Inhaltsbereich: Inspekteure Felipe
Interview mit FLO-CERT Inspekteuren

Felipe Arango, 29 aus Kolumbien
Felipe Arango, 29 aus Kolumbien, ist seit 2003 Inspekteur für FLO-CERT, verheiratet und Kinderlos. An der Boston University erwarb er einen Bachelor in Politikwissenschaft und Betriebswirtschaft und arbeitete als Investment Banker für JP Morgan in New York. Derzeit leitet er die Fairtrade-Inspektionen in Lateinamerika. Hier ist er sowohl als Ausbilder für die Inspektoren als auch als Berater für Entwicklung und Zertifikationssysteme tätig.
TransFair: Wann haben Sie zum ersten Mal vom Fairen Handel gehört und was bewegte dich dazu, Inspektor zu werden?
Felipe Arango: Zuerst arbeitete ich als Bänker. Mit diesem finanziellen Hintergrund gründete ich dann meine eigene Nichtregierungsorganisation und lernte dadurch auch den Fairen Handel kennen. Von diesem Zeitpunkt an begann ich mich für den Posten des Fairtrade-Inspektors zu interessieren. Meine ersten Inspektionen führte ich in Brasilien durch, mittlerweile kontrolliere ich Kooperativen in vielen verschiedenen Ländern. Ich mag meine Arbeit und halte sie für sehr wichtig. Ich glaube an die Kraft des Marktes und bin sicher, dass jeder der eine faire Chance erhält davon profitieren kann.
TransFair: Wie würden Sie Ihre Arbeit beschreiben?
Felipe Arango: Kurz gesagt: ich gewährleiste die Glaubwürdigkeit des Fairtrade-Siegels indem ich sicherstelle, dass die wirtschaftlichen- und sozialen Standards die der Faire Handel vorschreibt, in den Kooperativen und auf den Plantagen erfüllt und eingehalten werden.
TransFair: Wie viele Kooperativen liegen in Ihrem Arbeitsgebiet?
Felipe Arango: Zuerst arbeitete ich als "Jet-Inspektor", das heißt ich bereiste verschiedene Länder in denen keine Inspektoren zur Verfügung standen. Heute überprüfe ich zwischen 70 und 80 Kooperativen in Peru, Brasilien, Bolivien und Kolumbien.
TransFair: Wie sieht so eine Inspektion genau aus. Können Sie die ersten Schritte beschreiben, die Sie vor Ort erledigen?
Felipe Arango: Zuerst erläutere ich dem Vorstand meine Vorgehensweise, denn Transparenz ist für das Management der Kooperative schließlich genau so wichtig wie für mich als mich als Fairtrade-Inspektor. In einem ersten Treffen erkläre ich dann auch den Kleinbauern oder Arbeitern warum ich die Kooperative, bzw. Plantage besichtige, wie mein Job aussieht und dass ich Sie unterstützen kann, bessere Lebensbedingungen für sich und Ihre Familien zu schaffen. Es ist sehr wichtig ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis zwischen mir als Inspektor und den Bauern zu schaffen. Wenn du das schaffst, ist der Besuch der Kooperative am effektivsten für beide Seiten.
TransFair: Wie lange dauert es nach Ihrem Bericht an FLO-CERT, bis die Kooperative offiziell zertifiziert wird?
Felipe Arango: Direkt nach der Inspektion treffe ich mich noch einmal mit dem Vorstand zu einer Abschlusskonferenz, in der die Ergebnisse der Inspektion besprochen werden. Hier wird dann diskutiert was noch besser gemacht werden könnte oder welche zusätzlichen Maßnahmen die Kooperative noch ergreifen muss, damit sie Fairtrade-zertifiziert werden kann. Wenn alles in Ordnung ist wird die Kooperative ungefähr zwei Monate nach diesem Abschlussmeeting offiziell zertifiziert.

TransFair: Welche Fähigkeiten sind für einen FLO-Inspekteur Ihrer Meinung nach am wichtigsten?
Felipe Arango: Ich denke das Wichtigste ist es, in der Lage zu sein, ein Umfeld des Vertrauens zu schaffen. Du musst sicherstellen, dass sich die Menschen vor Ort nicht bedroht, zu irgendetwas gezwungen oder beobachtet fühlen. Außerdem musst du mit verschiedensten Menschen gut kommunizieren zu können - sowohl mit den gut ausgebildeten Vorsitzenden der Kooperativen, als auch mit den Kleinbauern, die manchmal gar keine Schulbildung erfahren haben. Beiden Gruppen musst du genau zuhören und Ihre Einwände gleich ernst nehmen. Gleichzeitig musst du aber beiden Gruppen die Fairtrade-Standards und die Wichtigkeit der Einhaltung dessen vermitteln, ohne sie zu verschrecken.
Abgesehen von der Kommunikation sind auch ökologisches und ökonomisches Wissen hilfreich für die Tätigkeit eines Inspektors.
TransFair: Ohne einen wirtschaftlichen Background kann man also nicht als Inspektor anfangen?
Felipe Arango: Doch, man kann schon. FLO-CERT bietet Workshops in Finanzwesen an. Dadurch gewinnt man auch als Laie einen guten Überblick und wird gut vorbereitet auf die Arbeit als Inspektor.
TransFair: Gibt es Erfolgsgeschichten aus Ihrer Arbeit, die Sie persönlich besonders berührt haben?
Felipe Arango: Es gibt mehrere Geschichten die mich persönlich berührt haben. Ein Beispiel hierfür war in Bolivien. Die Kaffee Produktion der Region Yungas befand sich lange komplett in der Hand von Zwischenhändlern. Die einheimischen Bauern waren nicht in der Lage, von Ihren erwirtschafteten Erträgen zu leben, während die Zwischenhändler viel Geld damit verdienten. Die Einführung des Fairtrade-Systems in einer einzigen Kooperative machte in Yungas schnell die Runde. Nach kürzester Zeit organisierten sich alle Kleinbauern der Region in Kleinbauern- Kooperativen, die nach und nach Fairtrade zertifiziert wurden. Heute haben wir 14 Kooperativen in dieser Region. Es ist einfach unglaublich zu sehen, was der Faire Handel für die Menschen vor Ort bewirkte. Er gab ihnen ihren Stolz zurück und ermöglichte ihnen den Bau von Schulen, den Aufbau einer besserer Infrastruktur und medizinischer Versorgung.
Ein anderes Beispiel für den Erfolg von Fairtrade ist die Geschichte einer Bananenplantage in Kolumbien. Durch die Fairtrade-Prämie war es dort möglich ein Wohnungsprojekt für die ärmsten Arbeiter durchzuführen, die sich keine anständige Unterkunft leisten konnten.
Noch ein Beispiel ist eine Bananenplantage in Brasilien, deren Bauern zuerst als lohnabhängige Arbeiter angestellt waren. Die Fairtrade-Prämie ermöglichte es ihnen schließlich Land zu erwerben und sich selber zu einer Kleinbauer-Kooperative zusammenzuschließen. Und diese Kooperative befindet sich gerade im Prozess Fairtrade- zertifiziert zu werden. Das sind schöne Beispiele für den Fortschritt, der durch Fairen Handel möglich gemacht wird. Für mich ist der Faire Handel daher auch ein Schlüssel zum Frieden.
TransFair: Mit welchen Erwartungen gehen Sie in das diesjährige FLO-CERT Inspektoren Training? Was möchten Sie mit nach Hause nehmen?
Felipe Arango: Nun, ich freue mich sehr darauf, mich mit verschiedenen Fairtrade-Experten zu unterhalten. Durch gegenseitiges Zuhören können wir einiges lernen, unsere Erfahrungen austauschen und neu dazugekommene Inspekteure motivieren, einen guten Job zu machen. Die FLO-CERT Schulungen sind ein guter Weg um neue Inspektionswerkzeuge für unsere Arbeit zu entdecken und somit auch langfristig das gesamte Fairtrade-System zu stärken.

