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Inhaltsbereich: Produzentengeschichte

Faire Bananen vom Äquator

Maria Ines
Die Finca von Maria Ines macht mittlerweile regelmäßig Gewinne. Die vier Kinder von María Inés machen einen Schulabschluss, der Älteste arbeitet sogar in Spanien.

Bio und Fairtrade

"Wir sind eine der besten organischen Bananenfincas in Ecuador!" Stolz führt María Inés Cada durch die nach ihr benannte kleine Bioplantage am Ufer des Rio Calichana. Seit zwanzig Jahren baut die zierliche 38-Jährige mit ihrer Familie in der tropisch feuchten Hitze der Küstenprovinz El Oro Bananen an, seit nunmehr sieben Jahren für den Fairen Handel.

"Seit der Umstellung produzieren wir zwar nur noch 500 Kisten pro Woche", rechnet María Inés vor, "doch heute haben wir einen garantierten Preis." Und dann blickt sie plötzlich ernst: "Ich will nie wieder Bananen wegschmeißen müssen, nur weil die Aufkäufer mir einen Preis unter unseren Produktionskosten anbieten."

 

Das ist Vergangenheit. Seit Sommer 2008 erhält sie 5,50 Dollar pro genormte Kiste von 18,14 Kilo biologischer Cavendish-Bananen. [1]

Die Umstellung der Bananen-Fincas vom konventionellen auf den organischen Anbau ist langwierig und anspruchsvoll. "In den ersten Jahren hatten wir große Einbußen, bis wir das Bio-Zertifikat erhielten", blickt ihr Bruder Luis Cada zurück. Doch mittelfristig wurde das Vertrauen in den preisstabilen Markt ohne Spekulationen und Zwischenhändler ein Erfolg. Die Finca macht mittlerweile regelmäßig Gewinne. Die vier Kinder von María Inés machen einen Schulabschluss, der Älteste arbeitet sogar in Spanien.


[1] Seit 2008 wurden die Mindestpreise für Fairtrade-Bananen bereits mehrere Male erhöht. Die aktuellen Mindestpreise finden Sie auf der Internetseite von FLO.

 

Die Nachbarn haben auch auf Bio umgestellt

Dabei ist die Bananenbäuerin froh, dass ihre Nachbarn ebenfalls auf Bioware umgestellt haben. Denn der organische Anbau besteht auf eine Pufferzone von 100 Metern zu konventionellen Feldern; wegen der dort regelmäßigen Luftsprüheinsätze mit Pestiziden. Auf der Biofinca wird nur mit registrierten, organischen Mitteln gegen Schädlinge wie den gefährlichen Blattpilz Sigatoka gesprüht.

María Inés Cada und ihre rund 60 Mitstreiter haben sich zur "Asociación de Trabajadores Autónomos de Primavera" zusammen geschlossen. Die Fincas der "Autonomen Landarbeiter" messen nur zwischen zwei und zehn Hektar. Doch gemeinsam koordinieren die Genossenschaftler den Transport und die Einschiffung nach Hamburg, bislang noch über eine lokale Exportagentur.

Die Bauern verdienen rund 60 Prozent mehr

Der Faire Handel kommt auch den Arbeitern der Fincas direkt zu Gute. Die Männer wie der 21-jährige Daniel Alvarado haben Langzeitverträge bei María Inés, verdienen mit 80 Dollar pro Woche etwa 60 Prozent mehr als im konventionellen Bereich, zuzüglich Transport und Verpflegung. Ohne sich dem Pestizidregen auszusetzen - sozialversichert und mit Gesundheitsfürsorge.

Einmal in der Woche treffen sich die Kleinbauern in ihrem Büro in Machala, der Hauptstadt der Bananenprovinz El Oro. Dort wird darüber diskutiert und entschieden, für welche Projekte die gemeinschaftliche Fairtrade-Prämie von 1 Dollar pro Kiste Bananen eingesetzt werden soll. Dabei handelt es sich beispielsweise um Schulprogramme für ihre Kinder, die Düngerbeschaffung oder Kleinkredite. "Unser wichtigstes Ziel ist es", so María Inés, "dass wir künftig direkt exportieren, dass wir die Arbeit zwischen der Finca und dem Kühlschiff selbst in die Hand nehmen."

Von Peter Korneffel

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