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Interview mit FLO-CERT Inspekteuren

Murughia Rajasingham aus Sri Lanka
Murughia Rajasingham aus Sri Lanka ist 54 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder, einen 18jährigen Sohn und eine 24jährige Tochter. Bevor er 2002 als Inspektor für FLO-CERT zu arbeiten begann, war er als Inspektor im Bio-Bereich sowie als Berater tätig.
TransFair: Wie sind Sie erstmalig mit dem Fairen Handel in Berührung gekommen und was hat Sie dann bewogen, Inspektor zu werden?
Murughia Rajasingham: Ich habe den Fairen Handel 1996 in Deutschland beim Besuch der Biofach Messe durch TransFair kennengelernt. Inspektor wurde ich eher zufällig. FLO-CERT suchte nach einem Inspektor und ich wurde ausgewählt. Da ich vorher im Bereich Bio- Zertifizierung gearbeitet hatte, hatte ich genug Erfahrung für diese Aufgabe.
TransFair: Wie würden Sie jemandem Ihre Arbeit beschreiben, der noch nicht viel vom Fairtrade-System weiß?
Murughia Rajasingham: Oh, meine Arbeit ist sehr interessant. Ein wesentlicher Bestandteil des Fairen Handels ist ja der zwischenmenschliche Kontakt. Ich würde sogar sagen, dass die Fairtrade-Inspektionen eher auf den informellen Gesprächen als auf der eigentlichen Prüfung basieren. Man muss die Menschen, mit denen man arbeitet, kennenlernen und deren Vertrauen gewinnen, denn nur so kann man sicher sein, dass man auch wirklich die Wahrheit erfährt. Ich würde deshalb die Kommunikation als eine der wichtigsten Aufgaben eines Inspekteurs beschreiben -angefangen bei Gesprächen mit Managern bis hin zu den Arbeitern.
Als ersten Schritt treffe ich mich mit den Vorsitzenden der Kooperativen und schaue mit ihnen alle vorhandenen Dokumente durch. Danach beginnst du mit den Interviews der Kleinbauern oder Arbeiter.
TransFair: Gibt es besondere Herausforderungen bei den Interviews?
Murughia Rajasingham: Der schwierigste Teil dabei ergibt sich aus einer kulturellen Gegebenheit: Einzelgespräche mit weiblichen Arbeitern sind besonders in Indonesien ein großes Problem, weil dort immer eine männliche Person mit anwesend sein muss. In Ländern wie Sri Lanka oder Indien ist es aber auch möglich, alleine mit einer Arbeiterin zu sprechen.
TransFair: Haben Sie auch schon einmal Feindseligkeiten gegen Sie als Person seitens der Kooperative erlebt?
Murughia Rajasingham: Normalerweise bleibe ich 3 oder 4 Tage in einer Kooperative, je nach Größe des Betriebs. In dieser Zeit versuche ich das Eis zwischen mir und den Bauern zu brechen. Ich sage Ihnen dann:"Ich bin nicht als Polizist zu euch gekommen, also behandelt mich bitte nicht wie einen. Ich bin hier um eure Stellung als glaubwürdige und seriöse Fairtrade-Partner zu festigen. Ihr müsst mich dabei unterstützen, denn wenn ihr das nicht tut, kann ich euch nicht helfen." Außerdem lerne ich immer ein paar Worte in der Muttersprache der Bauern, Begrüßungen und so etwas. Das hilft auch, das Eis zu brechen. Und ich setze mich mit ihnen zum Essen hin, weil es während der Mahlzeiten einfacher ist, miteinander ins Gespräch zu kommen.

TransFair: Wie viele Kooperativen betreuen Sie in Sri Lanka?
Murughia Rajasingham: Meine Arbeit ist nicht nur auf Sri Lanka beschränkt. Ich inspiziere auch Kooperativen in Indien, Indonesien, Thailand und auf den Philippinen.
TransFair: Was denken Sie, welche Fähigkeiten man als Inspektor besitzen sollte?
Murughia Rajasingham: Am wichtigsten ist ein kühler Kopf, denn man kann es sich bei den Inspektionen nicht leisten, die Beherrschung zu verlieren. Außerdem muss man wissen wovon man redet. Fundiertes Wissen über die Fairtrade-Standards so wie Hintergrundwissen zu der jeweiligen Kooperative oder Plantage muss vorhanden sein. Für mich ist es am wichtigsten, den Menschen zu zeigen, dass ich ihnen helfen will anstatt sie nur auf ihre Fehler aufmerksam zu machen.
TransFair: Was war bisher die ungewöhnlichste Situation, die Sie während Ihrer Arbeit erlebt haben? Gab es besonders schöne oder beeindruckende Augenblicke?
Murughia Rajasingham: Ich habe schon viele sehr schöne Situationen erlebt. Auf den Philippinen werde ich zum Beispiel wie ein Familienmitglied aufgenommen. Die Menschen dort sind sehr nett und behandeln mich gut. Sie sorgen sich um mich, sind sehr offen und verstecken nichts. In Sri Lanka sind die Menschen sehr stolz darauf, dass ich als Inspektor zu ihnen komme, denn ich spreche Ihre Sprache. Außerdem bedeutet ihnen die Tatsache, dass ich auf einer Tee-Plantage geboren wurde, sehr viel. Sie akzeptieren mich als einen der ihren und gehen ganz offen mit mir um.
TransFair: Mit welchen Erwartungen gehen Sie in das diesjährige Training?
Murughia Rajasingham: Bei diesem Training werden ja neue Standards vorgestellt, auf die ich schon sehr gespannt bin. Außerdem wäre es schön, wenn die Auslegung der Standards bei den Inspektionen einheitlich gehandhabt werden könnten - zumindest innerhalb einer Region. Das ist also zum Beispiel etwas, was wir hier besprechen können. Und natürlich ist es auch einfach schön, andere Inspektoren kennen zu lernen oder wieder zu sehen und sich miteinander auszutauschen


