Angelique und die Frauen aus Ruanda

Eine Reise zu den Frauen hinter dem Fairtrade Kaffee Angelique's Finest

Laurence Mukakagere (Bild ,54), ist Kaffeebäuerin in Ruanda und stellt mit Gleichgesinnten in ihrer Kooperative den Frauenkaffee Angelique’s Finest her.

Im Mai 2019 reiste TransFair mit einigen Journalistinnen in den Norden Ruandas, Herstellungsgebiet von Angelique‘s Finest, einem Fairtrade-zertifizierten Kaffee, der komplett von Frauen im Anbauland hergestellt wird. Mit Unterstützung des Start-ups Kaffee-Kooperative.de wird der Kaffee auch in Deutschland vertrieben. Die junge ruandische Fotografin und Grafikerin Denyse Uwera designte die Verpackung von Angelique’s Finest und begleitete die Reise nach Ruanda fotografisch.

Seit 2011 existiert die Assoziation „Rambagira Kawa“ (übersetzt: „Möge der Kaffee gedeihen und sich ausbreiten“). Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss von Witwen und alleinerziehenden Frauen, die sich nach dem Genozid in Ruanda 1994, ohne Männer selbstversorgen müssen. Die mittlerweile 260 Frauen, mit und ohne Ehemänner, organisieren sich und unterstützen sich gegenseitig.

Das ist die wichtigste Aufgabe von Rambagira Kawa, dass sich die Frauen untereinander helfen, sich unterstützen und füreinander da sind.“ (Angelique Karekezi)

Die Frauen von Rambagira Kawa vor einem Gebäude von Musasa Dunkundekawa mit traditionellen Körben
Die Mitgliederinnen der Kooperative mit den von ihnen geflochtenen Körben. | Bild: © Denyse K. Uwera

Eine Kooperative zur Stärkung der Frauen

Da die Assoziation zu der Fairtrade-zertifizierten Kooperative Musasa Dukundekawa gehört, geben die Kaffeebäuerinnen ihre Ernte hier zur Weiterverarbeitung ab. Vor Ort – an den sogenannten Washing Stations – werden die Kaffeekirschen sortiert, gewogen, geschält, fermentiert und anschließend in der Sonne getrocknet. Dukundekawa bietet den Frauen nicht nur die Möglichkeit, sich im eigenen Zusammenschluss zu organisieren, sondern stellt ihnen auch Räumlichkeiten zur Verfügung, um sich einmal die Woche zu treffen und auszutauschen. Bei diesen Treffen flechten die Frauen traditionelle Körbe während sie sich gegenseitig von ihrem Alltag berichten.Die Körbe können sie später auf dem Markt verkaufen, und so ein zusätzliches Einkommen erwirtschaften. Dieser geschützte Rahmen bietet ihnen nicht nur die Möglichkeit sich über bessere Anbaumethoden auszutauschen, sondern dient auch dazu sich untereinander zu unterstützen, wenn es zu Schwierigkeiten mit Männern und Ehemännern kommt. Denn obwohl Ruanda im Ländervergleich nach dem Global Gender Gap Report von 2017 weltweit auf Platz 4 lag, was Gleichberechtigung   der Geschlechter betrifft, sind häusliche und geschlechterspezifische Gewalt noch immer sehr präsent.

Gleichberechtigung in Ruanda

Tatsächlich sind 60 Prozent der parlamentarischen Plätze an Frauen vergeben, doch nach dem Genozid 1994 waren die meisten der Überlebenden Frauen. Es gab also schlicht nicht genug Männer um politische und wirtschaftliche Positionen zu füllen. Ein Umdenken in den Köpfen, hin zu mehr Gleichberechtigung, findet deutlich langsamer statt. So dürfen Frauen erst seit dem neuen Vererbungsrecht 1999 eigenes Land erben und besitzen, wodurch die Landwirtschaft als Einnahmequelle für Frauen geöffnet wurde. Seit 2003 sind Frauen gesetzlich gleichgestellt und haben den gleichen Zugang zu Bildung. Auch in öffentlichen Ämtern und dem Parlament gibt es seit Inkrafttreten der neuen Verfassung eine Frauenquote. Auf der anderen Seite ist die Teilhabe von Männern in der Privatwirtschaft jedoch immer noch deutlich höher und Haushalt und Kindererziehung liegen in der alleinigen Verantwortung der Frauen.

Angelique Karekezi
Die Leiterin von RWASHOCCO, Angelique Karekezi. | Bild: © Denyse K. Uwera

Strong Women. Strong Coffee

Frauen können alles, was Männer können. Sie werden nur oft strukturell gehindert .“ (Angelique Karekezi)

Starke Frauen wie Angelique Karekezi treiben den Wandel weiter voran und stehen als Vorbild für junge Frauen und Mädchen. Angelique ist Geschäftsführerin von RWASHOCCO der Rwanda Small Holder Speciality Coffee Company, die das Mahlen, Verpacken und Verschicken der Frauenproduzierten Kaffeebohnen übernimmt.  Sie ist außerdem Namensgeberin von Angelique’s Finest und zeigt damit, dass Frauen alleine ein Produkt hervorbringen können, das auf dem internationalen Markt nachgefragt wird. Damit steigt das Selbstvertrauen der Erzeuger*innen  nicht nur in sich selbst sondern auch in die von ihnen produzierte Ware. „Die Bäuerinnen identifizieren sich so noch mehr mit ihrem Produkt. Es macht sie stolz, dass der internationale Markt diesem Produkt vertraut“, sagt Angelique über die Auswirkungen, die der Verkauf des Kaffees auf die Mitglieder von Dukundekawa hat. Auch trägt die Sicherheit, die der Faire Handel mithilfe von Mindestpreisen bieten kann, dazu bei, dass Frauen in der Landwirtschaft stärkeres Mitspracherecht erlangen.

Laurence Mukakagere vor ihrem Haus
Laurence Mukakagere vor ihrem Haus | Bild: © Denyse K. Uwera

Ein Beispiel hierfür ist Laurence Mukakagere. Sie ist Kaffeebäuerin und Generalsekretärin der Kooperative. Damit ist sie die rechte Hand von Isaac Nsanzamahoro, dem gewählten Vorsitzenden von Musasa Dukundekawa, und trägt Verantwortung innerhalb der Organisation. Sie verlor 1994 ihren Mann während des Völkermordes und zog ihre beiden Kinder seitdem alleine groß. 1997 begann sie mit dem Bau ihres Hauses und jedes Mal, wenn genug Geld übrig ist, steckt sie dieses in die Ausbesserung des Baus.  Die Erlebnisse des Bürgerkrieges und des Genozides sitzen tief, aber Zusammenschlüsse wie Rambagira Kawa, RWASHOCCO und Dukundekawa geben den Frauen eine neue Perspektive.