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Inhaltsbereich: Produzentengeschichte

Sialkot - die Stadt der Bälle

Kubra Kurshed Ballnäherin aus Pakistan.
Kubra Kurshed arbeitet im Ayub-Mehad-Centre in dem kleinen Dorf Bhanewaly im äußersten Osten Pakistans als Näherin.

Eine Fußballnäherin erzählt

Das Dorfleben in Pakistan ist hart, für Frauen noch viel mehr als für Männer. Denn in der Islamischen Republik Pakistan ist es den meisten Frauen auf dem Lande verboten, das Haus zu verlassen, um arbeiten zu gehen.

Kubra Kurshed stellt in dieser männerdominierten Gesellschaft eine Ausnahme dar. Die 20-Jährige arbeitet im Ayub-Mehad-Centre in dem kleinen Dorf Bhanewaly im äußersten Osten Pakistans als Näherin. Und nicht nur das: Sie ist sogar eine gewählte Interessenvertreterin der Näherinnen Bhanewalys.

Fairtrade verändert viel

Das Ayub-Mehad-Stitching-Centre gehört zum Unternehmen Anwar Khawaja Industries mit Sitz in Sialkot, der Stadt der Bälle. Anwar Khawaja Ind., kurz AKI, produziert Fuß- und Handbälle für den Fairen Handel. Seit 2005 ist das Unternehmen Fairtrade-zertifiziert. Und in dieser kurzen Zeit hat sich sehr viel verändert für die Frauen von Bhanewaly. Die Ballnäherei hat eine lange Tradition in der Gegend um Sialkot, doch bis vor einem Jahr nähten die Frauen die Bälle ausschließlich zu Hause. AKI hat Heimarbeit allerdings verboten, um der verbreiteten Kinderarbeit keine Chance zu geben.

"Als die Heimarbeit untersagt wurde, dachten wir zuerst, jetzt können wir gar kein Geld mehr verdienen", sagt Kubra, "doch dann hat AKI ein Stitching-Centre extra für Frauen in Bhanewaly eingerichtet."

Außerdem erhielt die Näherei aus Mitteln des Fairen Handels eine Wasserkühl- und filteranlage, damit den Arbeiterinnen der kostenlose Zugang zu sauberem Trinkwasser gewährleistet werden kann. Das ist aber noch nicht alles. Die Frauen von Bhanewaly und ihre Kinder dürfen an kostenlosen Computerprogrammen teilnehmen, um sich fortzubilden.

Der Joint Body entscheidet über die Fairtrade-Prämie

"Das haben wir alles in nur einem Jahr erreicht", sagt Kubra, die die einzige Frau in dem sechsköpfigen Jointbody der Arbeiter-Vertreter von AKI ist und mit 20 Jahren zudem die jüngste in dem Gremium. Die Ideen und Verbesserungsvorschläge geben die Näher an ihren Interessenvertreter weiter, die sie dann im Jointbody diskutieren und später der Geschäftsführung vorlegen.

"Im Stitching-Centre fühle ich mich wie zu Hause. Es ist für alle Frauen aus dem Dorf leicht zu erreichen. Niemand muss Angst haben, dass etwas passiert. Wir Frauen in Pakistan haben es noch immer sehr schwer, aber hier finden wir großen Zusammenhalt. Die Näherei gibt uns Selbstvertrauen, dass auch wir Frauen was erreichen können", sagt Kubra, die mit ihrem Verdienst dazu beiträgt, dass sie und ihre sieben Geschwister immer genug zu essen haben.

Mittlerweile kann sie sich gar nicht mehr vorstellen, woanders zu arbeiten: "Ich möchte weiterhin hier Bälle nähen. Wenn ich ein Problem habe, gehe ich damit zum Ayub-Mehad-Centre und mir wird geholfen. Wir sind wie eine große Familie."

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