Erstes Globales Trinkgeld in der Textilbranche

Das Startup tip me und der Fairtrade-Partner ethletic haben ein Projekt gestartet, bei dem Näher*innen aus der Textilbranche ein direktes Trinkgeld über ihr Smartphone erhalten. Die Methode ist revolutionär.

© tip me / ethletic

Es gibt Branchen, in denen es völlig normal ist, ein Trinkgeld zu geben. Friseur*innen etwa, Kellner*innen oder Taxifahrer*innen können ein Lied darüber singen, wie dadurch ein bedeutender Beitrag zu ihrem Verdient entstehen kann. Trinkgeld beim Kauf eines neuen Paars Schuhe zu geben klingt dagegen erstmal seltsam.

Dabei sollte genau in Branchen wie der Textilindustrie eigentlich vermehrt darauf geachtet werden. Näherinnen und Näher werden zumeist katastrophal niedrig bezahlt. Der gesetzliche Mindestlohn in Pakistan etwa liegt bei 50 Cent pro Stunde. Mit der Fashion Revolution Week wird jährlich auf die Probleme der Textilindustrie hingewiesen und eine gerechte Bezahlung und Behandlung von Produzent*innen gefordert.

Tip me – Der Weg zum globalen Trinkgeld

Das Berliner Startup tip me hat sich dieser Problematik angenommen und ein Plug-In entwickelt, mit dem das erste globale Trinkgeld ermöglicht wird. Tip me registriert individuelle Produzent*innen jeweils einzeln und legt ihnen ein persönliches SMS-Konto an. Wenn ein Trinkgeld von Verbraucher*innen eingezahlt wird, kann dieses an lokalen Banken abgehoben werden. Für dieses System wurde tip me im letzten Jahr mit dem Fairtrade-Award der Kategorie „Nachwuchs“ ausgezeichnet (Platz 3).

Nun ist der nächste Schritt getan. Gemeinsam mit dem Fairtrade-Ppartner ethletic wurde das Plug-In getestet und für den Markt vorbereitet. Zu jedem Paar fairer Sneaker von ethletic wurde zusätzlich das globale Trinkgeld angeboten. Die Ergebnisse sind vielversprechend. Fast die Hälfte der Konsument*innen entschied sich, das Plug-In zu nutzen und Produzent*innen durchschnittlich etwas mehr als drei Euro Trinkgeld zukommen zu lassen zukommen zu lassen. Ab Oktober ist das Plug-In im Onlineshop von ethletic verfügbar.

Damit ist nicht nur eine Möglichkeit eröffnet, etwas an der finanziellen Situation der Produzent*innen zu verbessern. Das Plug-In stellt ebenso eine soziale Kommunikationsmöglichkeit dar. Es erlaubt Konsument*innen, eine Wertschätzung von Mensch zu Mensch auszudrücken. Eben genau wie beim Friseurbesuch, nach dem Essen im Restaurant oder der Taxifahrt.

Update: Beteiligen Sie sich am globalen Trinkgeld!

Nicht nur Fairtrade Deutschland ist auf tip me aufmerksam geworden. Das startup ist für den WIWIN-Award nominiert worden. WIWIN ist eine Online-Plattform für nachhaltiges Investieren. Die Gewinner des Awards erhalten eine garantierte Finanzierung von 500.000 Euro, der zweite Platz wird mit 200.000 Euro gewürdigt. Tip me hat bereits konkrete Pläne für den Fall einer Finanzierung: Zunächst einmal müssen Ressourcen und Infrastruktur geschaffen werden, um die hohe Nachfrage von Unternehmen zu decken und das Plugin vermehrt anbieten zu können. Außerdem soll das globale Trinkgeld nicht länger "nur" online zur Verfügung stehen, sondern auch im Einzelhandel an der Kasse zur Verfügung stehen. Das alles benötigt Investitionen und die Unterstützung aus der Bevölkerung. Mit Ihrer Stimme können Sie dazu beitragen, das globale Trinkgeld weiter auf dem Markt zu etablieren.