Baumwollproduktion in Indien – viele Erfolge aber auch viele Herausforderungen

Interview mit Shailesh Patel, Technischer Direktor der Rapar und Dhrangadhra Farmers Producer Company.

"Unsere Handelspartner sind sich häufig nicht bewusst, welche enormen positiven Wirkungen der faire Handel erzielt." Shailesh Patel, Technischer Direktor der Rapar und Dhrangadhra Farmers Producer Company. Foto: © TransFair e.V.

Shailesh Patel arbeitet seit 2015 für die Genossenschaft. Er studierte Agrarwissenschaft mit Schwerpunkt Agrarökonomie und besitzt mehr als 20 Jahre Erfahrung in der nachhaltigen Produktion, Verarbeitung und Vermarktung von Bio- und Fairtrade-zertifizierter Baumwolle. Seit 1998 realisiert er verschiedene Projekte für Fairtrade-zertifizierte Produkte wie Reis, Baumwolle, Nüsse und Rosinen. Bei der Rapar and Dhrangadhra Farmers Producer Company ist er für die Produktion sowie für die Verarbeitung und Vermarktung von Fairtrade-Baumwolle, Erdnüssen und Sesam verantwortlich und unterstützt die Produzenten bei der Ausbildung und Entwicklung der Organisation.

Können Sie kurz erklären, was die Rapar und Dhrangadhra Farmers Producer Company ausmacht und das Engagement für Nachhaltigkeit erklären?

Die Rapar und Dhrangadhra Farmers Producer Company ist zu 100 Prozent im Besitz von Kleinproduzent*innen, die Baumwolle, Sesam, Erdnüsse und andere Kulturen anbauen. Das Unternehmen wurde im Jahr 2015 gegründet. Es operiert in der Provinz Gujarat in West-Indien in zwei Regionen: Rapar, in der Region Kutch, im Norden an der pakistanischen Grenze und in Dhrangadhra in der Region Surendranagar, die etwas südlicher liegt. Wir sind zunächst mit 498 Mitgliedern gestartet, mittlerweile sind wir auf 798 Mitglieder angewachsen.

In unserer Region ist das Wasser sehr knapp und deshalb sind die Produzent*innen aus Kutch sehr von Regenfällen abhängig. Wenn es noch weniger Niederschläge gibt, wird es extrem schwierig. Deshalb erarbeiten wir derzeit mit unseren Mitgliedern, wie wir Regenwasser besser speichern können. Außerdem führen wir Schulungen über die effiziente Nutzung von Wasser in der Landwirtschaft durch.

Wann und warum hat sich die Organisation Fairtrade zertifizieren lassen? Welche Vorteile haben sie dadurch?

Die Organisation erhielt 2016 ihre Fairtrade-Zertifizierung. Das Hauptziel ist es, das Pro-Kopf-Einkommen unserer Kleinbäuerinnen und -bauern zu verbessern. Wir haben verschiedene Aktivitäten gestartet, zum Beispiel eine eigene Saatgutproduktion, Kompostierung, Tröpfchenbewässerung oder den Bau einer Transportanlage für landwirtschaftliche Güter. Wir haben uns für die Fairtrade-Zertifizierung entschieden, um unsere Ziele bei der nachhaltigen Entwicklung zu erreichen und letztendlich einen besseren Nutzen für unsere Landwirte zu erzielen.

Welche Bedeutung hat Fairtrade-Baumwolle für die Kleinbauern?

Da gibt es einige Punkte:

  1. Praktizieren des fairen Handels. Verankerung und Umsetzung der Grundsätze des fairen Handels.
  2. Der Fairtrade-Mindestpreis unterstützt die Kleinbäuerinnen und -bauern bei Marktschwankungen und stärkt ihre wirtschaftliche Position.
  3. Sie erhalten Schulungen, um die Produktivität und das Einkommen zu steigern sowie neue Technologien kennenzulernen.
  4. Außerdem verbessert die Fairtrade-Prämie ihre wirtschaftliche und soziale Situation. Mithilfe der Gelder können viele soziale und ökologische Aktivitäten gestartet werden: Zum Beispiel Nutzen von Regenwasser, Pflanzen von Bäumen, Saatgutproduktion, Straßenbau aber auch Unterstützung bei Bildungsmaßnahmen wie Einrichten neuer Klassenzimmer und Schaffen einer Klasse, die die Kinder bei der Hochschulausbildung unterstützt.

Wie wird sich die Produktion in der kommenden Saison entwickeln und was sind ihre größten Herausforderungen?

Die Baumwollproduktion dürfte im nächsten Jahr um etwa 10 bis 15 Prozent steigen. Die aktuellen Herausforderungen sind:

  1. Es gibt sehr wenig Niederschläge und wenn fallen sie unregelmäßig. Deshalb müssen wir Produktivitäts- und Qualitätseinbußen befürchten.
  2. Die Finanzierung von Hochschulausbildungen für die Kinder.
  3. Transport unserer Produkte in das Stadtzentrum ist aufwendig und schwierig.

Wie hilft Ihnen die Fairtrade-Prämie?

Sie hilft uns sehr, das Einkommen und die Rentabilität der Kleinbäuerinnen und -bauern zu steigern. Aufgrund dieser Entwicklung gibt es viele andere Kleinbäuerinnen und -bauern, die sich sehr gerne Fairtrade anschließen und Mitglied unserer Kooperative werden möchten.

Welche Herausforderungen warten auf die Kooperative?

Ein Ziel ist es, unsere gesamte Baumwolle zu Fairtrade-Bedingungen zu verkaufen. Im Moment ist das noch nicht der Fall. Außerdem wollen wir eine noch bessere Qualität liefern. Dies ist aber nur mit hochwertigeren Entkörnungsmaschinen möglich, die wiederum hohe Investitionen erforderlich machen. Wir werden uns aber primär auf die Produzenten konzentrieren und versuchen ihre Rentabilität zu steigern. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir auch dies schaffen.

Gibt es etwas, dass Sie unseren Geschäftspartnern mitteilen möchten?

Unsere Handelspartner sind sich häufig nicht bewusst, welche enormen positiven Wirkungen der faire Handel erzielt. Er ist eine echte Unterstützung und hilft, das Leben der Kleinbauern und ihrer Familien zu verbessern.