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Interview mit Michael Nkonu (Fairtrade Africa)

Die afrikanische Stimme
im Fairtrade-System
Michael Nkonu ist Geschäftsführer von Fairtrade Africa, einem der drei kontinentalen Netzwerke neben den Coordinator of Fairtrade Latin America and the Caribbean (CLAC) und dem Network of Asian Producers (NAP).
Als Vertreter von Fairtrade Africa ist er unter anderem in Aufsichtsrat, Komitees und Ausschüssen vertreten und dadurch sowohl an Entscheidungen über die Gesamtstrategie als auch über das Standard-Komitee an der Festlegung der Fairtrade-Mindestpreise und -Prämien sowie der Entwicklung der Standards beteiligt.
In diesem Interview berichtet Michael Nkonu über seine Arbeit und Visionen bei Fairtrade Africa.
TransFair: Was ist die Mission von Fairtrade Africa?
Michael Nkonu: Wir wollen durch bessere Handelsbedingungen die Lebensumstände von Produzenten auf dem afrikanischen Kontinent verbessern. Wir repräsentieren afrikanische Bauern im internationalen Fairtrade-System um sicherzustellen, dass Fairtrade-Standards und Richtlinien ihre Bedürfnisse widerspieglen. Außerdem helfen wir Produzenten dabei ihre Produktivität zu steigern, indem wir technische, organisatorische und finanzielle Unterstützung leisten.
Was tut Fairtrade Africa um die Rahmenbedingungen für Fairtrade-Produzenten zu optimieren?
Wir bieten nachhaltige Unterstützungsleistungen auf verschiedenen Ebenen an. Wir stellen beispielsweise finanzielle Mittel für Trainingsprogramme zur Verfügung. Durch einen Fond für technische Hilfe werden Managementtrainings finanziert, um interne Abläufe in den Produzentenorganisationen zu verbessern. Wir bestärken außerdem Produzenten darin, die Möglichkeiten innerafrikanischen Handelsbeziehungen auszunutzen und zu verbessern. In Kenia und Südafrika haben wir bereits Pilotprogramme gestartet.

Wie ist das Verhältnis zwischen Plantagenarbeitern und Kleinproduzenten in Kooperativen?
Fairtrade Africa hat immer den Anspruch, in Kooperativen zusammengeschlossene Bauern und angestellte Arbeiter gleichermaßen zu vertreten. Wir bieten Unterstützung für die jeweils unterschiedlichen Herausforderungen, mit denen beide Organisationsformen konfrontiert sind. Die Anzahl an Plantagen und Kleinproduzentenorganisationen ist in Afrika ungefähr gleich und wir fördern und unterstützen den Wissenstransfer zwischen diesen beiden Gruppen.
Was ist die größte Herausforderung für Produzenten, die speziell mit der Situation auf dem afrikanischen Kontinent zusammenhängt?
Eine der größten Herausforderungen auf dem Kontinent ist der Mangel an Infrastruktur, der den Transport und damit den nationalen und internationalen Handel erheblich beeinträchtigt. Dieser Mangel hat auch dazu geführt, dass der Eindruck entstanden ist, dass in Afrika keine zuverlässigen Geschäfte getätigt werden können bzw. dass das Wirtschaften dort mit extrem hohen Kosten verbunden ist. Wenn der Ausbau der Handelsbeziehungen sichtbarer wird, kann sich diese Wahrnehmung zukünftig ändern. In der Zwischenzeit benutzen afrikanische Produzenten die Fairtrade Prämie vielfach um Straßen und Brücken zu bauen oder zu sanieren.
Welche globalen Probleme betreffen afrikanische Produzenten am stärksten?
Obwohl Afrika kaum zur Erhöhung der Treibhausgaskonzentration beigetragen hat, ist es vom Klimawandel besonders betroffen. Unsere Produzenten bekommen die Auswirkungen schon jetzt zu spüren: Böden werden unfruchtbar und Wasserknappheit führt zu Ernteeinbußen. Fairtrade-Kleinproduzenten sind sehr engagiert, aber es muss mehr getan werden. Da die nächste UN-Klimakonferenz in Südafrika stattfinden wird, wollen wir erreichen, dass die Landwirtschaft in den Mittelpunkt der Diskussionen über den Klimawandel rückt.
Welche Auswirkungen haben steigende Nahrungsmittelpreise auf Fairtrade Produzenten?
Unsere Kleinproduzenten haben nur geringe Mittel, auf die sie zurückgreifen können, deshalb stellen die derzeit hohen Nahrungsmittelpreise eine eklatante Bedrohung für die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen dar. Durch Fortbildungen und Trainings bilden wir unsere Mitglieder darin aus, fundiertere Handelsentscheidungen zu treffen und auf die Risiken dieses sehr instabilen Marktes besser reagieren zu können.
Ein Schlüsselbegriff bei Fairtrade ist “empowerment”. Was steckt für Sie hinter diesem Begriff?
Wir definieren Produzenten-Empowerment als die Fähigkeit unserer Mitglieder Entscheidungen zu beeinflussen – sowohl innerhalb des Fairtrade-Systems als auch in ihrem täglichen Leben. Außerdem wollen wir als Repräsentanten der afrikanischen Produzenten die „Stimme Afrikas“ im Fairtrade-System verstärken. Unser Team steht über die regionalen Netzwerke in engem Kontakt mit den Produzenten, die so einen direkten Einfluss auf die Entwicklung der Fairtrade-Standards haben.
Wie ist die Zusammenarbeit mit den Produzentennetzwerken der anderen Kontinente in Lateinamerika und in Asien?
Die drei Netzwerke haben eine Plattform für ihre gemeinsame Arbeit eingerichtet, die CAN heißt, was für die Initialen der drei Netzwerke CLAC (Coordinator of Fairtrade Latin America and the Caribbean), Fairtrade Africa – früher AFN (African Fairtrade Network) genannt – und NAP (Network of Asian Producers) steht. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit haben wir gemeinsame Positionen zu einer Reihe von Themen, beispielsweise dem Klimawandel, entwickelt. Die Netzwerke planen für dieses Jahr eine noch engere Kooperation. Ein Plan ist es, dass sich lateinamerikanische und afrikanische Produzenten gegenseitig besuchen.
Was ist Ihre Vision, wo wird Fairtrade Africa in fünf Jahren stehen?
Die Vision von Fairtrade Africa ist, sich in den nächsten fünf Jahren zu einem starken und effektiven Netzwerk auszubauen. Wir wollen die ökonomische und soziale Entwicklung von Produzenteninnen und Produzenten in Afrika fördern und sie im innerafrikanischen Handel unterstützen, um ihren Marktzugang und ihre Ernährungssicherheit zu verbessern und ihnen den Weg zu einem Leben in Wohlstand zu erleichtern.
