Inhaltsbereich: Fragen und Antworten
1. Was ist FSC-Fairtrade-zertifiziertes Holz?
FSC-Fairtrade-zertifiziertes Holz ist das Rohmaterial für Holzprodukte von Kommunal- und Kleinwaldbetrieben in Entwicklungsländern, die sowohl nach FSC- als auch nach Fairtrade-Standards zertifiziert sind.
Das Doppelsiegelungsprojekt von FSC und Fairtrade ist ein gemeinsames Pilotprojekt von Forest Stewardship Council International Center (FSC IC) und Fairtrade International (FLO), mit dem Ziel, den Marktzugang von Kommunal- und Kleinwaldbetrieben zu verbessern. Nur Forstunternehmen, die ihr Holz von zertifizierten Quellen beziehen, dürfen diese Zertifizierung beantragen. Einige der bereits FSC-zertifizierten Kommunal- und Kleinwaldbetriebe wurden nun auch nach dem Fairtrade-Holz-Standard für Kommunal- und Kleinwaldbetriebe zertifiziert, der im Februar 2010 verabschiedet wurde.
2. Wer zählt zu Kommunal- und Kleinwaldbetrieben?
Kommunal- und Kleinwaldbetriebe sind sehr unterschiedlich strukturiert. Dazu zählen zum Beispiel Eigentümer kleiner Waldgrundstücke, Wälder die in Familienbesitz sind, kleine nichtindustrielle Wälder die in Privathand sind, kleine Forstbetriebe oder Forstbetriebe aus Erzeugergemeinschaften. Ihre Gemeinsamkeit besteht darin, dass sie alle keine groß angelegten Forstbetriebe sind, welche den Kriterien des Standards nicht entsprechen. Diese kleinen und mittelständischen Forstbetriebe sind Unternehmen mit zehn bis 100 Angestellten in Vollzeit oder einem Jahresumsatz zwischen 10.000 und 30 Millionen USD. In vielen Entwicklungsländern fallen 80 bis 90 Prozent aller Forstbetriebe in diese Kategorie. Zielgruppe für die Doppelzertifizierung sind Wälder in Entwicklungsländern, in deren Bewirtschaftung die umliegenden Gemeinschaften involviert sind, sei es als Eigentümer oder als Arbeiter, und dort, wo die Ernteerträge zurück in die Gemeinschaft fließen.
3. Welchen Herausforderungen müssen sich Kommunal- und Kleinwaldbetriebe stellen?
Neben der Landwirtschaft zählen Wälder für die ärmsten Menschen der Welt zu den wichtigsten Quellen, um ihren Lebensunterhalt zu erwirtschaften und gleichzeitig ihre ethnische Zugehörigkeit und Kultur zu erhalten. Die Existenz von 350 Millionen Menschen, von denen allein 60 Millionen Menschen der indigenen Bevölkerung angehören, ist abhängig von der Bewirtschaftung von Wäldern, und zwar sowohl zur Deckung ihres Eigenbedarfs als auch als Einkommensquelle.
Die Einnahmen durch Holzprodukte stellen eine wichtige Einkommensquelle für Gemeinschaften dar, die von der Forstwirtschaft abhängig sind. Die Erträge, die ihre Mitglieder erwirtschaften, liegen jedoch gemessen am Wert des Endproduktes meist recht niedrig. Dies gilt ganz besonders für Holzprodukte. Der Marktpreis eines Baumes im Wald liegt üblicherweise bei zehn bis 40 USD pro Kubikmeter, während der Holzpreis (ofengetrocknet, dimensioniert und gebrauchsfertig) bei 500 bis1000 USD pro Kubikmeter je nach Holzart liegen kann.
Auf den internationalen Märkten wird der Geldwert, den ein Baum im Wald für das Ökosystem darstellt, noch nicht voll anerkannt oder zugeordnet. Das wird sich in Zukunft wohl durch neue internationale Systeme ändern, wie REDD, einem Modell, das dem in Wäldern in Entwicklungsländern gespeicherten Kohlenstoff einen monetären Wert zuteilt. Derzeit jedoch erlangt das Holz erst dann den Großteil seines Wertes, wenn der Baum gefällt, abtransportiert und (zu einem Endprodukt) verarbeitet ist. Hierdurch sind die Kleinwaldbetriebe im Nachteil, denn in der Regel fehlt es ihnen an der kostenintensiven Infrastruktur (wie Sägewerke, Transportausstattung, Trocknungsöfen oder andere Verarbeitungsanlagen), die erforderlich sind, um dem Baum im Wald einen Mehrwert zu verleihen.
Selbst wenn ein Kommunal- oder Kleinwaldbetrieb die erforderlichen Investitionen getätigt hat, um dem Baum einen Mehrwert zu verleihen, sind zusätzlich entsprechende Kenntnisse erforderlich, die fast immer die Möglichkeiten der Kleinproduzenten übersteigen, damit dieses Mehrwertprodukt – egal in welchem Stadium – auf den Markt (insbesondere den internationalen Markt) gebracht werden kann. Dies tritt insbesondere dort auf, wo Kleinbauern mit größeren Unternehmen in Konkurrenz stehen, die durch Massenproduktion den Vorteil haben, Kosten einzusparen. Die Konkurrenz unter den größeren Unternehmen führt zu einem beständig niedrigen Holzpreis.
Die Doppelsiegelung von FSC und Fairtrade allein kann den Zugang für Kommunal- und Kleinwaldbetriebe zu internationalen Märkten nicht verbessern. Andere größere Hindernisse müssen zusätzlich überwunden werden, wie zum Beispiel geringe Produktionskapazitäten, niedrige Produktqualität sowie mangelnde Marketingkenntnisse.
4. Wo befinden sich die Kommunal- und Kleinwaldbetriebe, mit denen FSC und Fairtrade zusammenarbeiten? Gibt es Pläne, zusätzliche Produzenten aufzunehmen, sofern die Nachfrage auf dem Markt groß genug ist?
Bisher haben FSC-zertifizierte Produzenten aus Bolivien, Chile und Honduras die zusätzliche Fairtrade-Zertifizierung erhalten und nehmen nun an diesem Projekt teil. Auch bei Produzenten im Sudan und in Brasilien wurde untersucht, ob sie für das Pilotprojekt in Frage kommen.
Der Fairtrade-Holzstandard richtet sich speziell an Kleinproduzenten in allen Ländern, in denen Fairtrade aktiv ist (über 60 Entwicklungsländer in Afrika, Asien und Lateinamerika). Daher kommen Kommunal- und Kleinwaldbetriebe in Europa und Nordamerika , die FSC-zertifiziert sind, nicht für die Doppelsiegelung infrage.
Es ist nicht geplant, Großunternehmen in den Standard aufzunehmen, da davon ausgegangen werden kann, dass diese auch ohne Doppelsiegelung über hinreichend Vorteile in Sachen Marktzugang verfügen.
5. Wie lange dauert die Pilotphase des Projekts an und was passiert als Nächstes?
Die erste Projektphase lief von April 2009 bis Oktober 2010. Folgende Aktivitäten wurden vorgenommen:
- Kommunal- und Kleinwaldbetriebe wurden als potenzielle Teilnehmer für das Pilotprojekt identifiziert und untersucht.
- Die Fairtrade-Holzstandards wurden als Ergänzung zu den FSC-Prinzipien und Kriterien für Forstwirtschaft entwickelt.
- Drei Kommunal- oder Kleinwaldbetriebe wurden nach den neuen Fairtrade-Standards zertifiziert.
- Eine Reihe von Märkten wurde identifiziert, die ein Interesse daran haben, die Doppelsiegelung zu unterstützen.
- Holzprodukte, die für die Doppelsiegelung infrage kommen, wurden identifiziert.
Phase 2 läuft bis Ende 2013. In dieser Phase wird untersucht, wie die Produkte im Markt angenommen und verkauft werden, welche Auswirkungen die Verkäufe auf die beteiligten Produzenten und Händler haben, sowie wie das Interesse der Verbraucher an den Produkten ausfällt. Sobald genügend Daten zur Verfügung stehen, werden die Vorstände von FSC IC und Fairtrade Interantional die Ergebnisse des Pilotprojekts evaluieren. Auf dieser Grundlage wird entschieden, ob die Doppelsiegelung langfristig fortgeführt werden soll. In diesem Fall könnten sich alle infrage kommenden Kommunal- und Kleinwaldproduzenten für eine Zertifizierung bewerben. Bis dahin ist die Beteiligung auf die Betriebe der Lieferketten beschränkt, die derzeit am Pilotprojekt teilnehmen.
6. Wann werden welche Produkte erhältlich sein?
Die meisten Kommunal- und Kleinwaldbetriebe verkaufen Massivholz und Holzprodukte. Diese werden auch den Schwerpunkt des Pilotprojektes zur Doppelsiegelung bilden. Die ersten doppelt gesiegelten Holzprodukte werden für Ende 2011/Anfang 2012 in ausgewählten Einzelhandelsketten in Deutschland, Österreich und Schweden erwartet. Es handelt sich hierbei um Möbel und Parkettfußböden.
Falls FSC IC und FLO die Entscheidung treffen, auch nach der Pilotphase die Doppelsiegelung von Holzprodukten fortzusetzen , könnten auch andere Waldprodukte als Holz, FSC-Fairtrade-zertifiziert werden, sofern die Produzenten dafür infrage kommen und die Standards einhalten.
Die Holzprodukte in Deutschland können Sie in unserer Produktdatenbank finden.
7. Woher stammt das Holz der Möbel von Quadrato?
Multiagro ist ein mittelständischer Waldbetrieb in Cochabamba, Bolivien, der künstlich getrocknetes Pinienholz der Monterey-Kiefer (Pinus Radiata) liefert, aus dem die Möbel von Quadrato gefertigt werden. Der Pinienanbau in den Hügeln um Cochabamba wurde in den 1960er Jahren eingeführt, um das Ökosystem der Region zu verbessern. Vorher wuchsen dort keine Bäume, und Erosion und plötzliche Überschwemmungen stellen ein großes Problem dar. Die Bäume regeln heute den Wasserfluss und verbessern die Ackerbaubedingungen in den tiefer gelegenen Tälern. Der Holzverkauf verbessert einerseits die Lebensbedingungen der Quechua-Indianer und fördert die Beibehaltung ihrer Traditionen und Gebräuche; andererseits bietet er den Gemeinschaften ein willkommenes zusätzliches Einkommen, die zuvor ausschließlich vom Ackerbau abhängig waren. Multiagro wurde für dieses Pilotprojekt ausgewählt, da es durch sein ausgeprägtes Zuliefernetzwerk besonders geeignet war: Die Baumstämme stammen aus den Wäldern eines Netzwerks kommunaler Kleinwaldbetriebe rund um Cochabamba. Dieses Produzentennetzwerk war bereits FSC-zertifiziert und verfügt nun auch über eine Fairtrade-Zertifizierung.
8. Wer wird die ersten Produkte aus FSC-Fairtrade-zertifiziertem Holz auf den deutschen Markt bringen?
Die Agentur Gansbühler importiert seit zehn Jahren Massivholzmöbel der Marke Quadrato, die in Möbelhäusern in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Frankreich, Belgien und den Niederlanden verkauft werden. Diese Möbel werden ausschließlich in Entwicklungsländern wie Mexiko, Indonesien, Indien und China hergestellt.
Für das FSC-Fairtrade-Pilotprojekt hat Quadrato eine ganz besondere Möbelkollektion aus Massivholz entwickelt, die für den Ess- und Wohnbereich geeignet ist, u. a. Tische, Anrichten, Vitrinen, Stühle und Bänke.
Mehr Informationen über Quadrato finden Sie auch unter: www.quadrato.net
9. Wo werden die ersten Produkte verkauft?
Die Möbel aus FSC-Fairtrade-zertifiziertem Holz werden in der Wintersaison 2011/2012 in verschiedenen Möbelhäusern in Deutschland verkauft.
Die Verkaufsstellen finden Sie in unserer Produktdatenbank.
Haben Sie Fragen zum Forest Stewardship Councel® (FSC)? Dann wenden Sie sich bitte direkt an
FSC Deutschland, Erika Müller (Pressesprecherin), Email: erika.mueller(at)fsc-deutschland.de, Telefon: 07613865355.
Weitere Informationen:
FSC Prinzipien und Kriterien (engl.)
Fairtrade-Standards Holz (timber) (engl.)
Fairtrade-Produzentengruppen (engl.)
Fairtrade-Partnerfirmen
Fact-Sheet FSC-Fairtrade-zertifiziertes Holz (135 KB)
Flyer FSC-Fairtrade-zertifiziertes Holz (4,61 MB)
FSC Deutschland - www.fsc-deutschland.de
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