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Fairtrade-Wein aus Südafrika

Die Kooperative Fair Hills
Die Sonne ist noch nicht über den Berg, aber zwischen den Weinreben sind die Arbeiter schon seit einer guten Stunde mit der Weinlese beschäftigt. Noch ist es kühl, aber es wird wieder einer dieser heißen Sommertage sein, denen Südafrika seine ausgezeichneten Weine verdankt. Die großen Körbe auf den Schultern der Arbeiter quellen über vor hellgrünen, süßen Weintrauben. Ein ums andere Mal laufen die Männer zu dem Anhänger und kippen sie in den Container um dann die Körbe zu den Frauen zurück zu bringen, die mit Heckenscheren die Trauben von den Reben schneiden.
Eine der Frauen ist Clara Jacobs. Die 37jährige lebt mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in einem der kleinen Häuschen auf der Du Toitskloff Farm. Seitdem der Farmer seinen Wein von Fairtrade siegeln ließ, hat sich für die Arbeiterin und ihre Familie viel verändert.
Das fängt mit dem Wochenlohn an: Der stiegt von 165 auf 240 Rand, umgerechnet etwa 20 Euro. „Früher hat das Geld gerade mal gereicht, um etwas zu Essen zu kaufen. Heute kann ich mir immer mal wieder einen kleinen Luxus gönnen und es mir leisten, ein Geschenk zu kaufen, wenn ich zu einer Hochzeit eingeladen bin oder ein Kind geboren wird.“ Auch ein Telefon nennt die Familie jetzt ihr Eigen und wenn es im Winter unerwartet kalt wird, ist genug Geld da, um für jeden einen warmen Pullover zu kaufen.
Fairer Handel heißt mehr als bessere Bezahlung
Fair Hills heißt die Kooperative, zu der sich 22 Farmer in der Western Cape Region zusammen geschlossen haben. Gemeinsam vermarkten sie ihren Wein unter dem Fairtrade-Siegel und so profitieren insgesamt 250 Arbeiter und deren Familien von gerechten Löhnen.
Aber Fairer Handel heißt für Clara und die anderen Arbeiter viel mehr, als nur eine bessere Bezahlung. Ein Teil der Fairtrade-Prämie fließt an ein Komitee der Farmarbeiter, die damit Gemeinschaftsprojekte finanzieren. „Wir überlegen gemeinsam, was für Einrichtungen und Aktivitäten wir für uns und unsere Familien am dringendsten brauchen“ erzählt Clara, die die verschiedenen Projekte koordiniert.
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„Unsere erstes Projekt war eine Kinderbetreuung, damit sich die Mütter keine Sorgen mehr machen müssen, ob ihre Kinder auch gut versorgt sind, während sie arbeiten,“ erinnert sich Clara, die gerade an der Fair Hills Abendschule ihr Abitur nachmacht. Eine Frauengruppe, eine kleine Bibliothek und Computerkurse sind weitere Angebote, die das Komitee ins Leben gerufen hat. Und damit wirklich alle Arbeiter der verschiedenen angeschlossenen Weingütern von den Fair Hills Projekten profitieren können, gibt es Busse, die sie von den Farmen abholen und wieder zurück bringen.
Projekte für Jugendliche stehen bei Fair Hills im Vordergrund
Clara ist Mutter von vier Kindern, die drei älteren kommen langsam ins Teenageralter. Eine kritische Zeit, zumal in einer Gegend, in der es keine Freizeitangebote für Jugendliche gibt, und Alkohol oft der einzige Zeitvertreib und damit ein weit verbreitetes Problem ist.
„Deshalb ist der Jugendclub das wichtigste Projekt, das wir bei Fair Hills haben. Seitdem die Jugendlichen am Wochenende etwas zu tun haben, gibt es viel weniger Probleme mit Alkohol und weniger Teenagerschwangerschaften.“ Jedes Wochenende gibt es Sportveranstaltungen, Zeltcamps oder andere Aktivitäten, die den Jugendlichen Beschäftigung bieten. „Außerdem organisieren wir regelmäßig Informationsabende zu wichtigen Themen wie AIDS, Drogen und Verhütung,“ berichtet Clara, die stolz darauf ist, dass es dank dieser Anstrengungen auf den Fair Hills Farmen gelungen ist, eine ganze Reihe drängender Probleme in den Griff zu bekommen.
Und mindestens genauso stolz ist die Mutter auf die Sportpokale, die ihre beiden älteren Söhne bei Wettkämpfen in der Region gewonnen haben. Aufgereiht stehen sie auf der wackeligen Küchenanrichte in dem bescheidenen Arbeiterhäuschen. Ihre Kinder, da ist sich Clara sicher, werden es einmal besser haben. „Die Jungs werden bestimmt Profifußballer,“ träumt Clara. Und ihre Tochter, so wünscht sie sich, soll einmal Ärztin werden. Vor ein paar Jahren wäre das für eine Farmarbeiterin noch ein unerfüllbarer Traum gewesen – heute besteht Dank der Fairtrade-Prämie die Möglichkeit, begabten Kindern ein Stipendium zu geben.
Eine bessere Gesundheitsvorsorge ist das nächste Ziel der Kooperative
Fair Hill hat noch viel vor: Eine eigene Gesundheitsstation mit einem Arzt und einer Krankenschwester soll bald entstehen, so dass die Arbeiter und ihre Familien nicht mehr so weit fahren und so lange warten müssen, wenn sie medizinische Hilfe brauchen. „Außerdem wird die Behandlung bei uns nur die Hälfte dessen kosten, was in den staatlichen Krankenhäusern bezahlt werden muss.“ Ein weiteres Projekt, das bald beginnen soll, ist die Hausaufgabenhilfe für die Farmkinder – so bekommen sie bessere Schulnoten, und werden am Nachmittag auch gleich noch betreut.
„Der Faire Handel ist für uns Arbeiter eine wunderbare Sache. Durch ihn wird unsere Leben und das unserer Kinder besser.“ Und weil Clara so sehr von der Idee des Fairen Handels überzeugt ist, hat sie dafür gesorgt, dass bei Fair Hill Veranstaltungen ausschließlich Fair gehandelter Tee und Kaffee ausgeschenkt wird – „schließlich wollen wir nicht nur, dass die Menschen uns Faire Preise zahlen, sondern wir möchten auch selber dafür sorgen, dass überall auf der Welt die Menschen einen fairen Lohn für ihre Arbeit bekommen“.
