SDG 5 – Geschlechtergerechtigkeit

Fairtrade stärkt Frauen!

© Fairtrade / Sean Hawkey

Die  Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen geht davon aus, dass der landwirtschaftliche Ertrag, um 20 bis 30 Prozent höher ausfallen könnte, wenn Frauen die gleichen Zugangs- und Nutzungsmöglichkeiten hätten wie Männer.

Hintergrund

Nach aktuellen Schätzungen wird weltweit zwischen 30 und 75 Prozent der landwirtschaftlichen Arbeit von Frauen geleistet. In vielen Ländern verbietet traditionelles Recht, dass sie Land besitzen dürfen und häufig erhalten sie keinen Zugang zu Krediten, technischer Unterstützung oder Informationen. Sie leisten oft die Hauptarbeit, haben aber wenig Rechte – zum Schaden der gesamten Gemeinschaft. Die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) schätzt, dass die Zahl der unterernährten Menschen um 100 bis 150 Millionen reduziert werden könnte, wenn im Agrarsektor die Ungleichheit der Geschlechter beseitigt würde.

Der Fairtrade-Ansatz

Fairtrade möchte die Position von Frauen in Produzentenländern stärken, sie zu aktiven Gestalterinnen des Arbeits- und Familienlebens in ihren Gemeinden machen und somit althergebrachte Rollenklischees von Männern und Frauen zum Wohle der Gesellschaft aufbrechen. Der Fairtrade-Ansatz zur Reduzierung des Geschlechterungleichgewichts kann unter dem Begriff „empowerment“ (Selbstbestimmung) zusammengefasst werden. Frauen erfahren eine individuelle Förderung, um sozial, finanziell und physisch selbstbestimmter handeln zu können.

Der faire Handel fördert gezielt die Mitsprache von Frauen in den Entscheidungsgremien der Produzentennetzwerke. Frauen nehmen an Weiterbildungen teil und qualifizieren sich damit für Führungsaufgaben. Die Fairtrade-Standards schreiben zudem vor, dass eine Produzentenorganisation Frauen nachweislich mittels einer Gender-Strategie fördern muss, um ihre ökonomische und soziale Situation zu verbessern.

Fairtrade fördert:

  • mehr Mitsprache für Frauen durch eine höhere Repräsentation in Fairtrade-zertifizierten Organisationen
  • Führungskräftetraining für weibliche Mitglieder von Kooperativen
  • Chancengleichheit für Frauen über den Fairtrade-Standard für Lohnarbeiterinnen und -arbeiter
  • Bildungsarbeit zu und Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt
  • die Chancen für Frauen, sich an Bildung und dem gesellschaftlichen Leben zu beteiligen, indem Investitionen der Fairtrade-Prämie ihre häuslichen Arbeiten erleichtern
Fallbeispiel: Women's School of Leadership
© Fairtrade / Simon Rawles

Um die Situation von Frauen in Côte d’Ivoire zu verbessern, hat Fairtrade in Partnerschaft mit der Compass Group UK & Irland die „Women’s School of Leadership“ ins Leben gerufen. Sie möchte das Selbstbewusstsein von Kakaobäuerinnen stärken und ihre Kompetenzen verbessern, damit sie  beispielsweise durch Erlernen von besseren Anbaumethoden ein höheres Einkommen erzielen. Aber auch, wie sie unternehmerisch tätig werden und sich zu Führungspersönlichkeiten innerhalb ihrer Kooperative und der lokalen Gemeinschaft entwickeln können. Das Programm behandelt Themen wie Verhandlungsführung, Finanzmanagement und Menschenrechte.

Eine Teilnehmerin war Therese Kumassi. Sie stand vor einem rechtlichen Problem. Als ihr Vater starb, war sie noch jung. Das Land, das sie erben sollte, erhielt ihr Onkel. Im ländlich geprägten Côte d’Ivoire ist es für Frauen heute immer noch schwierig, eigenes Land zu erben oder zu besitzen. Frauen verlassen die Schule oft frühzeitig und heiraten jung, viele von ihnen sind dann noch minderjährig. Obwohl die meisten Arbeiten von Frauen erledigt werden, treffen die Männer die Entscheidungen. Nach ihrem Training in der „Women’s School of Leadership“, besaß Therese das Selbstbewusstsein, um von ihrem Onkel die Herausgabe ihres Landes zu fordern. Als er das verweigerte, wandte sie sich an das örtliche Gericht und das entschied zu ihren Gunsten. Jetzt besitzt sie eine kleine Farm und kann ihr eigenes Geld verdienen.

Fairtrade fordert:

  • Die Bundesregierung muss in Entwicklungs-, Handels- und in AußenpolitikFrauenrechte und -teilhabe fördern, auf die Veränderung nachteiliger Gesetzgebungen hinwirken und die Umsetzung von internationalen Abkommen, die Frauen stärken, vorantreiben.
  • Folgenabschätzungen von neuen Handelsabkommen oder -regularien müssen die Auswirkungen auf die Situation von Frauen gezielt einbeziehen.