Die Organisation Van Chan Bio Farmers Club in Vietnam

Die Kleinbauernfamilien des Van Chan Bio Farmers Club leben im Hochland im Norden Vietnams, genauer gesagt in der Provinz Yen Bai, wo der Anbau von Tee, Ingwer und Gewürzen eine lange Tradition hat. Die Region ist zugleich Siedlungsgebiet vieler ethnischen Minderheiten. Hierzu gehören die Mitglieder zweier Bergstämme (H’mong und Dao), die sich zum Van Chan Bio Famers Club zusammengeschlossen haben, um Tee und Ingwer gemeinsam zu vermarkten.

Die Organisation Van Chan Bio Farmers Club in Vietnam

Die Kleinbauernfamilien leben abgeschieden vom Rest des Landes und der vietnamesischen Mehrheitskultur. Die Mitglieder des Van Chan Bio Farmers Club wünschen sich hinsichtlich der Verwendung der Fairtrade-Prämie daher vor allem Infrastrukturprojekte - den Bau einer zerstörten Brücke, den Ausbau des Trinkwassersystems und die Befestigung von Wegen und Straßen.


Hanoi
Vietnam

Eine Kooperative mit Geschichte

Begonnen wurde das Teeprojekt im Norden Vietnams 1996 von einer holländischen NGO namens KWT (Komitee für Wissenschaft und Technik). Damals lag das Hauptinteresse in der Einkommensschaffung für Angehörige der Bergvölker durch die Vermarktung von Gewürzen. Allerdings waren die ProduzentInnen daran interessiert auch den in der Region gesammelten wilden Tee zu vermarkten. So kam man 2002 in Kontakt mit Cha Do, einem Teehandelshaus aus Bremen mit starker Ausrichtung auf Bio & Fair, über das die EZA diesen einzigartigen Wildtee bezieht.

Die heutigen Mitglieder des Van Chan Bio Farmers Club arbeiteten schon vor der Gründung ihres "Clubs" mit Cha Do und dem 2004 gegründeten lokalen Exportunternehmen Vi Vang zusammen, waren allerdings nicht organisiert. 2006 haben sie sich eine demokratische Struktur als Kleinbauernvereinigung gegeben: Dabei stellt jede Dorfgemeinschaft je ein Mitglied im vierköpfigen Verwaltungsrat und dem internen Kontrollkomitee. Zudem entsendet jede Dorfgemeinschaft gewählte Delegierte zur Generalversammlung. Andererseits wird jedes Dorf von einem ausgebildeten Mitglied als BeraterIn für technische Fragen betreut. Dieser Prozess wurde vom KWT unterstützt und begleitet. 2007 erfolgte die Registrierung als FAIRTRADE-zertifizierte Produzentenorganisation. Aufgaben des "Clubs" sind in erster Linie die Organisation der Produktion und Verarbeitung, technische Beratung, Bewusstseinsbildung und Bildungsprogramme für die Mitglieder.

 

Die Produzentinnen

Die 422 Mitgliedsfamilien des Van Chan Bio Farmers Club stammen aus vier Dorfgemeinschaften der Bezirke Van Chan und Tram Tou in der Provinz Yen Bai im Norden Vietnams. Sie alle sind Angehörige der H’mong und Dao und zählen damit zu zwei der 53 ethnischen Minderheiten Vietnams. Die Häuser der einzelnen Dorfgemeinschaften liegen oft weit voneinander entfernt. Fehlende Straßen und schlechte, in der Regenzeit oft kaum benutzbare Wege erschweren die Erreichbarkeit der Siedlungen. Die H’mong und Dao lebten viele Generationen lang als Nomaden in den Bergwaldregionen, doch zuletzt wurden viele der Familien sesshaft. Damit ist auch eine Umstellung der Produktionsweise und des Umgangs mit dem eigenen Stück Land verbunden. Die Methoden des Biolandbaus sind hier auf fruchtbaren Boden gefallen und sollen den Familien ihre Erträge und Einkommen in der Zukunft sichern. Zudem bedeutet die Bio-Zertifizierung einen klaren Wettbewerbsvorteil gegenüber den vor allem chinesischen AufkäuferInnen und die Chance, die eigene Ernte zu besseren Preisen als Bio-Tee und -Gewürze zu vermarkten, zum Teil bereits unter den Bedingungen des Fairen Handels.

 

Die Mitgliedsfamilien des Van Chan Bio Farmers Clubs verfügen über 2 bis 4 ha Land bzw. Waldflächen. Ca. 50% davon dienen dem Anbau von Ingwer und Zimt, die restlichen 50% der Eigenversorgung, vor allem dem Anbau von Reis, Mais und Gemüse. Der Tee wird von den Familien in den umliegenden Bergwäldern gesammelt. SaisonarbeiterInnen kommen dabeikeine zum Einsatz. Alle Mitglieder verpflichten sich zur Einhaltung der Richtlinien des Bio-Landbaus. Die Kontrolle übernimmt der niederländische Bio-Zertifizierer Control Union.
Die weitere Verarbeitung der Teeblätter erfolgt durch drei lokale Teefabriken. Diese kaufen den Tee von den ProduzentInnen an und bezahlen bei Übergabe des Tees. Der Preis für den Tee wird zwischen dem Van Chan Bio Farmers Club und dem jeweiligen Verarbeitungsbetrieb ausgehandelt. Als Basis dafür dient der lokale Teepreis, der vor allem durch die Nachfrage aus China bestimmt wird. Auf diesen werden Aufschläge für die Bio-Qualität und die FAIRTRADE-Prämie aufgeschlagen. Darin liegt letztlich der große monetäre Vorteil der Mitglieder des Van Chan Bio Farmers Clubs.

 

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