Interview mit Rosemary Achieng

Wie läuft der Einsatz von Pflanzenschutzmittel ab?

Rosemary Achieng ist 47 Jahre alt und alleinerziehende Mutter von drei Söhnen. Sie arbeitet seit 13 Jahren bei der im Jahr 2003 Fairtrade-zertifizierten Blumenfarm Panda Flowers in Kenia als Vorarbeiterin. Außerdem ist sie zuständig für die Personalführung im Gewächshaus und das Qualitätsmanagement der Rosen.

Bei einem Besuch der TransFair-Geschäftsstelle im Februar 2017 berichtet sie wie der Einsatz von Pflanzenschutzmittel abläuft, welche Mittel eingesetzt werden, wie die Mitarbeiter geschützt werden und was sich alles durch Fairtrade geändert hat.

Im Gespräch mit einer Blumenarbeiterin

Transkription des Interviews

TransFair: Beim Rosenanbau werden Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Wie funktioniert die Ausbringung genau?

Rosemary Achieng: Die Rosen werden nur von geschultem Personal gesprüht, die Männer sind dafür zuständig. Frauen sprühen nicht. Die Männer tragen dabei Schutzkleidung und werden alle drei Monate gesundheitlich untersucht. Jede einzelne Chemikalie ist klassifiziert. Bei Panda sind die Klassen 1 und 2 grundsätzlich verboten, sie werden nie benutzt. Die Chemikalien, die gesprüht werden, stammen aus der Klasse 3 und 4. Es dauert acht Stunden, bis die Gewächshäuser nach dem Einsatz wieder betreten werden dürfen. Wir verfahren so, dass wir vor dem Sprühen zuerst die Blumen ernten und dann das Gewächshaus verlassen. Das macht es einfacher für uns, denn acht Stunden machen quasi den ganzen Tag aus. Wenn wir warten würden, bis die Blumen gesprüht sind, könnten wir es nicht mehr machen. Wenn die Blumen dann gesprüht werden, findet alles andere nur noch außerhalb des Gewächshauses statt. Außen am Gewächshaus werden zudem alle Informationen zum Sprühvorgang angezeigt: der genaue Zeitraum, welches Mittel benutzt wurde und in welche Klasse es fällt, und wie lange der Zutritt zum Gewächshaus verboten ist. Während des gesamten Sprühvorgangs, vom Anfang bis zum Ende, ist sichergestellt, dass die Tür mit einem Hängeschloss verriegelt ist.

Gab es Vorfälle von Gesundheitsproblemen?

Nein, ich habe nichts von gesundheitlichen Problemen durch Pestizide bei Panda gehört. Die Sprüher sind alle gesund und haben keine Gesundheitsbeschwerden.

Wie wird sichergestellt, dass die Sprüher auch beim Sprühvorgang geschützt sind?

Bevor die Sprüher mit ihrer Arbeit beginnen, müssen sie Schutzkleidung anziehen. Über ihrer Arbeitskleidung tragen sie zusätzlich einen Schutzanzug. Außerdem tragen sie Schutzbrillen und ihr Kopf ist bedeckt. Bevor sie mit ihrem Einsatz beginnen, muss überprüft werden, ob die Männer vollständig mit der vorgegebenen Schutzkleidung bekleidet sind. Für jeden Arbeiter gibt es eine Aufsichtsperson, die das kontrolliert. Wenn man nicht korrekt bekleidet ist, darf man das Gewächshaus nicht betreten.

Was hat sich in Bezug auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und den Umgang damit durch Fairtrade verändert?

Mit Fairtrade hat sich alles verändert. Vor der Fairtrade-Zertifizierung wussten wir nie, welche Sorten Chemikalien wir überhaupt benutzen. Wir wussten nicht, dass es eine Unterscheidung in verschiedene Klassen gibt und dass man sich selbst schützen muss. Seit Fairtrade werden wir geschult, kennen die verschiedenen Klassen der Chemikalien und wissen, was die Farbcodes der Klassen bedeuten. Wir wissen, welche gefährlich und verboten sind. Das ist etwas, was uns als Arbeitern die Augen geöffnet hat. Es hat uns auf den richtigen Weg gebracht, und das alles durch die Trainings des Gesundheits- und Sicherheitskomitees.