13.05.2011
NSF steht für New Standards Framework, also Neues Standard-Regelwerk, und ist das Ergebnis einer Neuaufbereitung der Fairtrade-Standards. Es ist die Antwort auf den zunehmenden Wunsch der Produzentinnen und Produzenten nach verständlicheren Fairtrade-Standards, nach Standards, die ihr lokales Lebensumfeld berücksichtigen und die Stärkung ihrer Position in den Mittelpunkt stellen. Die neuen Standards sind deshalb einfacher und klarer formuliert und lassen sich flexibler und leichter auf die lokalen Gegebenheiten der Produzenten anwenden. NSF ist ein wesentlicher Bestandteil der globalen Strategie von Fairtrade. Diese hat zum Ziel, das Fairtrade-System zu stärken, den Wirkungsbereich von Fairtrade zu erweitern und die positiven Veränderungen für immer mehr Menschen im Süden spürbar zu machen.
Produzenten entwickeln Standard-Regelwerk mit
Die Veröffentlichung des NSF ist das Ergebnis eines achtzehnmonatigen Arbeitsprozesses, an dem zahlreiche Fairtrade-Mitglieder beteiligt waren. Fairtrade International hat in drei regional durchgeführten Produzenten-Workshops Vertreter aus mehr als 100 Produzentenorganisationen zusammengeführt. Mit drei Produzenten-Netzwerken wurden weiterführende Konsultationen durchgeführt. Das FLO Standards-Komitee, ein Multi-Stakeholder Gremium mit Vertretern aus den drei Produzenten-Regionen, hat während des gesamten Prozesses beratend zur Seite gestanden. Die Standards wurden im Februar 2011 vom Standards-Komitee genehmigt und im Mai 2011 vom Fairtrade International Board anerkannt. NSF tritt ab dem 1. Juli 2011 weltweit in Kraft.
Q&A
Was ist NSF?
NSF steht für New Standards Framework (Neues Standard-Regelwerk) und ist das Ergebnis einer Neuaufbereitung der Fairtrade Standards. Die Standards sind einfacher und klarer formuliert und ermöglichen eine Anpassung an die individuelle Situation der verschiedenen Produzenten weltweit.
Warum gibt es das New Standards Framework?
In der Überarbeitung der strategischen Ausrichtung von Fairtrade wurde der Bedarf einer Aufbereitung der Fairtrade Standards ermittelt. Der Ruf der Produzenten nach Standards, die ihr Lebensumfeld berücksichtigen und eine individuelle Entwicklung ermöglichen, wurde immer lauter. Die bisherigen Standards, insbesondere die Anforderungen in den Umweltkriterien, waren sehr hoch, zu fachspezifisch und damit schwer verständlich. Die überarbeiteten Kriterien sind verständlicher formuliert und konzentrieren sich auf klare Umsetzungsmaßnahmen.
Was sind die wichtigsten Änderungen?
Durch das New Standards Framework (NSF) werden die Fairtrade Standards verständlicher und ermöglichen dem Produzenten durch ihre Adaptierbarkeit auf dessen individuelle Situation, über die Richtung und den Weg seiner Entwicklung selbst zu bestimmen.
Die neuen Standards finden Sie auf der Internetseite von Fairtrade International (FLO) unter www.fairtrade.net
Wen betreffen die Änderungen?
Die Änderungen betreffen Kleinbauern-Kooperativen (Small Producer Organizations) und den Vertragsanbau (Contract Production). Die Änderungen in den Allgemeinen Handelsstandards (Generic Trade Standards) betreffen auch die Exporteure, Importeure und Hersteller. Die Standards für lohnabhängige Arbeit (Hired Labour) wurden mit Ausnahme der überarbeiteten Umweltkriterien nicht geändert.
Warum wurden die Standards nicht auch für Lohnabhängige Arbeit (Hired Labour) geändert?
Fairtrade International arbeitet derzeit an einer neuen Strategie für lohnabhängige Arbeit und wird nach Ausarbeitung dieser Strategie die Fairtrade Standards in diesem Bereich vollständig überarbeiten. Die Überarbeitung wird voraussichtlich Ende 2012 abgeschlossen sein.
Ab wann sind die Änderungen gültig?
Die Änderungen sind ab dem 1.Juli 2011 gültig. Es wird eine Übergangsphase für bereits bestehende Produzentenorganisationen geben, für neue Produzentenorganisationen gelten die neuen Zeitschienen und Anforderungen ab dem Zeitpunkt der Zertifizierung.
Welche Anforderungen enthalten die einzelnen Bereiche?
Alle neuen Standards werden in die folgenden Bereiche eingeteilt:
- Handel: Anforderungen für den Verkauf von Fairtrade-Produkten. Die Standards in diesem Bereich orientieren sich an den Handelsstandards der Industrie: Warenflüsse, Rückverfolgbarkeit, Vertragsrichtlinien usw.
- Produktion: Anforderungen für die ethische und nachhaltige Produktion einschließlich Arbeitsbedingungen und Umweltkriterien. In diesem Bereich sind die Fairtrade-Standards mit anderen ethischen / nachhaltigen Produktions-Standards vergleichbar.
- Wirtschaft und Entwicklung: Anforderungen, die für Fairtrade spezifisch und einzigartig sind. Sie bilden die Grundlage für die Stärkung und Entwicklung der Produzenten und umfassen den Fairtrade-Entwicklungsplan, die Fairtrade-Prämie und demokratische Entscheidungsprozesse.
- Allgemeine Anforderungen: Anforderungen in Verbindung mit dem Zertifizierungsprozess und den Anwendungsbereichen der Standards.
Was ist der genaue Unterschied zwischen Kernkriterien und Entwicklungskriterien?
Alle Produzenten müssen die Kernkriterien erfüllen – die meisten bei ihrem Eintritt in das Fairtrade-System, manche ein oder drei Jahre nach der Zertifizierung. Die Kernkriterien sichern die Grundlage von Fairtrade und stellen die Stärkung der Produzenten in den Mittelpunkt.
Parallel dazu können Produzenten an ihrer wirtschaftlichen Weiterentwicklung arbeiten, indem sie - ihren Möglichkeiten entsprechend - Entwicklungskriterien innerhalb einer klar definierten Zeitschiene erfüllen. Es müssen nicht mehr alle Entwicklungskriterien zu 100 Prozent erfüllt werden, sondern ein definierter Durchschnittswert aus allen Kriterien erreicht werden. In der Vergangenheit war die Gleichgewichtung der Entwicklungskriterien für viele Produzenten schwierig und mit hohen Kosten verbunden, jetzt können sie erst in die Bereiche investieren, die für ihre wirtschaftliche Entwicklung am wichtigsten sind und gleichzeitig in anderen Bereichen Schritte nach vorne machen.
Warum gibt es einen Fairtrade-Entwicklungsplan?
Der Fairtrade-Entwicklungsplan ist Fairtrade-spezifisch und einzigartig. Er bietet Produzenten die Möglichkeit, ihre Entwicklung selbst zu steuern und die Zukunft nach eigenen Bedürfnissen zu gestalten. Es ist verpflichtend für Produzenten, über die Verwendung der Fairtrade-Prämien in dem Entwicklungsplan zu berichten: welche Pläne sie damit hatten und wie sie diese umgesetzt haben. Der Entwicklungsplan bietet zusätzlich die Möglichkeit, weitere, über Fairtrade hinausgehende Entwicklungsmaßnahmen zu erfassen.
Was sind die wichtigsten Änderungen bei den Umweltkriterien?
Da der Grundsatz von Fairtrade ist, den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen, beinhalten die überarbeiteten Standards strenge Kernkriterien in Bezug auf die Sicherheit und Gesundheit der Produzenten. Der Erhalt der Biodiversität sowie das Verbot gentechnisch veränderten Organismen (GVO) und gefährlicher Chemikalien sind ebenfalls Teil der Kernkriterien. Durch die Vorteile, die die Einhaltung dieser Kernkriterien mit sich bringt, können Produzenten an weiteren Entwicklungskriterien ihrer Wahl arbeiten und damit ihr nachhaltiges Handeln verstärken. Die neuen Kriterien geben den Produzenten auch die Möglichkeit, über bereits durchgeführte Nachhaltigkeitsmaßnahmen zu berichten.
Auf die Einhaltung welcher Umweltkriterien auf Produzentenseite kann sich der Verbraucher verlassen?
Verbraucher können sich darauf verlassen, dass:
- Der Schutz der Gesundheit des Produzenten verstärkt wird, vor allem in Bezug auf Pestizide und Giftmüll.
- Genetisch veränderte Organismen (GVO) verboten sind.
- Die biologische Vielfalt in Naturschutzgebieten und Gebieten mit hohem ökologischen Erhaltungswert respektiert wird.Von Kleinbauern-Organisationen und Plantagen, Farmen und Fabriken mit lohnabhängiger Arbeit (hired labour set-ups) wird erwartet, dass sie im Laufe der Zeit zur Erhöhung der Biodiversität beitragen, um damit die Farmen gleichzeitig weniger anfällig für die negativen Auswirkungen des Klimawandels zu machen.
- Kleinbauern und -bäuerinnen eine Unterweisung in Wasser- und Bodenschutz, Schädlingsbekämpfung und Sicherheit im Umgang mit Pestiziden erhalten.
- Auf Plantagen, Farmen und Fabriken mit lohnabhängiger Arbeit Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz der Mitarbeiter durchgeführt werden und auf bewährte Verfahren zum bewussten Umgang mit Pestiziden und natürlichen Ressourcen wie Wasser und Boden zurückgegriffen wird.
Sind die Umweltkriterien für alle Organisationen gleich?
Die überarbeiteten Umweltanforderungen decken für alle Produzentenorganisationen die gleichen Themengebiete ab. Für Kleinbauern-Kooperativen sind die Anforderungen prozessorientiert, der Schwerpunkt liegt darauf, Umweltschutzmaßnahmen zu ergreifen, die Produzenten weiterzubilden und deren Weiterentwicklung zu fördern.
Die Standards für lohnabhängige Arbeit (Hired Labour) und für den Vertragsanbau (Contract Production) sind ergebnisorientiert. Strenge Kriterien in Bezug auf die Sicherheit der ArbeiterInnen und den Einsatz von Pestiziden sorgen für den Schutz der ArbeiterInnen. Um den Pestizideinsatz zu minimieren und den sparsamen und umweltschonenden Umgang mit natürlichen Ressourcen wie Wasser und Boden zu gewährleisten, müssen die Organisationen auf bewährte Verfahren in der landwirtschaftlichen Produktion zurückgreifen.
Welche Veränderungen gab es bei den Allgemeinen Handelsstandards (Generic Trade Standards)?
Durch die vier neuen Bereiche hat sich die Struktur der Standards verbessert. Änderungen gibt es bei den Richtlinien zur Siegelverwendung, zu Mischprodukten und bei den kürzlich veröffentlichten Richtlinien zur Rückverfolgbarkeit.
Was ist SCORE und in welchem Bezug steht es zu NSF?
FLO-CERT nimmt die Fairtrade Standards als Grundlage für die Entwicklung von Erfüllungskriterien (compliance criteria), gegen die Produzenten zertifiziert werden. Damit die Änderungen in den Standards in benutzerfreundliche Erfüllungskriterien umgesetzt werden, entwickelt FLO-CERT das neue Zertifizierungssystem SCORE („Strengthen the core“= „Den Kern stärken“). Wie im New Standards Framework werden Anforderungen in SCORE in “Kernkriterien” und “Entwicklungskriterien” unterteilt. Die Leistung der Produzenten wird auf einer Skala von 1 bis 5 bewertet (score). Durch dieses Punktesystem werden Zertifizierungsentscheidungen einheitlicher und transparenter.

