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Inhaltsbereich: Produzentengeschichte

Kakao aus Sierra Leone

Abbildung - Ebrahim Koroma
Ebrahim Koroma ist Kakaobauer in Sierra Leone und Mitglied der 2005 gegründeten Milleniums-Kooperative.

Hoffnung in einem geschundenen Land

Ebrahim Koroma hat sich im Schatten seiner Lehmhütte auf einer Holzbank niedergelassen. Die sengende Mittagssonne im Regenwaldgebiet im östlichen Sierra Leone macht Arbeiten um diese Zeit beinahe unmöglich. Sein graues Hemd ist zerfetzt, die dunkle Haut wie feines Leder über den knochigen Körper gespannt. Ebrahim Koroma, 51, ist Kakaobauer aus Potoru Village im Osten des Landes. Und seine Hoffnung ist die wachsende Lust des Nordens auf die Produkte aus der braunen Bohne.

Überleben im Urwald

Die Hoffnung hatte Ebrahim Koroma zwischenzeitlich aufgegeben. Elf Jahre, von 1991 bis 2002, tobte in Sierra Leone einer der brutalsten Bürgerkriege in der Geschichte des schwarzen Kontinents. Als die Rebellen der Revolutionary United Front (RUF) das Dorf von Koroma stürmten, schnappten sie seinen 14-jährigen Sohn, sperrten ihn in eine Hütte und zündeten sie an. Der Vater rannte mit seiner Frau und den übrigen drei Kindern den Hügel hinauf in den Regenwald. Auf der Flucht wurde ihm ins rechte Bein geschossen, seitdem humpelt er. Drei Jahre verbrachte die Familie im Busch, ernährte sich von Früchten, Wurzeln und Nagetieren, dann schlugen sie sich in die knapp 500 Kilometer entfernte Hauptstadt Freetown durch.

Rückkehr zu zerstörten Feldern

Vor anderthalb Jahren erst kehrte die Familie mithilfe eines Programms der deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit in ihr Heimatdorf zurück, mit ein paar Kochtöpfen, einem Sack Reis und 350 US-Dollar Starthilfe. Seine rund zwei Hektar Land für den Kakaoanbau fand Koroma in einem erbärmlichen Zustand vor, das Gelände war über die Jahre zugewuchert. „Dieser sinnlose Krieg hat die Existenz der Farmer zerstört“, sagt Koroma, „aber trotzdem bleibt der Kakao unsere einzige Chance.“

   

Wiederaufbau durch die Welthungerhilfe

TransFair besuchte im Frühjahr 2011 gemeinsam mit der Welthungerhilfe und der Fairtrade-Botschafterin Annett Louisan das Kakaoanbaugebiet in Sierra Leone. Die Welthungerhilfe arbeitet seit Jahren am Wiederaufbau der Kakaoproduktion. Die „Millennium“-Kooperative wurde im Jahr 2005 gegründet. Mittlerweile gehören ihr rund 7000 Kakao- und Kaffeefarmer an, ein Viertel davon Frauen. „Millennium“ ist eine beispielhafte Erfolgsgeschichte. Durch verbesserte Trocknungs- und Fermentierungsanlagen konnte die Zahl der schadhaften Bohnen von 13 auf acht Prozent gesenkt werden.

TransFair sucht Marktzugang

Jetzt sucht TransFair in Deutschland Partner, die bereit sind, die faire Rohware zu einem leckeren Kakaoprodukt zu verarbeiten. Das Fairtrade-System würde den Bauern den Zugang zum Markt eröffnen, indem sie mit einem Mindestpreis langfristig planen könnten. Dazu erhält die Kooperative pro Tonne eine zusätzliche Prämie von 250 Dollar zur Investition in Straßenbau, Schulen oder bessere Technik. Voraussetzung ist, dass die land-wirtschaftlichen Kooperativen die Fairtrade-Standards einhalten: Keine illegale Kinderarbeit, nachhaltige Entwicklung und Mitbestimmungsrechte der Mitglieder.

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