Bunte Kleidung, grün produziert – Indiens nachhaltigste Textilfabrik setzt auf Fairtrade  

Gemeinsam mit seinem Bruder gründete Ganesh Anantharaman 2005 das nachhaltige Textilunternehmen Sags Apparels. Ihre Mission: Eine sozial und ökologisch verträgliche Produktion, die weder Mensch noch Natur ausbeutet. Ein Interview mit dem Unternehmensgründer.

Was war eure Vision als ihr Sags Apparels gegründet habt?

Es war schon immer unser Ziel, die Modeindustrie besser zu machen. Wir wollten Pioniere für eine nachhaltige Textilindustrie und damit Vorbild für andere sein. Schließlich kommen wir selbst aus der Branche, haben beide ganz unten angefangen. Mit 18 habe ich die Schule verlassen, um in einer Textilfabrik zu arbeiten – für etwa 300 Rupien die Woche (Umgerechnet knapp vier Euro). Mein Bruder hat als Auszubildender in einer Färberei gearbeitet. Wir wissen also nicht nur, wie Kleidungsstücke hergestellt werden, sondern auch, wie sich die Menschen fühlen, die sie herstellen.

Für eure Textilien verwendet ihr Fairtrade-zertifizierte Bio-Baumwolle. War Nachhaltigkeit schon damals ein Thema in der Branche?

Nein, absolut nicht. Als wir Sags Apparels gegründet haben, waren weder Kunden noch Endverbraucher bereit, mehr für nachhaltige Produktionsmethoden zu bezahlen. Es war eine große Herausforderung und hat uns fast fünf Jahre gekostet, die richtigen Partner zu finden. Heute ist Fairtrade ein großer Vorteil, gerade wenn es darum geht, neue Kunden zu überzeugen und ihnen den Mehrwert für Baumwollproduzenten zu erklären.

Gemeinsam mit eurem Partner, dem Textilunternehmen Brands Fashion, habt ihr den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2021 gewonnen. Was genau macht euch nachhaltig und grün?

Wir sammeln beispielsweise das Regenwasser und bereiten es wieder auf. Im Sommer wird unsere Energieversorgung zu etwa 80 Prozent durch die Sonne gedeckt. Im Winter und in der Regenzeit sind es etwas weniger, rund 60 Prozent. Alle Abfälle werden recycelt. Mit diesen Maßnahmen wollen wir den CO2-Ausstoß um 20 Tonnen pro Jahr verringern. Bei allem, was wir tun, erklären wir unseren Mitarbeitenden den Zweck. Das zahlt sich aus: Viele sammeln auch zu Hause Regenwasser und bereiten es wieder auf. Alle Angestellten haben außerdem Zugang zum großen Kräutergarten auf dem Fabrikdach. Der Garten reguliert die Hitze in der Fabrik. Die Pflanzen und die Solarpanels absorbieren die Hitze, sodass es in der Fabrik nie wärmer als 26 Grad wird.

In wenigen Wochen wird Sags Apparels nach dem Fairtrade-Textilstandard zertifiziert. Was ist das Besondere an dem Standard und was ändert sich konkret?

Der Fairtrade-Textilstandard ist anders als alle anderen Sozial- und Umweltstandards, denn er deckt alle Schritte vom Baumwollfeld bis zum fertigen Produkt ab. Das war gerade zu Beginn eine große Herausforderung. Viele der Arbeitsschritte wie das Färben oder das Stricken der Stoffe liegen nicht in unserer Hand. Es mussten also zunächst alle Teile der Lieferkette überzeugt werden. Da wir in unseren Nähereien bereits verschiedene Sozialstandards erfüllen, war und ist die Umsetzung von existenzsichernden Löhnen für uns die größte Herausforderung – gleichzeitig aber auch der größte Vorteil für die Angestellten. Damit alle einen existenzsichernden Lohn erhalten, haben wir einen Vierjahresplan erstellt