Erste Kooperativen nutzen Fairtrade-Hilfsfonds

Im Kampf gegen Covid-19 stehen aktuell rund 3 Mio. Euro zur Verfügung.

Mitglieder der Kooperative COOPAVRE

In der Sammelstelle der Cooperativa Agraria Ecológica Cacaotera Valle Río Ene (COOPAVRE) in der Region Junin in Peru tragen alle Produzent*innen, die von der Kakaoernte kommen, obligatorisch eine Maske. Händewaschen ist angesagt, Schuhe werden desinfiziert und die Temperatur gemessen, bevor der Kakao abgegeben werden darf – alles mehr oder weniger bekannte Maßnahmen zum Schutz vor COVID-19. Neu ist, dass sich die Kooperative dabei auf finanzielle Unterstützung vom lateinamerikanischen Fairtrade-Netzwerks CLAC stützen kann.

„Die Hilfe, die wir bekommen haben, war sehr nützlich für uns. Wir haben Bleich- und Desinfektionsmittel, Seifen, Masken, Schutzanzüge, Thermometer, Beschilderungen und ein Transparent mit den Biosicherheitsprotokollen für die Arbeit im Zentrallager gekauft. Das sind Dinge, die wir aufgrund der Pandemie brauchten. Und wir vergeben an jedes Mitglied jeweils ein Sanitärpaket mit all diesen Materialien. Das hat uns sehr geholfen, die Ausbreitung von Covid-19 zu verhindern“, sagt Marco Antonio Dominguez, Präsident von COOPAVRE. Neben den Maßnahmen in der Sammelstelle hat die Kooperative auch Warentransporte für den Kakao organisiert, damit Produzent*innen sich keiner erhöhten Ansteckungsgefahr aussetzen.

Obwohl die Fallzahlen von Covid-19 in Peru unter den höchsten in Lateinamerika liegen, gibt es in den Gemeinden, in denen die Kooperative arbeitet, immer noch verhältnismäßig wenige Ansteckungen. „Wir als Bevölkerung haben bereits versucht, uns zu organisieren, jede Gemeinde in der Region hat sehr strenge Maßnahmen ergriffen“, so Dominguez weiter.

Fairtrade-Hilsfonds wird flächendeckend eingesetzt

Wie COOPAVRE wurden 117 weiteren Kooperativen ihre Anträge auf finanzielle Hilfe bewilligt. Der Hilfsfonds für Fairtrade-zertifizierte Organisationen von Kleinproduzent*innen in Lateinamerika und der Karibik wird von der CLAC und Fairtrade International verwaltet und gefördert. COOPAVRE wurde mit 2.000 US-Dollar aus dem Fonds unterstützt.

Insgesamt stehen aus dem Hilfsfonds rund 2,1 Mio. Euro als Soforthilfe bereit. Bis heute wurden 45 Anträge für die Umsetzung von Biosicherheitsprotokollen bewilligt, so dass zahlreiche Kooperativen Maßnahmen zum Schutz ihrer Mitglieder ergreifen konnten. Zudem hat Fairtrade einen Resilienzfonds mit einem Volumen von rund 1 Mio. Euro ins Leben gerufen. Damit soll gezielt den langfristigen wirtschaftlichen Folgen der Pandemie entgegengewirkt werden, wenn es zum Beispiel um die Anschaffung neuer Technologien und die Wiederaufnahme der Produktion geht. Von den rund 3,1 Mio. Euro Gesamtkapital stammt 1 Mio. von TransFair e.V. (Fairtrade Deutschland).

Der Hilfsfonds ist weiterhin offen und Kooperativen können eine Finanzierung für die Umsetzung von Biosicherheitsprotokollen, die Übernahme erhöhter Produktionskosten und auch für Krankenhaus- oder Beerdigungskosten im Zusammenhang mit Covid-19 beantragen. Auf der Website der CLAC finden Sie weitere Informationen über den Fonds (englisch).