handels. Fairtrade arbeitet mit mehr als 4.000 Unternehmen zusammen, um Fortschritte für Produzenten*innen und Arbeitnehmer*innen zu erzielen, und kooperiert mit Regierungen, um gesetzliche Rahmenbedingungen für fairere Handelspraktiken zu schaffen – eine Voraussetzung für ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum.
  10.  Mit Hilfe der Fairtrade-Prämie können die Produzentenorganisationen in weitere Nachhaltigkeitsziele wie Gesundheit, Bildung und sauberes Trinkwasser investieren (SDG-Ziel drei, vier und sechs). Seit der Einführung der SDGs im Jahr 2015 sind mehr als 500 Millionen Euro Prämiengeldern in den Bau von Schulen, die Verbesserung der Gesundheitsversorgung oder in Projekte für sauberes Trinkwasser geflossen