Inhaltsbereich: Produzentengeschichte
Fairtrade-Honig aus Mexiko

Beten für den Fairen Handel
Die Sonne geht gerade erst auf, aber Miguel ist schon bei der Arbeit: Er fegt das Dach seines Hauses. Das muss richtig sauber sein, denn hier wird der Kaffee zum Trocknen ausgebreitet. Langsam lichtet sich der Nebel über dem grünen Tal, irgendwo kräht ein Hahn.
Kaum, dass der Kaffee versorgt ist, macht sich Miguel auf zu seinem eigentlichen Tagwerk: Honig ernten. 60 Bienenstöcke besitzt er, und um zu ihnen zu kommen, muss der 32jährige erst mal an der Straße warten und hoffen, dass ihn bald ein Pickup mitnimmt. Eine Stunde lang holpert das klapprige Gefährt über eine Waschbrettpiste durch die Berge Chiapas, bis der schmale Pfad durch undurchdringliches Grün zu seinen Bienenstöcken erreicht ist.
Ruhe bewahren beim Honig ernten
Mit einer Machete schlägt er sich den Weg frei und läuft den steilen Weg zu der kleinen Lichtung empor. Dort zündet Miguel seine Imkerpfeife an und setzt den Imkerhut auf, bevor er sich vorsichtig und langsam seinen Bienen nähert.
Ruhe bewahren, das ist jetzt wichtig. Er öffnet eine der Kisten, bläst etwas Rauch hinein um die Bienen zu beruhigen und zieht die von goldenem Honig triefenden Waben heraus. Miguel erntet, soviel er tragen kann. Schließlich bindet er die Rahmen mit den Waben zusammen, schlingt sich den Trageriemen um die Stirn und schleppt seine 60 Kilo schwere Fracht über den schmalen Pfad zur Straße.
Es ist heiß und feucht, der Schweiß rinnt ihm über die Stirn. Er hat Glück und muss nicht allzu lange auf eine Mitfahrgelegenheit warten. Endlich ist er wieder in seinem Dorf San Miguel angekommen, und jetzt beginnt die eigentliche Arbeit, der Honig muss geschleudert, gesiebt und abgeschöpft werden.
Ein fester Absatzmarkt durch Fairtrade
Miguel erzielt er die Hälfte des Familieneinkommen aus Kaffee, die andere aus Honig, beides kann er an den Fairen Handel verkaufen. „Das wichtige daran, dass wir unseren Honig an den Fairen Handel verkaufen, ist nicht nur der höhere Preis, den wir bekommen, sondern vor Allem, dass wir einen festen Absatzmarkt haben.“
Seitdem Miguel an den Fairen Handel verkauft, hat sich vieles verbessert. Die Familie lebt in einem richtigen Haus aus Stein und nicht mehr in einer Lehmhütte. Die Kinder tragen Schuhe, und ab und zu gibt es sogar neue Kleidung. Als nächstes würde Miguel gerne einen Pickup anschaffen, damit er nicht mehr darauf angewiesen ist, eine Mitfahrgelegenheit zu finden. Doch so ein Auto ist teuer, vorläufig wird es wohl doch eher ein Maultier werden.
Ein bescheidener Wohlstand
Harte Arbeit, Ideenreichtum und die Chance auf einen Fairen Preis haben Miguel und seiner Familie einen bescheidenen Wohlstand beschert, und den teilen sie mit den Bewohnern ihres Dorfes. Die kleine Gemeinde begeht das Fest zu Ehren der heiligen Jungfrau von Guadalupe, den höchsten Festtag Mexikos. Zu diesem Anlass schlachtet Miguel zwei Schweine, das Fleisch verschenken sie vor der Kirche an jeden, der Hunger hat. Denn das Fest der heiligen Guadalupe ist der Tag, an dem die Bauern die heilige Jungfrau um das Wichtigste bitten: Eine gute Ernte. Miguel fügt einen zweiten Wunsch hinzu: Dass der Faire Handel blühen möge.
