Fair begegnen – Fair gestalten. Mädchen und Frauen eine Stimme geben!

Interview mit Florence Wanjiru Wanjiku, Personalassistentin auf der Flamingo-Blumenfarm in Naivasha in Kenia.

Etwa die Hälfte aller Rosen, die wir in Deutschland kaufen können, stammen aus Kenia. Damit hierzulande genug frische Blumen in die Läden kommen, schuften Arbeiterinnen in Afrika meist für mickrige Löhne, unter prekären Arbeitsbedingungen und ohne Zukunftsperspektiven für ihre Kinder. Doch fairer Handel kann den Unterschied machen! Die Kenianerin Florence Wanjiru Wanjiku ist Personalassistentin auf der Flamingo-Blumenfarm in Naivasha. Hier hat ihre Mutter viele Jahre als einfache Blumenarbeiterin gearbeitet. Über die Fairtrade-Prämien konnte sie Florences Ausbildung finanzieren und ihrer Tochter eine Stimme im Kampf für mehr Geschlechtergerechtigkeit geben.

Florence, Sie sind Tochter einer Blumenarbeiterin. Gab es einen Moment, in dem Sie bemerkt haben, dass es einen Unterschied machen könnte, dass Ihre Mutter auf einer Fairtade-Farm arbeitet?
Dass meine Mutter auf einer Fairtrade-zertifizierten Blumenfarm arbeitet, war eine Erleichterung und es gab mir Hoffnung. Vor allem, als es Zeit für mich war, auf die Highschool zu gehen, da die Gebühr zu hoch war, als dass sie meine Mutter finanziell allein hätte stemmen können. Sie wandte sich an das Fairtrade-Komitee, das anbot, 50 Prozent der Schulgebühren über die Fairtrade-Prämie zu zahlen, und sie konnte es sich leisten, den Rest zu bezahlen. Nachdem ich die Highschool erfolgreich abgeschlossen hatte, hatte ich die Chance, an die Universität zu gehen, weil ihre Fairtrade-Prämie die volle Studiengebühr bis zum Abschluss des Kurses abdeckte. Rückblickend kann ich dem fairen Handel nicht genug danken, da er mein Leben völlig verändert hat. Auch viele andere Familien haben von den Prämien profitiert. Das hat unsere Position in der Gesellschaft enorm gestärkt.

Als junge Frau, die in der Personalabteilung arbeitet: Welche Veränderungen halten Sie für notwendig, um Geschlechtergerechtigkeit zu erreichen?
Ich würde mich auf das Empowerment vor allem von Mädchen und Frauen konzentrieren. Frauen müssen geistig, wirtschaftlich und sozial gestärkt werden. Es muss einen Wandel in der Einstellung der Frauen stattfinden, damit sie daran glauben, dass sie genau dasselbe erreichen können wie Männer. Wir müssen Mädchen Bilder und Vorbilder geben, die ihre Lebensperspektiven erweitern. Frauen müssen die Möglichkeit und Unterstützung erhalten, sich in allen ihren Interessensbereichen zu profilieren, und wir brauchen mehr Frauen in Führungspositionen, damit ihre Stimmen gehört werden! Die Regierung eines jeden Landes sollte sicherstellen, dass Frauen als befähigte „Change Agents“ an lokalen, regionalen und nationalen Gesetzgebungen beteiligt sind. Frauen sollten zudem Schulungen zu den Themen Finanzmanagement und Menschenrechte erhalten, da die Stärkung von Frauen auch die Bildung von Mädchen verbessern wird. Denn wenn Mütter gebildet und befähigt sind, Entscheidungen in ihrem Leben selbst zu treffen, ermöglichen sie auch ihren Töchtern, zur Schule zu gehen und als selbstbewusste Generation heranzuwachsen.

Das Motto des Kongresses lautet „Fair begegnen - Fair gestalten“. Wie können wir eine global-gerechtere Gesellschaft gestalten?
Fairtrade ist eine der anerkanntesten Initiativen innerhalb des globalen Trends hin zu einem global-gerechteren Konsum. Menschen in Europa sollten über ihre Konsumgewohnheiten den Fairen Handel unterstützen. Mit zunehmendem Markt für unsere Produkte würden die Prämien steigen. Das gibt den Arbeiterinnen Sicherheit, dass ihre Kinder ihre Ausbildung fortsetzen können. Um eine nachhaltige Entwicklung in Entwicklungsländern wie Kenia zu erreichen, brauchen wir Fairness bei der Entwicklung von Handelspartnerschaften, die sicherstellen, dass wir die Gleichstellung der Geschlechter erreichen, menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum fördern, Ungleichheiten verringern. Nachhaltiger Konsum und nachhaltige Produktion helfen auch, den Klimawandel zu bekämpfen. Das ist eine globale Herausforderung, und wir brauchen Menschen aus Ländern wie Deutschland, die zum Aufbau einer globalen gerechten Gesellschaft mit fairen Marktkulturen beitragen.