SDG 8 – Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum

Menschenwürdige Arbeitsbedingungen für alle

© Fairtrade / Sean Hawkey

Landwirtschaft ist die tragende Säule der Weltwirtschaft. Über eine Milliarde Menschen arbeiten in diesem Bereich. Dennoch können heute viele nicht mehr von der Landwirtschaft leben.

Hintergrund

Viele Bäuerinnen und Bauern geben auf und ziehen in die Städte, wo sie häufig keine oder nur unsichere Arbeitsbedingungen vorfinden. Aber auch in der Landwirtschaft gibt es oftmals keine Arbeitsverträge, elementaren Arbeitsschutzvorkehrungen oder angemessenen Löhne. Inklusives und nachhaltiges Wirtschaftswachstum lässt sich nur erreichen, wenn Bäuerinnen und Bauern über eine solide Existenzgrundlage verfügen, das Recht auf Arbeitsplatzsicherheit für alle Beschäftigten erfüllt ist und sie einen existenzsichernden Lohn erhalten.

Der Fairtrade-Ansatz

Die Fairtrade-Standards basieren auf den Übereinkommen der Internationalen Arbeitsorganisation
(ILO).

Über die Fairtrade-Strategie für Arbeiterrechte sowie den Standard für lohnabhängig Beschäftigte ermöglicht Fairtrade Arbeiter*innen, sich zusammenzuschließen und in Tarifverhandlungen bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen zu erzielen. Fairtrade arbeitet außerdem mit Kleinbauernorganisationen zusammen, um das Risiko von Kinder- und Zwangsarbeit zu mindern.

Darüber hinaus werden Instrumente entwickelt, um die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Beschäftigen in Fairtrade-zertifizierten Betrieben nachhaltig zu verbessern.

Fairtrade hat Pionierarbeit zur Berechnung existenzsichernder Löhne für die wichtigsten Waren und Regionen geleistet und arbeitet gemeinsam mit anderen Zertifizierern und Unternehmen daran, zentrale Richtwerte zu erreichen.

Fairtrade setzt sich ein für:

  • Arbeiter*innen auf Fairtrade-Plantagen im Bananensektor haben zu 100 Prozent unbefristete Verträge. Zum Vergleich: Auf Plantagen ohne Fairtrade sind es nur 16 Prozent.*
  • Fairtrade unterstützt Arbeiter*innen bei Verhandlungen für bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen und arbeitet dafür mit Gewerkschaften und Arbeitsrechtsorganisationen zusammen.
  • Kleinbauernorganisationen erhalten für die meisten Produkte als Sicherheitsnetz einen Mindestpreis, welcher die durchschnittlichen Kosten für eine nachhaltige Produktion decken soll.
*Evaluation der Wirkung von Fairtrade auf Kleinbauern und Beschäftigte im Bananensektor Nordkolumbiens, CODER, Niederlande, Februar, 2014
    Fallbeispiel: Ein Job mit Perspektive

    Knapp die Hälfte der Beschäftigten bei Mount Meru Flowers in Tansania sind Frauen, viele davon sogenannte Züchterinnen oder Pflückerinnen. Alle Beschäftigten profitieren vom Mindestlohn, welcher durch Fairtrade im Jahr 2017 eingeführt wurde: Der Basislohn stieg um knapp ein Drittel. Heute verdienen hier die Arbeiterinnen und Arbeiter rund 45 Dollar im Monat, was über dem gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn in Tansania liegt. Zusätzlich profitieren sie finanziell auch indirekt durch ein Maßnahmenpaket, das über die Fairtrade-Prämie finanziert wird: Englisch- und Computerkurse, Zuschüsse zu Schulgebühren oder für den Hausbau, aber auch zinslose Darlehen und freie medizinische Versorgung. Den Beschäftigten stehen zudem ein tägliches Mittagessen sowie eine Teepause zu.

    Fairtrade steht für die Einhaltung von internationalen Arbeitsstandards und besseren Schutz von Frauen. Rund die Hälfte der afrikanischen Blumenfarmen arbeitet nach Fairtrade-Standards. Auf vielen anderen gehört Ausbeutung immer noch zum traurigen Alltag, besonders Frauen sind oft auch Belästigungen ausgesetzt. Viele Arbeiterinnen sind alleinerziehend und auf die Arbeit angewiesen, kennen jedoch ihre Rechte nicht.

    (Quelle: Jahres- und Wirkungsbericht 2018, Fairtrade Österreich, Max Havelaar-Stiftung Schweiz
    und TransFair e.V. Deutschland )

    Fairtrade fordert

    • Die Bundesregierung muss in der Wirtschaftspolitik einen Menschenrechtsansatz verpflichtend machen und mittels unternehmerischer Sorgfaltspflicht gesetzlich verankern.
    • Die Europäische Union und die Bundesregierung müssen verbindliche internationale Vorgaben zum Schutz von Mensch und Umwelt in globalen Lieferketten durchsetzen, insbesondere den Schutz von Kindern, Frauen und verletzlichen Gruppen wie Saison- und Wanderarbeiter*innen.
    • Wirtschaftsverbände müssen den Schutz von Menschenrechten und Umwelt stärken und die Einhaltung bei ihren Mitgliedern überprüfen.