SDG 2 – Kein Hunger

Mit nachhaltiger Landwirtschaft den Hunger überwinden

Zwei junge Kaffeebauern aus Honduras

Um dafür zu sorgen, dass Kleinbäuerinnen und -bauern im Globalen Süden selbst satt werden – ganz zu schweigen von einer wachsenden Weltbevölkerung – ist es wichtig, eine stabile Existenzgrundlage zu schaffen.

Hintergrund

Familienbetriebe stemmen 90 Prozent der weltweiten Landwirtschaft und produzieren 80 Prozent aller weltweit konsumierten Lebensmittel. Kleinbäuerliche Landwirtschaft ist laut UN-Weltagrarbericht  die nachhaltigste Form der Agrarwirtschaft und der Hungerbekämpfung weltweit. Sie schafft Einkommen und kann die globale Nahrungsmittelversorgung der Menschen langfristig sichern. Obwohl Kleinbäuerinnen und -bauern im Verhältnis zur bewirtschafteten Fläche mehr Nahrung als Großbetriebe produzieren, gelingt es vielen von ihnen nicht, sich und ihren Familien einen angemessenen Lebensunterhalt zu sichern.

Der Fairtrade-Ansatz

Das Fairtrade-System stärkt Kleinbäuerinnen und -bauern, indem es ihnen bessere Marktzugänge verschafft und ihnen eine Stimme in Politik und Wirtschaft gibt. 89 Prozent der Produzenten, mit denen Fairtrade zusammenarbeitet, sind Kleinbauernorganisationen, die übrigen 11 Prozent gehören zur Gruppe der lohnabhängig Beschäftigten. Fairtrade erhöht nachweislich den Lebensstandard beider Gruppen.

Der Fairtrade-Mindestpreis wirkt als Sicherheitsnetz und schützt Produzent*innen vor starken Preisschwankungen. Die Fairtrade-Prämie bildet als zusätzliche Vergütung einen weiteren Anreiz: Allein durch den Verkauf von Fairtrade-Produkten in Deutschland erhielten Produzentenorganisationen 2018 Prämiengelder in Höhe von 29 Millionen Euro. Damit sind sie in der Lage, sich stärker auf dem Markt einzubringen, Kredite zu erhalten und in Infrastruktur zu investieren

Fairtrade setzt sich ein für:

  • Aufbau starker Organisationsstrukturen, die den Kleinbauernkooperativen den Zugang zu Märkten erleichtern
  • Stabile Mindestpreise und eine geringere Abhängigkeit von spekulationsbedingten Preisschwankungen
  • Unterstützung bei der Umsetzung nachhaltiger sowie an den Klimawandel angepasster Anbaumethoden

    Rund ein Drittel der Fairtrade-Standardkriterien beziehen sich zum Beispiel auf Biodiversitätsschutz, Wasserschutz, Verbot bestimmter Pestizide und gentechnisch manipulierten Saatgutes. In bedarfsgerechten Programmen werden Produzent*innen zudem befähigt weitere Einkommen-schaffenden Maßnahmen aufzubauen und in Schulungen mit ihnen Umsetzungsplänen zur Diversifizierung der Einkommen erarbeitet.

    Fallbeispiel: Kaffee - Tiefpreis mit Folgen
    Merling Preza Ramos aus Nicaragua, Vorstandsmitglied des lateinamerikanischen Produzentennetzwerks CLAC

    „Die Krise des niedrigen Kaffeepreises betrifft 25 Millionen Bauernfamilien und insgesamt 100 Millionen Menschen, die weltweit vom Kaffeeanbau leben. 80 Prozent des Kaffees werden von Kleinbäuerinnen und -bauern angebaut, die aufgrund ihrer kleinen Felder sehr anfällig für Preisschwankungen sind. Derzeit befinden wir uns in einer der größten Krisen, denn die Kaffeepreise an der New Yorker Börse liegen bei 1 Dollar pro Pfund. Viele Bauern machen beim Kaffeeanbau Verluste. Die Folge: Die Produktionskosten sind nicht mehr gedeckt und erst recht nicht die Lebenshaltungskosten. Das Fairtrade-System stellt sicher, dass die Bäuerinnen und Bauern ihren Kaffee zu einem Mindestpreis von 1,40 Dollar pro Pfund verkaufen können, was ein stabileres Einkommen für Familien bedeutet. Zudem ermöglicht die Fairtrade- Prämie Investitionen zur Verbesserung unserer Lebensbedingungen.

    Fairtrade arbeitet zusammen mit den Produzentennetzwerken in Afrika, Asien und Lateinamerika auf wirklich existenzsichernde Einkommen hin. Für die Bäuerinnen und Bauern ist es wichtig, dass sie in dieses Projekt einbezogen sind, um die richtigen Maßnahmen zu definieren und die bestehende finanzielle Lücke zu verringern.“

    Merling Preza vom lateinamerikanischen Produzentennetzwerk CLAC

    Fairtrade fordert

    • Unterstützung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft im globalen Süden durch Entwicklungs-, Landwirtschafts-, Wirtschafts und Handelspolitik
    • Abkehr von einem exportorientierten, industrialisierten Landwirtschaftsmodell, das zur Zerstörung kleinbäuerlicher Landwirtschaft im Süden beiträgt
    • Zahlung existenzsichernder Einkommen für Kleinbäuer*innen und existenzsichernder Löhne für alle Arbeiter*innen in landwirtschaftlichen Produktionsketten