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Inhaltsbereich: Produzentengeschichte

Eine Brücke für Khaddar

Reisbauer Kashmeer Singh arbeitet in Indien als Reisbauer
Kashmeer Singh ist einer von rund 550 Bauern der Khaddar-Kooperative, einem Zusammenschluss von Kleinbauern im nordindischen Bundesstaat Uttaranchal Pradesh.

Fairtrade-Reisanbau in Indien

In Nordindien bauen Kleinbauern Basmati für den Fairen Handel an. Davon profitieren Produzenten und Verbraucher gleichermaßen. Auch im deutschen Handel gibt es den ökologisch produzierten Reis zu kaufen.

Kashmeer Singh zeigt stolz auf die Brücke. Die einfache Konstruktion aus Ziegelsteinen überspannt einen kleinen Kanal, auf dem zwischen den Reisfeldern ein wirres Gestrüpp aus Wasserpflanzen wächst. "Bis vor kurzem mussten wir da hindurch waten, manchmal reichte uns das Wasser sogar bis zum Bauch." Der 52jährige Farmer fährt sich über den grauen Bart: "Es war sehr mühsam, so den Reis ins Dorf zu transportieren." Drei Frauen gehen über die Brücke, auf den Köpfen tragen sie Körbe mit Futtergras. Eine leichte Brise fährt durch den bunten Stoff ihrer Saries. Kashmeer Singh blinzelt in die Sonne und nickt ihnen freundlich zu. Dank der Brücke kann er heute mit dem Ochsenkarren seine Ernte schneller einfahren. Nur eine von vielen Verbesserungen für den Sikh, seit er seinen Basmati-Reis für den Fairen Handel anbaut. Als nächstes soll die Straße zum Dorf gepflastert werden, damit sie der Monsunregen nicht immer in eine Schlammwüste verwandelt.

Kashmeer Singh ist einer von rund 550 Bauern der Khaddar-Kooperative, einem Zusammenschluss von Kleinbauern im nordindischen Bundesstaat Uttaranchal Pradesh. Ihre Felder liegen in einer Region, die bekannt ist für ihren hochwertigen Basmati, einem duftenden Langkornreis mit intensivem Aroma. Auch die Farmer der Khaddar-Kooperative bauen traditionelle, lokale Sorten an.

Das Khaddar-Projekt in Indien

Welche Projekte die Reisbauern von Khaddar durch den Fairen Handel in ihrer Region verwirklichen konnten, zeigt der Film über die Kooperative von Sunstar.

Höhere Preise durch Fairtrade und Bio

Die meisten Bauern der Region bewirtschaften nur wenige Hektar Land. Alleine hätten sie auf dem Weltmarkt mit ihrem traditionell angebauten Reis kaum eine Chance. Doch seit sie als Vertragsbauern für den Fairen Handel nach EU-Richtlinien ökologisch produzieren, erzielen sie Preise, die weit über dem Durchschnitt liegen.

"Alleine schon wegen der besseren Qualität des Basmati bekommen wir rund ein Viertel mehr", erklärt Kashmeer Singh und rückt sich den karierten Turban zurecht. Darunter trägt der Sikh sein hochgebundenes Haar, das er aus religiösen Gründen nie schneidet. Hinzu kommt eine Prämie von umgerechnet siebzig Euro pro Tonne Reis für jeden einzelnen Farmer. Die Kooperative erhält außerdem rund dreißig Euro pro Tonne für soziale Projekte und die Verbesserung der öffentlichen Infrastruktur. Davon wurden bisher zum Beispiel ein neues Klassenzimmer in der Dorfschule gebaut, eine Bushaltestelle, neue Abwasserleitungen oder eben Brücken und Wege. Insgesamt flossen auf diesem Weg schon rund 80.000 Euro in die Region. Es gibt Pläne für die Verbesserung des Gesundheitssystems oder Telefonanschlüsse für entlegene Höfe. "Bis sich die Regierung um so etwas kümmert, können wir lange warten", sagt Kashmeer Singh, der einen kleinen Krummdolch trägt. Wie viele andere Sikhs hat er lange in der Armee gedient.

Bauern entscheiden über Verwendung der Prämie

In jedem Dorf versammeln sich regelmäßig die Vertragsbauern, diskutieren und erarbeiten Vorschläge, wofür der Zuschlag verwendet werden soll. Dann entscheidet ein von allen gewähltes Komitee, welche Vorschläge realisiert werden. Das stärkt die Eigeninitiative und die Farmer fühlen sich verantwortlich für die Investitionen. Außerdem verrichten sie viele der Arbeiten selbst.

Begonnen hat die fruchtbare Zusammenarbeit im Jahr 2001. Am Anfang waren es nicht einmal fünfzig Vertragsbauern mit knapp 200 Hektar Land. Schon 2006 wurde auf den Feldern am Fuße des Himalajas auf zweitausend Hektar für den Fairen Handel angebaut.

Die Erträge steigen

"Seit wir mit Zertifikat biologisch anbauen, geschieht das viel systematischer," erklärt Raj Kamar, der einer der ersten Vertragsbauern war: "Und die Erträge sind sogar gestiegen." Die anderen in der Runde auf dem Dorfplatz nicken und schlürfen ihren süßen Tee mit Milch aus Gläsern, die sie mit spitzen Fingern halten, um sich nicht zu verbrennen.

"Wir konnten zum Beispiel dieses neue Haus für mich und meine Familie bauen." Rakesh Kumar stößt die Tür zu dem bescheidenen Steinhaus auf, an dessen Wänden noch der Putz fehlt. "Das größere der beiden Zimmer ist für die drei Kinder", sagt der 25jährige und lächelt: "Sie brauchen den Platz, um ihre Schularbeiten zu erledigen, meist sind noch andere Kinder aus dem Dorf dabei." Auf einer kleinen Anrichte stapeln sich Schulhefte neben einer Shivafigur aus Porzellan. Plakate von Bollywoodstars hängen an der Wand, neben einem Portrait von Dr. Ambedkhar, dem in Indien hoch verehrten Kämpfer für die Rechte der Armen und so genannten Unberührbaren.

Ein Wasserbüffel macht die Arbeit leichter

Auch Kashmeer Singh hat seinen privaten Mehrverdienst aus dem Fairen Handel zur Verbesserung seines Wohnhauses verwandt. "Außerdem haben wir uns zusätzlich Kühe und Wasserbüffel gekauft", sagt er und streicht einem seiner drei Enkelkinder über den Kopf, die mit auf dem Hof in Dorf Mahesra leben. Die Großfamilie hat jetzt sogar so viel Milch, dass sie etwas davon verkaufen kann. Die Wasserbüffel vereinfachen die Feldarbeit. Außerdem hat Kashmeer Singh noch Land zugekauft. Nach der Armee hat er mit einem knappen Hektar angefangen, nun besitzt er fast drei.

"Schauen Sie mich an, uns schmeckt der Reis auch sehr gut", lacht er hinter seinem langen, grauen Bart und streicht sich über den Bauch: "Selbst unser Gemüse bauen wir mittlerweile ökologisch an." Kashmeer Singh zeigt auf den kleinen Garten neben seinem Haus, wo Zwiebeln, Knoblauch oder Koriander wachsen.

So profitieren Verbraucher und Produzenten vom Fairen Handel gleichermaßen. Die einen erhalten ein kontrolliert ökologisch angebautes Produkt. Die anderen verbessern kontinuierlich ihren Lebensstandard. Nicht zuletzt, weil sie sich auch den eigenen Bauch mit wohlschmeckenden Lebensmitteln füllen.

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